Mixed Martial Arts

Nur ein Werbegag? Hamburgs "Flying Uwe" hält dagegen

Kampfkünstler Uwe Schüder war
2009 „Mister Hamburg“.

Kampfkünstler Uwe Schüder war 2009 „Mister Hamburg“.

Foto: Roland Magunia / HA

Kampfsport- und Fitnessunternehmer Uwe Schüder bestreitet in der Wilhelmsburger Inselparkhalle sein erstes Duell in der GMC.

Hamburg.  Ist es ein Kreis, der sich schließt? In der edel-optics.de-Arena im Wilhelmsburger Inselpark wird Uwe Schüder an diesem Sonnabend (18 Uhr/live bei ranfighting.de) seinen ersten Kampf im Mixed Martial Arts (MMA) bestreiten. Im Rahmen der German MMA Championship (GMC), der wichtigsten deutschen Serie für die gemischten Kampfkünste, trifft der 31-Jährige im Weltergewicht (bis 77 kg) auf den Kroaten Nenad Dunovic (25). Ganz in der Nähe von dort, wo er aufwuchs, wo im übertragenen Sinn der Kampf seines Lebens begann, soll also ein neues Kapitel seiner Kampfsportkarriere geschrieben werden. „Das in Hamburg zu erleben, ist etwas sehr Besonderes für mich“, sagt Schüder.

Wer im Internet nach ihm sucht, der stößt auf einen der erfolgreichsten Unternehmer im Bereich Fitness und Kampfsport, der auf seinen eigenen Social-Media-Kanälen ein Millionenpublikum erreicht. Berühmt sind die spektakulären High-Drehkicks aus seiner Zeit im Wun Hop Kuen Do Kung Fu, die ihm den Spitznamen „Flying Uwe“ eingebracht haben. Doch Schüder, der 2009 in Hamburg die Mister-Wahl gewann, baut sein berufliches Fortkommen längst auf mehrere Säulen. Er betreibt mit „Smilodox“ eine Firma für Sportlerkleidung und mit „Neosupps“ eine Firma für Nahrungsergänzungsmittel. Warum also drängt es ihn, als Vater einer vierjährigen Tochter, dazu, sich dem härtesten Kampfsport der Welt zu stellen?

Die Königsdisziplin

Die Mutmaßung, sein Debüt sei ein Werbegag, um den Hype um MMA gerade in der für seine Unternehmen relevanten jungen Zielgruppe auszunutzen, quittiert Schüder mit einem klaren Dementi. „Wer ins MMA geht, der muss kämpfen wollen. So etwas nur zu tun, um bekannter zu werden, das wäre sehr, sehr dumm“, sagt er. Sein Antrieb sei, dass er nach Jahren in Semikontakt-Kampfsportarten „endlich einmal wissen wollte, wie sich ein MMA-Kampf anfühlt. Das ist die Königsdisziplin, und ich möchte wissen, wie ich darin mithalten kann“, sagt er.

Seit 2013 trainiert Schüder intensiv in MMA-relevanten Teildisziplinen wie Brazilian Jiu-Jitsu. Mit Ismail Cetinkaya hat er nun einen der renommiertesten Hamburger MMA-Coaches an seiner Seite. „Das Training war anfangs unglaublich hart. Wir mussten meine gesamte Haltung umstellen. Ich habe gegessen wie nie zuvor, weil ich so viel verbrannt habe. Aber jetzt, wenn ich in der neunten Sparringsrunde merke, dass ich noch zulegen kann, weiß ich, dass ich bereit bin für die Herausforderung“, sagt er.

Großes Kämpferherz

Sein Vorteil, glaubt Uwe Schüder, sei sein Allroundtalent. Er hat ein großes Kämpferherz, das ihm sein Vater vererbte, der als 21-Jähriger an Lungenversagen, ausgelöst durch eine Überdosis Kokain, starb, als der Sohn nicht mal zwei Jahre alt war. Weil auch die Mutter in die Drogensucht abglitt, lernte der Junge früh, auf sich allein vertrauen zu müssen. „So etwas prägt fürs Leben.“ Aber er ist auch ein Bewegungstalent, „kein steifer Hund, der ein stehendes Ziel bietet“. Zwei Einheiten pro Tag, außer sonntags, hat er in den vergangenen acht Wochen absolviert. „Und ich habe von Tag zu Tag mehr Sicherheit gewonnen. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass ich den Kampf gewinnen werde.“

Und dann? Wird es eine Zukunft im Oktagon geben, oder ist der Ausflug als einmaliges Abenteuer angelegt? Uwe Schüder kann darauf noch keine Antwort geben. Aber er glaubt nicht, dass sich am Sonntag ein Kreis schließt, sondern eher, dass ein neuer Weg beginnt.