Computerspiele

Neuer Streit um E-Sport: Politik rückt von Förderung ab

LEin Teilnehmer beim Fifa eClub World Cup 2019 Anfang Februar in London.

LEin Teilnehmer beim Fifa eClub World Cup 2019 Anfang Februar in London.

Foto: Charlie Crowhurst - FIFA / FIFA via Getty Images

Mit dem organisierten Sport liegen die Gamer bereits im Clinch. Nun bröckelt auch die Unterstützung in der Regierung.

Berlin.  Erst zog der organisierte Sport den Stecker, nun wird die Politik möglicherweise zum Endgegner: Der E-Sport kämpft nach der Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages am Mittwoch stärker als je zuvor um seine Daseinsberechtigung als Sportart. Nach der Sitzung kehrten vor allem die Regierungsparteien von ihrer im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Linie einer vollumfänglichen Anerkennung des E-Sports ab. Die Szene ist in Aufruhr.

Nach dem dreistündigen Treffen im Sitzungssaal 4800 des Paul-Löbe-Hauses war es vor allem die SPD, die sich ungewohnt deutlich vom E-Sport distanzierte. "In der heutigen Anhörung des Sportausschusses sind die Dynamiken und Entwicklungen des E-Sports in Deutschland deutlich geworden. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass E-Sport bis auf wenige Ausnahmen nicht den Ansprüchen einer Sportart genügt", teilte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Detlev Pilger, mit.

Damit liegen die Sozialdemokraten auf einer Wellenlänge mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der die aktuell dominierenden Spieltitel in "virtuelle Sportsimulationen" (z.B. Fifa 19, NBA2K) und "eGaming" (League of Legends, Dota 2 etc.) unterteilt. Nur die Sportsimulationen seien nach DOSB-Lesart förderungswürdig. Der E-Sport-Szene stieß der Kurswechsel der SPD sauer auf.

"Insbesondere die Position der SPD ist für uns ein klarer Bruch der Zusagen des Koalitionsvertrags und ein Vertrauensbruch gegenüber den Menschen", sagte Hans Jagnow, der Präsident des eSport-Bundes Deutschland (ESBD). Die SPD-Fraktion wolle nun, wie Pilger weiter ausführte, lediglich die Gemeinnützigkeit für Vereine mit E-Sport-Angebot zusichern. Dies ist dem ESBD viel zu kurz gegriffen – und auch die Vorschläge der CDU sorgten im E-Sport für Kopfschütteln.

Keine Gemeinnützigkeit für Ego-Shooter

Der CDU-Abgeordnete Johannes Steiniger zeichnete ein Szenario, in dem die Gemeinnützigkeit sogenannten "Ego-Shootern" verwehrt bliebe. "Shooter-Spiele wie Counter-Strike bewegen sich außerhalb der vom Sport akzeptierten und geförderten ethischen Grenzen", sagte er. Jagnow sah auch hier eine Verfehlung der im Koalitionsvertrag festgehaltenen Zielsetzung und stufte Steiningers Vorschläge als "nicht rechtssicher" ein. "Eine vollständige Anerkennung des E-Sports bedeutet den E-Sport in allen Facetten anzuerkennen", sagte Jagnow.

Ähnlich äußerte sich Felix Falk, Geschäftsführer des Computerspielverbands Game: „Die Einheit des digitalen Sports ist keine Verhandlungsmasse, E-Sports ist Sport in all seinen Facetten.“ Er sprach von einer „verpassten gesellschaftspolitischen Chance“ der Politik.

DOSB sieht „geringe Schnittmenge“

Während der Sitzung hatte Jagnow noch einmal betont, dass sein Verband bislang keinen Mitgliedsantrag beim DOSB gestellt hat und nicht einmal sicher sei, ob er dies überhaupt wolle. Dem DOSB bescheinigte er nach der Sitzung im Sportausschuss "wenig Offenheit für Neues".

Die Vorstandsvorsitzende des DOSB, Veronika Rücker, war am Mittwoch in Berlin ebenfalls zugegen und erläuterte noch einmal die kritische Haltung des Dachverbandes beim Thema E-Sport. "Wir erkennen, dass es ein kulturelles Phänomen ist, das im Alltag inzwischen zunehmend verankert ist. Aber wir sehen eben nur eine ganz geringe Schnittmenge zu dem, was uns unter dem Dach des organisierten Sports bewegt", sagte Rücker. "Ich würde nicht behaupten, dass die Schnittmenge heute größer geworden ist."