Rothenbaum

Gewinnwarnung vor der Beachvolleyball-WM in Hamburg

Deutsche Meister: Clemens Wickler (l.)
und Julius Thole.

Deutsche Meister: Clemens Wickler (l.) und Julius Thole.

Foto: Imago Images / Beautiful Sports

Zehn Tage vor den Titelkämpfen am Hamburger Rothenbaum ist allein das Eimsbütteler Duo Thole/Wickler in Weltmeisterschaftsform.

Hamburg.  Am Wochenende durfte sich der Deutsche Volleyballverband (DVV) mal wieder über Erfolge seiner Beachsparte freuen. Die Berliner Leon Meier/Lui Wüst wurden in Baden bei Wien in der Altersklasse U18 Europameister. „Ein überragender Erfolg“, schrieb DVV-Sportdirektor Niclas Hildebrand aus Thailand, wo er gerade bei der U-21-Weltmeisterschaft ist.

Ähnliche Begeisterung würde Hildebrand gern auch über die Nationalteams bei Frauen und Männern verbreiten, doch zehn Tage vor der WM im Tennisstadion am Hamburger Rothenbaum (28. Juni bis 7. Juli) hält er sich mit öffentlichen Kommentaren zurück. War Anfang des Jahres sein Ziel, bei beiden Geschlechtern ins WM-Halbfinale zu kommen, relativierte er dieses Erfolgskriterium vor Kurzem auf das Erreichen des Viertelfinales. Nach den jüngsten Ergebnissen der deutschen Teams auf der Welttour wäre der Einzug in die Runde der letzen acht allerdings mehr, als der Verband derzeit erwarten darf.

Zehn deutsche WM-Starter

Allein Julius Thole/Clemens Wickler vom Eimsbütteler TV sind unter den zehn deutschen WM-Startern, sechs Frauen-, vier Männerteams, momentan voll konkurrenzfähig, gesund und selbstbewusst genug, in Hamburg die Weltspitze angreifen zu können. Sie schlugen sich in dieser Saison schon zweimal ins Halbfinale internationaler Turniere, werden in der sogenannten Entry List des Weltverbandes FIVB an 17. Stelle geführt. Die spiegelt die aktuelle Form wider, weil sie nur die Ergebnisse der vier zuletzt gespielten Turniere zählt.

Hinter Thole/Wickler klafft eine Leistungslücke, das neue HSV-Duo Nils Ehlers/Lars Flüggen scheiterte bei den Turnieren in Ostrau (Tschechien) und Warschau bereits in der Qualifikation. Der WM-Aufschlag von Alexander Walkenhorst (Essen) ist nach einer Handverletzung wiederum gefährdet. Ob Sven Winter (Düsseldorf) mit ihm antreten kann, wird nächsten Mittwoch entschieden. Andernfalls erhält Winter einen neuen Spielpartner. Walkenhorst/Winter stehen als zweites deutsches Männerteam auf Platz 61. der Eingangsliste.

Partnertausch wurde unterschätzt

Der Partnertausch, ausgelöst aufgrund des Rücktritts der Hamburger Olympiasiegerin und Weltmeisterin Kira Walkenhorst im Januar, war in diesem Jahr wohl das Hauptproblem der zuvor erfolgreichen deutschen Frauen. „Viele mögen unterschätzt haben, dass es sehr viel Zeit braucht, um sich mit einer neuen Partnerin auf Weltniveau einzuspielen“, sagt Bernd Schlesinger, der Leiter des Beachvolleyball-Bundesstützpunktes am Hamburger Alten Teichweg.

Aber auch die deutschen Meisterinnen Victoria Bieneck/Isabel Schneider (HSV), die als einziges der vier Frauen-Nationalteams zusammenblieben, baggern ihrer Vorjahresform hinterher, obwohl sie sich athletisch verbessert haben. Während sie 2018 stets Top-Ten-Resultate lieferten, schieden sie zuletzt zweimal in der Gruppenphase nach jeweils zwei Niederlagen aus. In der Entry List fielen sie auf Rang 61 zurück. Bestes deutsches Duo sind Kim Behrens/Cinja Tillmann (Münster) als 24.; sie haben jedoch nicht den Status eines Nationalteams, dürfen dennoch die WM spielen.

Bleiben als Hoffnungsträgerinnen Olympiasiegerin und Weltmeisterin Laura Ludwig und ihre neue Partnerin Margareta Kozuch (beide HSV), aktuell 51. der Entry List. Mit Platz neun vergangene Woche in Warschau deuteten sie ihr Potenzial an. Ludwig wird von Turnier zu Turnier besser, gewinnt nach 20 Monaten Wettkampf- und Babypause allmählich Kraft und Dynamik zurück. Ob das schon zu einer guten WM-Platzierung reicht, bleibt abzuwarten.