Boxsport

Ismail Özens Pläne für Neustart des Hamburger Box-Universums

Die neue Universum-Familie: Die Boxer Mert Yildirim (unten, v.l.) Robert und Artem Harutyunyan, Manager Ismail Özen (u. l.), die Boxer James Kraft, Fedor Michel und Antonio Hoffmann mit den Trainern Artur Grigorian (oben, v.l.) und Toni Kraft.

Die neue Universum-Familie: Die Boxer Mert Yildirim (unten, v.l.) Robert und Artem Harutyunyan, Manager Ismail Özen (u. l.), die Boxer James Kraft, Fedor Michel und Antonio Hoffmann mit den Trainern Artur Grigorian (oben, v.l.) und Toni Kraft.

Foto: Chris Emil Janßenvia www.imago-images.de / imago images / Chris Emil Janßen

Der Hamburger Profistall, unter Klaus-Peter Kohl zu Weltruhm gekommen, soll wieder zu alter Stärke finden. Die Pläne sind ambitioniert.

Hamburg.  Das Profiboxen war immer schon ein Hort der Großmäuler. Umso erstaunlicher mutet die Erklärung an, die Ismail Özen bemüht, um die Auswahl des Veranstaltungsortes für das Comeback des einstigen Weltunternehmens Universum Boxpromotion zu begründen. Dieses findet am Sonnabend (erster von neun Kämpfen um 17.30 Uhr) in Özens „Work your Champ“-Gym an der Großen Elbstraße statt, vor 500 geladenen Gästen. „Wir haben bewusst keine große Halle gewählt, weil wir nicht von oben nach unten wollen, sondern von unten nach oben“, sagt der 38-Jährige.

Nun ist es nicht so, dass der frühere Profiboxer, der durch seine Eheschließung mit Janina Otto aus der renommierten Hamburger Unternehmerfamilie in die gehobene Gesellschaft aufgestiegen ist, nicht auch großspurig unterwegs wäre. Sein Ziel ist, das von Klaus-Peter Kohl 1984 gegründete und in den späten Neunziger- und Nullerjahren mit Stars wie den Klitschkos, Dariusz Michalczewski oder Regina Halmich zu großen Erfolgen geführte Unternehmen wieder zu alter Stärke zurückzubringen. „Wir wollen das Boxen in Deutschland wieder dort etablieren, wo es vor zehn, 15 Jahren war“, sagt der umtriebige Kurde.

Ismail Özen ist alleiniger Geschäftsführer

Mit Waldemar Kluch, der Universum 2011 von Kohl übernommen und ein gutes Jahr später in die Insolvenz geführt hatte, hat Özen sich auf eine vollständige Rechteüberschreibung geeinigt, er ist nun alleiniger Geschäftsführer. Diese Rolle ist ihm wichtig. Nicht, weil er alles allein entscheiden wolle und kein Teamplayer sei, wie es ihm inzwischen auf Abstand gegangene Weggefährten vorhalten. Sondern weil er es als wichtig erachte, eine klare Struktur vorzugeben und Entscheidungswege kurz zu halten.

Dennoch nehme er Rat von Experten gern an. Sein wichtigster Partner ist Burkhard Weber. Der ehemalige Sportchef von RTL und Sky führt für Universum die TV-Verhandlungen. „Ohne Fernsehpartner kann man nichts erreichen. Wir haben mit allen großen Sendern geredet. Das größte Interesse hat das ZDF“, sagt Özen. Die Mainzer, von 2002 bis 2010 Exklusivpartner von Kohl, werden am Sonnabend mit einer größeren Abordnung am Ring sitzen. „Sie werden sich alles ganz genau anschauen. Deshalb weiß ich, dass wir sportlich überzeugen müssen“, sagt Özen.

Prominente am Ring sorgen für Aufmerksamkeit

Warum das ZDF ausgerechnet mit ihm zusammenarbeiten sollte, obwohl es mit dem Magdeburger SES-Stall (aktuell mit dem MDR verbandelt), dem Berlin-Hamburger Sauerland-Team (Sport 1), dem Berliner Agon-Stall (MDR) oder dem Hamburger EC-Stall (ohne TV-Partner) durchaus stärker besetzte Promoter gibt? „Weil wir neue Gesichter bieten, neue Geschichten erzählen und eine neue Art der Vermarktung planen“, sagt Özen, „die großen Sender haben die Nase voll davon, mit den alten Namen abgespeist zu werden.“

Tatsächlich versucht Özen, mit einem Großaufgebot an Prominenten am Ring Aufmerksamkeit zu erzeugen. „Es ist wichtig, für die Sportler ein Umfeld zu schaffen, in dem sie noch mehr auffallen können“, sagt er. Dass es der Sport ist, der überzeugen muss, ist ihm auch klar. Und da wird es schwierig. Die bekanntesten Namen im Universum-Aufgebot sind die der Cheftrainer. Artur Grigorian (51) und Juan Carlos Gomez (45) waren zu Kohls Blütezeiten Weltmeister.

Am Sonnabend treten alle Boxen an

Unter den Sportlern ist Artem Ha­rutyunyan (28) der erfolgversprechendste. Der Olympiadritte von Rio 2016 ist, ebenso wie sein ebenfalls unter Vertrag stehender Bruder Robert (29), ein netter, stets höflicher und durchaus talentierter Kämpfer. Als Halbweltergewichtler ist er aber in einer weltweit bärenstarken Gewichtsklasse unterwegs, die in Deutschland niemanden interessiert. Ob die Kraft-Brüder Toni (26/Supermittel) und James (22/Halbschwer) wenigstens den Sprung in die europäische Spitze schaffen, bleibt abzuwarten. Gleiches gilt für die Talente Mert Yildirim (19/Halbschwer) und Fedor Michel (17/Supermittel), denen Özen große Sprünge zutraut. Am Sonnabend (15. Juni) werden alle seine Boxer antreten, die vier Hauptkämpfe gibt es von 20 Uhr an im Livestream bei bild.de.

Dass er einen langen Atem brauchen wird, um sein Ziel zu erreichen, weiß Ismail Özen. Anders als viele vermuten, erhalte er keine finanzielle Unterstützung von seinen Schwiegereltern. Als Ausrüster hat er den Sportartikelhersteller Fila für zwei Jahre gewinnen können, ein weiterer Investor wolle noch nicht genannt werden. „Ich fange klein an, will die Struktur Schritt für Schritt aufbauen, gemeinsam mit meinen Sportlern und Partnern“, sagt der zweifache Vater.

Drei Jahre hat er sich gegeben, um ihn zu schaffen, den Weg von unten nach oben. Am Sonnabend wird man immerhin wissen, ob die eingeschlagene Richtung stimmt.