Fußball

Humorlos, aber stabil: So löst der HSV seine Problemfälle

Der 3:2-Sieg im Testspiel gegen Aarhus hat offenbart, welche Fortschritte die Mannschaft gemacht hat – und welche nicht.

Hamburg.  Bernd Hoffmann und Ralf Becker waren gut gelaunt. Es war ein sonniger Nachmittag im Volkspark, als der HSV zum Testspiel gegen den dänischen Erstligisten Aarhus GF antrat. Doch schon 90 Minuten später sahen die Gemüter der Vorstände anders aus. Schuld war die hohe Hamburger Konteranfälligkeit. 1:5 hatte der HSV sein erstes Spiel in der Vorbereitung verloren und dabei eklatante Mängel im Abwehrverhalten aufgezeigt. Drei Monate ist dieser Nachmittag nun her.

Am gestrigen Donnerstag schloss sich für den HSV ein Kreis. Erneut trat das Team von Trainer Christian Titz zum Testspiel gegen Aarhus an. Mit 3:2 (0:1) glückte den Hamburgern die Revanche. Hoffmann ersparte sich an diesem erneut sonnigen Nachmittag das Spiel, Sportchef Becker beobachtete die Partie dafür in der Nähe der Trainerbank. Und was der 48-Jährige in den ersten 50 Minuten sah, dürfte ihn an den Auftritt vor drei Monaten erinnert haben. Genauso wie den Trainer. „Auf einmal hatte ich ein Déjà-vu-Gefühl“, sagte Titz nach dem Spiel, das der HSV in der zweiten Halbzeit drehte.

Riskante Phase in der ersten Halbzeit

Gemeint war eine Phase in der ersten Halbzeit, als die Dänen durch ihr gefährliches Konterspiel beinahe mit 2:0 in Führung gingen. Das Spiel des HSV erinnerte nicht nur an die Partie im Juli, sondern auch an die Niederlagen gegen Kiel und Regensburg in der Liga. Viel Ballbesitz, wenig Chancen, hohe Konteranfälligkeit. Ein Problem, das der HSV noch nicht vollständig in den Griff bekommen hat. Auch gegen Aarhus fielen beide Gegentore durch das schnelle Umschalten der Dänen.

Im Angriffsspiel zeigte sich der HSV dagegen insbesondere in der zweiten Halbzeit im Vergleich zu den jüngsten Spielen stark verbessert. Die Hamburger hielten das Tempo über die gesamte Spielzeit hoch und kamen häufig über das Flügelspiel in die gefährlichen Zonen. Dabei machte vor allem Bakery Jatta auf sich aufmerksam. Der Gambier zog immer wieder Sprints in die Tiefe an und leitete Angriffe ein. Sein steigendes Selbstvertrauen wurde deutlich, als er sich nach einem von Tatsuya Ito herausgeholten Strafstoß den Ball nahm und humorlos zum 2:2 ausglich (64.). Zuvor hatte Kapitän Aaron Hunt per Volleyschuss verkürzt.

Kurz vor Schluss traf Khaled Narey dann zum 3:2-Sieg. Alle Tore wurden über das schnelle Flügelspiel eingeleitet. Titz zeigte sich mit der Leistung zufrieden. „Das Ergebnis ist am Ende zu niedrig ausgefallen. Wir haben uns zu Beginn nicht belohnt, uns aber vom Rückstand auch nicht beirren lassen.“

Heimspiel gegen Bochum als Reifetest

Der HSV zeigte zumindest phasenweise, dass er aus den vergangenen drei Monaten gelernt hat. Für diesen Lerneffekt brauchte es offenbar die zwei herben Ausrutscher zum Saisonstart gegen Holstein Kiel (0:3) und sechs Wochen später gegen Regensburg (0:5), ehe Titz sein System korrigierte. „Der Fokus lag darauf, unser Spiel zu stabilisieren“, sagte Titz über seinen Plan für das Aarhus-Spiel.

Der Trainer hatte natürlich mitbekommen, dass der Vorstand Korrekturen von ihm gefordert hatte. Weniger Risiko im Aufbauspiel der Innenverteidiger, mehr Stabilität im defensiven Mittelfeld, eine klare Nummer neun in der Offensive. Titz musste diese Korrekturen vornehmen, um seinen Job zu retten. Zuletzt gab es nur ein Gegentor in drei Spielen. „Die Absicherung unserer Sechser ist besser, die Verdichtung des Zentrums ebenso, die Innenverteidiger verteidigen höher“, sagt Titz.

Deutliche Entwicklung erkennbar

Ein maßgeblicher Reifetest für die Verbesserung des Offensivspiels wird nun das Heimspiel gegen den VfL Bochum in neun Tagen sein. Bislang konnte der HSV im Volkspark noch keinmal restlos überzeugen. Die Bochumer gehören zu den spielstärkeren Teams der Liga, das könnte dem HSV entgegenkommen. Titz rechnet trotzdem mit einem defensiv eingestellten VfL. „Bochum hat beide Systeme im Repertoire. Ich vermute, dass der VfL bei uns das defensive Modell wählt.“

Um sich auf diese Spielweise einzustellen, testete der HSV erneut gegen Aarhus. Und im Vergleich zum 1:5 im Juli ließ sich eine Entwicklung in einzelnen Spielphasen erkennen. „Wir stecken in einer Entwicklung, in der wir viele Dinge stabiler machen. Entscheidend sind am Ende die Ergebnisse“, sagt Titz. Gegen Aarhus stimmte zumindest das Ende für den HSV.

HSV gegen Aarhus: Pollersbeck (46. Mickel) – Narey, Lacroix (46. Ambrosius), Janjicic, Santos – Steinmann – Ferati (46. Jatta), Hunt (84. Kwarteng), Holtby, Ito (84. Borges) – Lasogga (46. Sakai). Tore: 0:1 Mmaee (27.), 0:2 Hojer (47.), 1:2 Hunt (58.), 2:2 Jatta (64.), 3:2 Narey (89.).

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.