Hamburg

Der Kampf um ein Judo-Frauenteam

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Mascha (l.) und Seija Ballhaus sind
Hamburgs Judotalente.

Mascha (l.) und Seija Ballhaus sind Hamburgs Judotalente.

Foto: Andreas Laible / HA

Toptalente Mascha und Seija Ballhaus würden gern in ihrer Heimat Hamburg bleiben. Derzeit starten sie für Speyer.

Hamburg.  Alltäglich ist eine Reise ins Mutterland ihres Sports natürlich nie. Aber dass Seija und Mascha Ballhaus in der vergangenen Woche nach Osaka geflogen sind, um dort als Teil des zwölf Teilnehmerinnen starken U-21-Nationalteams an einer Mädchenuniversität 14 Tage lang mit Japans besten Judotalenten zu trainieren, sorgt bei den Zwillingen vom TH Eilbeck kaum für erhöhten Puls. Schließlich waren sie vor einem Jahr schon einmal drei Wochen in Tokio. „Sich mit den Japanerinnen zu messen und zu erleben, was unser Sport dort bedeutet, das ist schon faszinierend“, sagen sie, „aber wir sind es mittlerweile gewohnt, dass wir für Judo durch die Welt reisen.“

Fünf Monate, schätzen die 18-Jährigen, werden sie in diesem Jahr auf sportlicher Dienstreise verbracht haben. Die gute Kooperation mit dem Gymnasium Glinde, wo sie 2019 ihr Abitur machen, ermöglicht es ihnen, Klausuren auch mal unterwegs zu schreiben. Seija und Mascha Ballhaus, die ihre finnischen respektive russischen Vornamen ebenso der Vorliebe ihrer Eltern für Außergewöhnliches verdanken wie die Auswahl ihres Lieblingssports, zählen in der Altersklasse U21 zu den Toptalenten in Deutschland. Deutsche Meistertitel gewannen in diesem Jahr beide, bei der WM auf den Bahamas war angesichts des erst zu dieser Saison erfolgten Wechsels in die höhere Altersklasse wegen mangelnder Erfahrung in Runde zwei Schluss. „Nächstes Jahr wollen wir bei der WM Medaillen, dann haben wir die dafür nötige Erfahrung“, sagen sie.

Kampf um Startplätze

Seija, die eine Minute älter ist, startet in der Klasse bis 52 Kilogramm, Mascha im Limit darunter (bis 48 kg). Das ist wichtig, weil sie sich so im Kampf um Startplätze bei internationalen Turnieren nicht gegenseitig auf die Matte legen müssen. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr war das Alltag auf Turnieren, „aber als Kind stört einen das nicht. Jetzt vermeiden wir es bewusst und achten stark darauf, unsere Gewichtslimits zu halten“, sagen sie.

Sich zu messen, wie es Geschwister im selben Sport notgedrungen tun, erstreckt sich für die Ballhaus-Zwillinge auch auf viele andere Lebensbereiche. Dennoch teilen sie bis auf die Lebenspartner alles, und das soll auch nach dem Abitur so bleiben, wenn sie gemeinsam zur Sportfördergruppe der Bundeswehr wechseln und dort studieren wollen, auch wenn Mascha das Lehramt präferiert und Seija „etwas Medizinisches“ vorschwebt.

Sommerspiele in Japan

Dass sie Hamburg in Richtung des Bundesstützpunkts München werden verlassen müssen, um in ihrem Sport voranzukommen, daran sind sie längst gewöhnt. Da es in der Stadt seit vielen Jahren kein Bundesligateam mehr gibt, starten sie für Speyer, wurden dort am vorvergangenen Wochenende deutscher Mannschafts-Vizemeister. Die Bestrebungen des Hamburger Verbandspräsidenten Rainer Ganschow, mittelfristig neben den erfolgreichen Männern des Hamburger Judo-Teams (dreimal in Folge deutscher Meister) auch wieder auf ein Frauenteam zu setzen und Hamburg zum Bundesstützpunkt auszubauen, würden sie dennoch sofort unterstützen.

„Für uns wäre das super. Wenn alle mitziehen würden, fänden wir das sehr gut“, sagen sie. „Alle“, das sind die in ganz Deutschland verstreut trainierenden Hamburger Topkämpferinnen wie Martyna Trajdos, Nieke Nordmeyer, Miriam Butkereit oder Renée Lucht. „Wenn wir diese Kämpferinnen in einem Team hätten, wäre das eine tolle Basis“, sagt Landestrainer Slavko Tekic, der mit den Ballhaus-Zwillingen große Pläne hat. „Ich glaube, dass die beiden es 2020 zu Olympia schaffen können“, sagt er. Das Gastgeberland kennen sie immerhin bereits. Die Sommerspiele finden bekanntlich in Japan statt.

( bj )

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