Frauenfußball-WM

Claudia Neumann erneut Ziel eines Shitstorms – ZDF reagiert

ZDF-Reporterin Claudia Neumann auf einem Kommentatorenplatz im Stadion (Archiv).

ZDF-Reporterin Claudia Neumann auf einem Kommentatorenplatz im Stadion (Archiv).

Foto: Imago/Markus Endberg

Etlichen Fans missfällt beim deutschen Sieg gegen Spanien der Auftritt der Kommentatorin. Aber Neumann erfährt auch Zuwendung.

Valenciennes/Hamburg. Die erfreuliche Nachricht fürs ZDF: Mit durchschnittlich 6,15 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 29,4 Prozent hat die Übertragung des zweiten Spiels der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Frankreich gegen Spanien (1:0) am Mittwoch wesentlich zum Tagessieg (14,8 Prozent Markanteil) des öffentlich-rechtlichen Senders im Vergleich der deutschen TV-Anstalten beigetragen.

Die weniger gute Nachricht für die Mainzer: Nicht alle Zuschauer waren einverstanden mit der Vorstellung der Kommentatorin. Die hieß in Valenciennes zum dritten Mal bei dieser WM Claudia Neumann. Und die 55-Jährige reizte einen Teil der Fans offenbar so sehr, dass diese sich einmal mehr in den sozialen Netzwerken über den Stil der ZDF-Frau ausließen.

Konträre Bewertung des Spiels

"Claudia Neumann ist unfassbar anstrengend", lautete einer der harmloseren Kommentare bei Twitter. Ein anderer zog einen wenig schmeichelhaften Vergleich zum RTL-Duo, das tags zuvor den Kantersieg der DFB-Männer in der EM-Qualifikation gegen Estland (8:0) begleitet hatte: "Gestern Marco Hagemann und Steffen Freund kompetent und unterhaltsam. Heute Claudia Neumann als brutaler Kontrast. Man reiche mir einen Schierlingsbecher."

Auch direkt wurde das ZDF mit unerfreuten Zusehern konfrontiert. "Frau Neumann hatte auch schon gemerkt, dass die spanische Nationalhymne ohne Text ist. Sie ist immer wieder für eine Überraschung gut", schrieb einer auf der Facebookseite der Sportredaktion. Viele Zuschauer störten sich vor allem daran, dass Neumann die doch eher schwere Fußballkost als "sehr gutes Spiel" bewertete.

Fehler bei Oberdorf und Gruppenkonstellation

Einige wenige fachliche Fehler waren Neumann tatsächlich unterlaufen. Lena Sophie Oberdorf etwa bezeichnete sie als jüngste deutsche WM-Torschützin seit Birgit Prinz. Richtig ist, dass Oberdorf mit 17 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen Prinz zwar als jüngste WM-Spielerin Deutschlands ablöste. Ein Treffer gelang der Mittelfeldspielerin allerdings noch nicht. Prinz traf bei der WM 1995 dagegen als 17-Jährige beim 6:1 gegen Brasilien.

Nach dem Sieg gegen Spanien sah Neumann die Mannschaft von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg zudem bereits im Achtelfinale. Richtig ist, dass die Deutschen in der Gruppe B durch den zweiten Erfolg im zweiten Spiel zwar beste Voraussetzung für die Qualifikation zur K.o.-Runde besitzen, mit sechs Punkten aber dennoch nicht durch sind.

Südafrika könnte Deutschland abfangen

Sollte Südafrika am Donnerstag gegen China gewinnen, müsste im abschließenden Gruppenspiel am nächsten Montag gegen eben jene Südafrikanerinnen mindestens ein Unentschieden her, um ganz sicher zu gehen. Neumann selbst rechnete schließlich auch vor, weshalb: Bei Punktgleichheit zählt zunächst das Torverhältnis, erst danach der direkte Vergleich.

Sowohl Deutschland als auch Spanien und Südafrika könnten am Ende theoretisch bei jeweils sechs Zählern landen. Sollte gegen Südafrika also mit mindestens zwei Toren Differenz verloren werden, könnte es doch noch einmal eng werden für die zweimaligen Weltmeisterinnen.

Allerdings sollten die Zweifel tatsächlich gering sein, denn auch die vier besten Dritten der insgesamt sechs Vorrundengruppen qualifizieren sich fürs Achtelfinale. Und den Drittplatzierten der Gruppe D werden die DFB-Frauen am Ende rechnerisch in jedem Fall hinter sich gelassen haben.

ZDF erneuert Pro-Neumann-Statement

Unabhängig dieser Fehlinformationen findet Neumann nach dem Spanienspiel auch einige Unterstützer. "Claudia Neumann ist super. Danke ZDF, ihr macht alles richtig", twitterte ein Fan.

Der Sender hatte Neumann bei der Frauen-Endrunde 2011 als erste weibliche WM-Kommentatorin im deutschen Fernsehen installiert. Nach Spielen bei der Männer-EM 2016 durfte die Rheinländerin im vergangenen Jahr dann auch bei der WM in Russland ran.

Allerdings sah sich das ZDF nach etlichen Beleidigungen im Internet noch während des Turniers zu einer schützenden Stellungnahme genötigt – die der Sender nach der erneuten herben Kritik an seiner Mitarbeiterin nach der Übertragung gegen Spanien in gleichlautenden Worten noch einmal hervorholte. "Nein", antwortete das ZDF auf die Nachfrage eines Fans, ob es sich bei Neumann um eine "Quotenfrau" handele.

Der ZDF-Tweet von 2018:

Der ZDF-Tweet von 2019:

Kritik auch für ARD-Mann Schmelzer

Ein Blick auf die Reaktionen nach dem ersten Spiel der deutschen Frauen sollte Neumann indes trösten. Nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen China sah sich auch ARD-Kommentator Bernd Schmelzer kritischen Bemerkungen ausgesetzt. Missfallen fanden Zuschauer unter anderem an einem Wortspiel des Bayern mit dem Namen der chinesischen Torhüterin. "Bei Peng hat's Pang gemacht", hatte Schmelzer zum Siegtreffer von Giulia Gwinn gesagt.

Einen praktischen Tipp für diejenigen, die Claudia Neumann eher abgeneigt gegenüberstehen, hatte letztendlich ein Twitter-Nutzer parat. "Ihr könnt das Spiel auch auf DAZN sehen", schrieb "@askDeeY". Für den Streamingdienst kommentierten am Mittwoch Lukas Schönmüller und die deutsche Ex-Nationalspielerin Tabea Kemme. "Beide machen eine fantastischen Job", befand der Absender.