Frauen-WM

Neue Elfmeterregel sorgt bei Frauen-WM für Tränen und Trauer

Erin Cuthbert ist mit Schottland bei der Frauen-WM ausgeschieden, weil der Videobeweis beim entscheidenden Elfmeter eingegriffen hat.

Erin Cuthbert ist mit Schottland bei der Frauen-WM ausgeschieden, weil der Videobeweis beim entscheidenden Elfmeter eingegriffen hat.

Foto: dpa

Bei der Frauen-WM wird die neue Elfmeterregel angewandt. Das wäre nicht tragisch. Doch durch den Videobeweis sorgt sie für Entsetzen.

Grenoble. Er hat für Entsetzen gesorgt, für Tränen und Trauer. Der Videobeweis kommt erstmals auch bei der Fußball-WM der Frauen zum Einsatz. Für Aufregung sorgt vor allem dessen Einsatz bei Elfmetern. Dreimal wurde ein erfolgloser Strafstoß beim Turnier in Frankreich bisher wiederholt. Dreimal hatte dies entscheidenden Anteil am Verlauf des Spiels. Für Schottland sogar am Verlauf des Turniers: Nach dem Elfmeter-Ausgleich zum 3:3 der Argentinier in den Schlussminuten des letzten Gruppenspiels war es für die Schottinnen beendet.

Dazu muss man wissen: Seit 1. Juni gibt es zahlreiche neue Regeln des Football Association Boards (Ifab). Die Neuerung zur Elfmeterausführung soll sogar eine Verbesserung für die Torhüter sein. Statt wie bisher beim Schuss mit beiden Beinen die Linie berühren zu müssen, muss es nun nur noch einer sein. Bei der alten Regel war der Ermessensspielraum des Schiedsrichters allerdings meist so groß, dass ein Verstoß nur selten geahndet wurde. Selbst bei der WM der Männer in Russland vor einem Jahr, als der Videoschiedsrichter zwar zu-, aber auch großzügig wegschaute.

Das ist beim Turnier der Frauen derzeit anders, der Videoschiedsrichter schaut sehr genau hin und schränkt die Torhüterinnen trotz vermeintlicher Erleichterung des Regelwerks umso mehr ein. Die Folge beim Verlassen der Torlinie, auch wenn der Ball meterweit neben oder über das Tor geht: Wiederholung des Elfmeters, Gelbe Karte für die Torfrau.

„Das ist lächerlich"

In Frankreich fielen so vor dem Ausgleich der Argentinierinnen gegen Schottland bereits das Siegtor der Gastgeberinnen gegen Nigeria (1:0) und der Führungstreffer von Italien gegen Jamaika (5:1). Nigerias Trainer, der Schwede Thomas Dennerby, tobte nach der Niederlage gegen Frankreich: „Wenn ich meine ehrliche Meinung dazu sage, dann schicken sie mich nach Hause - deshalb sage ich besser nichts.“ Andere sagten mehr. „Das ist lächerlich", wütete die schottische Ex-Nationaltorhüterin Gemma Fay bei der BBC, „unsere Torhüterin Lee Alexander hat 27 Jahre lang Elfmeter so trainiert und jetzt bei einer WM sagen wir: ,Nein, das geht so nicht, du musst ganz anders trainieren!'“

„Die Regel ist fragwürdig“, sagte auch die deutsche Mittelfeldspielerin Verena Schweers. „Wie soll das gehen?“, fragte Svenja Huth, stellvertretende Kapitänin des deutschen Teams: „Die Torhüterin bekommt in einem Elfmeterschießen die Gelb-Rote-Karte, und dann geht eine Feldspielerin ins Tor?“ Almuth Schult, Deutschlands Torfrau, bereitet sich im Training entsprechend vor, kann der Regelumstellung aber auch nichts Gutes abgewinnen. „Auf zu früh in den Strafraum laufende Spielerinnen wird deutlich weniger streng geachtet. Deshalb hoffe ich, dass nach dem Turnier über die Auslegung noch einmal nachgedacht wird."

Regel gilt nicht für alle

Die neuen Regeln, die nicht nur die Elfmeter, sondern beispielsweise auch die Aufstellung der Mauer bei Freistößen betrifft (Angreifer müssen nun Abstand halten), sollten eigentlich für alle gelten. Tun sie aber nicht. Im Finale der Nations League wurden sie noch ignoriert und bei der U21-EM sind sie derzeit auch ausgesetzt. Die Begründung der europäischen Fußball-Union Uefa: Sie wolle wegen der kurzen Vorbereitungszeit keine Konfusion unter den Spielern erzeugen.