Buxtehudes Bundesligafrauen zwischen Freude und Frust

Buxtehude. Peter Prior kann nach 30 Jahren in der Handball-Bundesliga offenbar nichts mehr schocken. In seiner nonchalanten Art holte der Geschäftsführer der Handballerinnen des Buxtehuder SV beim Sponsorenabend die Schar der Verletzten vors Mikrofon. Eine nach der anderen. Priors Tenor: Alles wird gut. Dirk Leun, der dienstälteste Trainer der Bundesliga (elf Jahre), blickte weniger launig drein.

„Die Situation ist ernst“, sagt der langjährige Erfolgscoach angesichts der Personalmisere, „die Saison wird eine große Herausforderung für uns. Wir sollten nicht in Panik verfallen, müssen unsere Ansprüche jedoch herunterschrauben.“ Ein Saisonziel nach Platz vier und der Qualifikation für den Europapokal im Vorjahr könne der 55-Jährige vor dem Ligaauftakt an diesem Sonnabend (19 Uhr/Sportdeutschland.tv) bei der HSG Bad Wildungen nicht benennen. Einen solchen Neuaufbau hat selbst der aller Orten geschätzte Talenteflüsterer so noch nicht erlebt. „Die jungen Spielerinnen müssen ihre Lernfähigkeit ums Fünffache erhöhen.“ Und das im Echtzeitbetrieb.

Nach Julia Gronemann (34/Tor/Karriereende) verabschiedeten sich im Mai Kapitänin Antje Peveling (31/Tor) und im Juli auch Jessica Oldenburg (28/Rückraumlinks) in die Babypause. Zudem musste Nationaltorhüterin Lea Rüther am Meniskus operiert werden, die 21-Jährige kehrt frühestens nach der WM-Pause Ende Dezember zurück. Friederike Gubernatis (31), Annika Lott (19/beide Schulter) und Neuzugang Paulina Golla (18/Daumen/alle Rückraum) plagen seit Wochen Schmerzen. „Und dann wird es eng, im Training wie im Spiel“, sagt Leun, der zwar sieben Zugänge begrüßen konnte. Doch keine der ausnahmslos U-23-Jährigen lief bisher ein einziges Mal in der Ersten Liga auf. Der Etat (unter eine Million Euro) für Nachverpflichtungen ist beim Traditionsclub überschaubar.

Weil auch Prior um die Sorgen weiß, holte er die Mannschaft noch einmal geschlossen auf die Bühne. Mit einem mutmachenden Applaus wurden die Spielerinnen in die Saison entlassen.