Hamburg

Emanzipation in der Fanszene: Frauen in der Kurve

Die Ausstellung „Fan.Tastic Females“ eröffnet im Millerntor-Stadion ihre Tore

Hamburg.  Als Daniela Wurbs (39) und Antje Grabenhorst (29) am frühen Freitagabend bei der internen Kick-off-Party durch die Gänge des Museums des FC St. Pauli schlenderten, kamen sie aus dem Lächeln gar nicht mehr heraus. Vor acht Jahren entstand ihre Idee, eine Ausstellung ins Leben zu rufen, die sich mit dem Fanleben aus Sicht der Frauen beschäftigt. An diesem Sonnabend (um 13 Uhr) öffnet nun die „Fan.Tastic Fe­males“ – ihr Projekt, in das sie Herzblut, Leidenschaft und Zeit gesteckt haben – in der Gegengerade des Millerntor-Stadions endlich ihre Tore. Der Clou: Auf allen Exponaten ist ein QR-Code aufgedruckt, der die Ausstellung auf dem Smartphone oder Tablet zu einem interaktiven Erlebnis macht.

„Wir haben innerhalb eines Jahres 78 weibliche Fußballfans weltweit mit der Kamera besucht. Sie haben uns ihre Geschichten erzählt, die wir nun ausstellen“, berichtet Wurbs: „Von der 14-Jährigen aus der Ultraszene bis zur 94-Jährigen schottischen Allesfahrerin ist alles dabei. Es sind emotionale Erlebnisse, die so manche Träne bei uns allen haben kullern lassen.“ Rund 50 der 78 porträtierten Frauen treffen sich an diesem Wochenende in Hamburg zum Kennenlernen und Gedankenaustausch. Sie alle eint die Liebe zum runden Leder. „Die weiteste Anreise hat eine Frau aus Jerusalem“, sagt Grabenhorst.

Am Freitagabend stahl aber Maria Petri allen die Show. Die 79-Jährige ist leidenschaftlicher Fan Arsenal Londons. Sie fungiert bei den „Gunners“, egal ob beim Premier-League-Team, den Jugendmannschaften oder bei den Damen, als Vorsängerin, kreiert auch im hohen Alter noch Fangesänge. Eigentlich sollte die Fußball-Oma länger in Hamburg bleiben. „Aber es steht ein Arsenal-Legendenmatch auf dem Programm. Deshalb muss ich leider Sonnabendmorgen wieder zurück auf die Insel“, sagt Petri. Manchmal muss man im Leben eben Prioritäten setzen.

25 Prozent der Fans im Stadion sind weiblich

Das machten auch die beiden Initiatorinnen Wurbs, leidenschaftlicher FC-St.-Pauli-Fan, und die lebenslange Werder-Bremen-Anhängerin Grabenhorst. Die Ausstellung, die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) und mehreren Clubs wie dem FC St. Pauli finanziell unterstützt wird, soll weit mehr sein als nur eine Darstellung der Fanszene aus Per­spektive der Frauen, die in der Macho-Welt Fankurve noch immer um Akzeptanz kämpfen müssen. Der audiovisuelle Rundgang soll vielmehr die unterschiedlichen Erlebnisse – positiv wie negativ – der Frauen im Fußball abbilden.

Mittlerweile sind in Deutschlands Profiligen 25 Prozent der Stadionbesucher weiblich. Auch in der Ultraszene finden sich immer mehr Frauen ein. „Wir Frauen sind in der Fußballszene seit rund 15 Jahren viel besser organisiert“, sagt Grabenhorst. „Wir wollen in der Ausstellung darstellen, dass wir mit männlichen Anhängern auf Augenhöhe sind, uns im Stadion nicht verlaufen haben und genauso für den Fußball brennen können“, sagt Wurbs. Bevor die Ausstellung, die noch bis zum 22. September im Millerntor-Stadion zu sehen ist, auf große Europatour geht, werden die Exponate vom 24. September bis 6. Oktober auch im HSV-Museum im Volksparkstadion zu sehen sein.

Ausstellung „Fan-tastic Females“: FC St. Pauli Museum 1910 e. V., Millerntor-Stadion (Gegengerade), täglich außer montags (Ruhetag) von 15 bis 20 Uhr; Eintritt: gegen Spende

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