Hamburg

Diamantakos verspricht, nie wieder Rot zu sehen

Nach der Würgeattacke gibt sich St. Paulis Grieche geläutert. Der Stürmer muss zum Rapport beim Kapitän

Hamburg.  Für einen kurzen Moment ahnte Dimitrios Diamantakos Böses. Ein harmloses Dribbling, und plötzlich sank der Stürmer des FC St. Pauli mit schmerzverzerrtem Gesicht und einem nicht zu überhörenden Aufschrei zu Boden. Der Grieche war unglücklich mit den Stollen im Rasen hängen geblieben, verdrehte sich das Knie. Kurze Zeit später konnte der 25-Jährige aber Entwarnung geben. Diamantakos dehnte sich kurz, lief den Schmerz heraus und konnte die Einheit gemeinsam mit den Kollegen beenden.

Eine Verletzung hätte auch so gar nicht in die bisher so positive Arbeitswoche des in Piräus geborenen Stürmers gepasst. Am Montag war bekannt geworden, dass Diamantakos für seine Würgeattacke im Testspiel beim FSV Frankfurt (2:1) nicht für die Zweite Liga gesperrt wird. Lediglich drei Freundschaftsspiele muss der Offensivspieler, der selbst mit einem schlimmeren Strafmaß gerechnet hatte, zuschauen. „Als ich erfahren habe, dass ich nicht für den Ligabetrieb gesperrt werde, war ich einfach nur überglücklich. Ich wusste gar nicht, dass man in Deutschland für einen Platzverweis in einem Testspiel auch für Pflichtspiele gesperrt werden kann. In Griechenland ist es ganz anders“, erklärt Diamantakos: „Als ich informiert wurde, was mir droht, dachte ich nur: Oh, nein, das kann doch nicht wahr sein!“

Es ist kein Geheimnis, dass der immer robust spielende Diamantakos ein Heißsporn ist. Kaum eine Partie vergeht, in der er nicht mit Schiedsrichtern oder Gegenspielern diskutiert. Doch handgreiflich ist er noch nie geworden. „Das war unglaublich dumm von mir. Es war meine erste Rote Karte in meinem Leben und auch meine letzte“, sagt der Torjäger. „Diese Dummheit ist aus der Emotion heraus geschehen. Wenn ich fünf Sekunden länger nachgedacht hätte, wäre es nicht so weit gekommen“, erklärt Diamantakos, der sich beim Schiedsrichter und seinen Mannschaftskollegen entschuldigt hat.

Während der Deutsche Fußball-Bund gnädig war, wird Diamantakos intern nicht so glimpflich davonkommen. Nach einem ernsten Gespräch mit Trainer Markus Kauczinski muss „Dimi“, wie ihn die Kollegen nennen, nun noch bei Kapitän Bernd Nehrig antreten. „Ich muss und will natürlich auch für die Mannschaft etwas zur Wiedergutmachung tun. Ich glaube aber nicht, dass ich die Jungs in ein griechisches Restaurant einladen werde“, scherzt er. Um eine kleine Spende für die Mannschaftskasse kommt der „Würger von Frankfurt“ nicht herum.

Diamantakos wird es verschmerzen können. Vielmehr freut er sich darüber, dass er sich weiterhin für Zweitligaeinsätze empfehlen kann. In der Endphase der vergangenen Saison erkämpfte sich der kampfstarke Mittelstürmer einen Stammplatz, den er mittlerweile aber an den derzeit verletzten Sami Allagui und Neuzugang Henk Veerman wieder verloren hat. „Die drei Wochen, die ich in der Vorbereitung verletzungsbedingt gefehlt habe, haben mir geschadet“, sagt Diamantakos: „Wir haben jetzt aber viele Spiele in den kommenden Wochen. Ich bin zu 100 Prozent fit und will endlich mein erstes Pflichtspieltor in dieser Saison erzielen“, sagt er. Am liebsten schon in Aue am Sonntag (13.30 Uhr), um seine bisher so gute Woche zu krönen.

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