Fußball-Oberliga

Rassistische Beleidigungen: Spielabbruch in Barmbek

Kevin Heitbrock (l.) und Lawrence Schön im BU-Fanblock

Kevin Heitbrock (l.) und Lawrence Schön im BU-Fanblock

Foto: Andre Matz

Spieler aus Meiendorf verließen bei Oberligapartie den Platz. Barmbek-Uhlenhorst schloss einen Zuschauer aus Verein aus.

Hamburg. Das Oberligaspiel HSV Barmbek-Uhlenhorst gegen den Meiendorfer SV wird unrühmlich in die Geschichte der Oberliga Hamburg eingehen. Die Partie vor 447 Zuschauern wurde beim Spielstand von 3:0 für die bis dato sportlich überlegenen Gastgeber in der 70. Spielminute abgebrochen.

Nach einem von Schiedsrichter Thore Holst (FTSV Altenwerder) geahndeten Foulspiel des Barmbeker Fatih Umurhan am Meiendorfer Lawrence Schön beging Schön eine vermeintliche Tätlichkeit an Umurhan. Barmbeks Fans reagierten daraufhin mit Pöbeleien.

"Verpiss dich, du Schwarzer"

Als Reaktion darauf sprang Meiendorfs Akteur Kevin Heitbrock plötzlich über die Bande in die Barmbeker Fankurve und suchte die Auseinandersetzung mit Barmbeks Fans. Er hatte von dort rassistische Beleidigungen vernommen. Mehrere in der Nähe stehende Zuschauer bestätigten auf Befragung des Abendblatts die Rufe „Du Schwarzer“ von einigen Barmbeker Fans, einer hatte die Beleidung „Verpiss dich, du Schwarzer“ gehört.

Im Handumdrehen herrschte Chaos auch auf dem Platz, eine Rudelbildung entstand. Körperliche Attacken blieben zwar weitgehend aus und verletzt wurde niemand – allerdings schwoll die Erregungsskala weiter an. So scheiterte zum Beispiel Barmbeks Fanbetreuer Detlev Grandt damit, den Meiendorfer Spieler Haci Gündogan (früher bei Barmbek-Uhlenhorst) zu beruhigen. Grandt hatte sich anscheinend im Namen der Fans für den Ruf „Du Schwarzer“ entschuldigen wollen. Gündogan konterte erregt: „Es wurde sogar `Du schwarze Sau` gerufen. Wir haben 2019. Wie kannst du hier stehen und sagen, das sei nicht passiert?“

Eigentlich gute Fankultur

Jedenfalls entschied sich Meiendorfs Trainerteam zusammen mit der Mannschaft zunächst geschlossen den Platz an der Dieselstraße aus Protest zu verlassen. Das Spiel wurde somit abgebrochen. „Das wäre nicht gut ausgegangen, deshalb sind wir vom Platz gegangen“, begründete Meiendorfs Trainer Baris Saglam später das in dieser Form einmalige Vorgehen eines Vereins in der Oberliga Hamburg.

„BU steht eigentlich für eine gute Fankultur. Solche Pappnasen aber müssen sie herausfiltern. Rassismus hat im Fußball nichts zu suchen.“ Auch Barmbeks Trainer Marco Stier äußerte sich: „Ich stehe zu weit weg, um zu beurteilen, was vor der Fankurve vorgefallen ist. Ich wurde jedoch vom Meiendorfer Anhang beleidigt und mir wurden Schläge angedroht.“

Fanbetreuer soll Stadionverbot erhalten

BU reagiert noch am Abend: „Wir als Vereinsverantwortliche mussten leider sehr schnell das absolute Fehlverhalten eines BU-Zuschauers feststellen. Wir werden diesen Zuschauer aus dem Verein ausschließen und Stadionverbot erteilen“, hieß es in einer Stellungnahme des Vereins. Pikanterweise soll es sich dabei um Fanbetreuer Detlev Grandt handeln. Der hatte dem Abendblatt noch erklärt, „der Ruf „Du Schwarzer“ habe sich auf die „schwarze Trikotfarbe der Meiendorfer bezogen“.

Höchstwahrscheinlich werden die Geschehnisse nun vor dem Sportgericht des Hamburger Fußball-Verbandes aufgearbeitet werden.