Berlin

„Ich mache das nicht extra“

Stürmer Leroy Sané wehrt sich gegen Vorwürfe mangelnder Mentalität. Beim DFB ist er noch nicht angekommen

Berlin. Wer von Neuem beginnen möchte, sollte den Beginn am besten nicht verpassen. Joachim Löw bat in Berlin zur ersten Trainingseinheit. Der Bundestrainer beobachtete angemessen zufrieden, wie sich seine Mannschaft auf dem Rasen einfand, und signalisierte durch einen kurzen Ton auf der Trillerpfeife schon Versammlungsbereitschaft, als Leroy Sané als Letzter auf den Platz geschlendert kam. Gerade noch rechtzeitig offenbar.

Viel ist in den vergangenen Monaten passiert im Leben von Leroy Sané. Trotz erheblicher sportlicher Eignung war der 22-Jährige von Löw aus dem Kader für die WM in Russland gestrichen worden. Und weil diese WM so verheerend verlaufen war, sieht sich auch der deutsche Fußball einem Neustart ausgesetzt. Spiel drei und vier seit dem Turnier führen die deutsche Elf nun am Sonnabend nach Amsterdam zum Nations-League-Duell mit den Niederlanden (20.45 Uhr / ZDF live) und drei Tage später ins Weltmeisterland Frankreich.

Vor diesen Spielen steht Leroy Sané sinnbildlich für die Riege der jungen dribbelnden Talente, von denen dieses weltmeisterliche, den Confed-Cup gewinnende Deutschland vor etwas mehr als einem Jahr eine fast unübersichtliche Menge zu haben schien, ehe sich entpuppte, dass die allermeisten von diesen Spielern ihre Rolle noch längst nicht gefunden haben. Wie Sané.

„Leroy war immer schon engagiert“, sagt Löws Co-Trainer Marcus Sorg am Mittwoch, schränkt aber ein: „Das eine oder andere Mal war es nicht so, wie wir es gern gesehen hätten. Aber das ist nicht schlimm. Leroy ist ein sehr, sehr junger Mensch. Wir sind alle daran interessiert, einen Spieler mit einer solchen Qualität so zu führen, dass er bei uns eine wichtige Rolle spielen kann.“

Wie leicht das wird, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Toni Kroos, Star von Real Madrid, meinte einmal, Sané müsse immer wieder zu Leistung angetrieben werden. Die Körpersprache des Ex-Schalkers erwecke den Eindruck, dass ihm egal sei, ob das Spiel gewonnen oder verloren werde.

Braucht der Jungstar von Manchester City also stets einen Tritt in den Allerwertesten? „Ehrlich gesagt finde ich das nicht“, spricht Sané erstmals seit dem Sommer über seine potenziellen Nachlässigkeiten. Es klang fast entschuldigend, als er über seine scheinbare Gleichgültigkeit anfügte: „Ich mache das nicht extra. Ich will immer, dass wir unsere Spiele gewinnen, dass wir alle zusammen gut aussehen. Wenn das jemand anders sieht, ist das aber kein Problem für mich“, sagt der 22-Jährige: „Wenn einer zu mir kommt und mir so etwas sagt, respektiere ich das auch und versuche, mich zu verändern.“

Doch in Manchester lief die Saison für ihn behäbig an. In der Nationalmannschaft hat der junge Vater (seine Tochter wurde im September geboren) sportlich eben auch noch nicht Fuß gefasst, hat in 13 Spielen noch kein Tor geschossen und nur eine Vorlage gegeben. Dabei wäre er so wichtig, um das deutsche Spiel um das Element des Draufgängertums zu bereichern. „Ich habe viel nachgedacht in der Sommerpause und versuche mich in meinem Spiel so zu verbessern, dass der Jogi beim nächsten Mal keine Möglichkeit hat, mich nicht zu nominieren“, sagte Sané. Das ist immerhin eine klare Ansage.