Hamburg/Travemünde

Hamburger Segler greifen den Spitzenreiter an

Die Bundesliga gastiert an diesem Wochenende in Travemünde. Das Team des Norddeutschen Regatta Vereins will wieder siegen

Hamburg/Travemünde.  Mit seinem Stamm-Taktiker an der Seite will Tobias Schadewaldt (33) an diesem Wochenende wieder voll auf Angriff setzen. Der dritte Spieltag der Deutschen Segel-Bundesliga sowie der Zweiten Liga steht von Sonnabend bis Montag in Travemünde an. Angelehnt an den Fußball und dessen Modalitäten mit Auf- und Abstieg werden die Rennwochenenden so genannt.

Steuermann Schadewaldt vom Norddeutschen Regatta Verein (NRV), Olympiateilnehmer von 2016 in Rio, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die „Schmach vom Starnberger See“ vergessen zu machen. Im Süden der Republik war der amtierende deutsche Meister am zweiten Spieltag mit seiner Dreimanncrew nur Achter geworden. Im Zwischenranking bedeutet dies Platz drei hinter Wassersport-Verein Hemelingen aus Bremen sowie dem Chiemsee Yacht Club. Im April in Friedrichshafen hatten die erfolgsverwöhnten Hamburger noch standesgemäß gewonnen.

Daniel Reichelts Renntaktik soll nun wieder für eine bessere Platzierung sorgen. Das Vorschiff bearbeiten mit Klaas Höpke und Florian Wese ebenfalls erfahrene Segler. „Kein Grund zur Sorge“, sagt Klaus Lahme. Der NRV-Clubmanager ist für das Bundesligateam zuständig. Bei noch drei ausstehenden Spieltagen inklusive des Finales Mitte Oktober auf der Alster bleibt er norddeutsch gelassen. „Aber natürlich ist momentan noch Luft nach oben.“

Oliver Schwall dagegen ist von Jahr zu Jahr euphorischer. 2013 organisierte der ehemalige Tornado-Weltmeister mit seiner Hamburger Firma Konzeptwerft unter anderem die Gründung der Deutschen Segel-Bundesliga. Gerade eben wurde für diese Saison mit dem Werkzeughersteller Kraftwerk ein neuer Sponsor gewonnen. „Wir sind mit der Entwicklung total zufrieden“, sagt der 50-Jährige. „Die Serie ist unser Exportschlager.“ Mittlerweile 17 Länder sind nach dem deutschen Vorbild organisiert. Schwall und seine drei Co-Gesellschafter Kathrin Adlkofer, Arne Dost sowie Jochen Schümann gaben die Geburtshelfer, so wie es sich für Profis gehört. Adlkofer war mal 470er-Weltmeisterin, die Segellegende Schümann unter anderem dreimaliger Olympiasieger. Mehr geht kaum an Erfahrung in diesem Sport.

„Wir haben die Regeln standardisiert und inzwischen optimiert“, sagt Schwall. 750 Euro Teilnahmegebühr zahlen die 18 Vereine der Eliteliga pro Saison. Dafür bekommen sie die komplette Organisation gestellt. Vor allem die gleiche Bootsklasse – J70 – für alle vor Ort. „Uns ging es um Vergleichbarkeit“, sagt Schwall. Ein lohnendes Geschäftsmodell ist die Liga natürlich nicht. Die Geschäftspartner sind Vereine, und die sind qua Status zumeist finanziell klamm. Aber weil die Serie so gut angenommen wird und gut fürs Image ist, gibt es als Sahnehäubchen noch die Champions League. In zwei Wochen wird in St. Petersburg gesegelt. Die jeweils vier Besten einer Nation qualifizieren sich für die drei internationalen Events mit dem Finale in St. Moritz Ende August.

Inzwischen, und mit zunehmender Akzeptanz des sportlichen Wettkampfs zwischen den insgesamt 36 Vereinen der Ersten und Zweiten Liga, hat sich auch die Zusammensetzung der Athletenteams in Deutschland verändert. „Die Liga ist ein Sammelbecken für ehemalige Olympiateilnehmer und andere Hochleistungssegler geworden“, sagt Schwall. Dadurch, dass etwa 20 Athleten pro Mannschaft gemeldet werden können, ist der Sport mit beruflichen Ambitionen zu vereinbaren. „Wenn einer nicht kann, ist genügend Ersatz da“, sagt der ehemalige Leistungssportler Schwall, der den Absprung ins Berufsleben erfolgreich hinbekommen hat. „So geht keiner dem Segeln verloren.“ Und es hilft den Vereinen, ihren Nachwuchs zu motivieren. Wer einen Olympioniken in seinem Segelteam hat, dem glauben die Kids, dass es sich lohnt, für Ziele zu kämpfen und vielleicht auch mal auf etwas zu verzichten.

Schadewaldt und seine Mitstreiter sind solche Vorbilder. Doch an diesem Wochenende gilt ihr Augenmerk dem sportlichen Erfolg. Sie hoffen auf eine Wetterlage vor Travemünde, die ihrem höheren Bootsgewicht nahe 320 Kilogramm entspricht. „Erfahrungsgemäß ist die Ostsee dort oben stürmischer als der Wind auf den Seen“, sagt Lahme. Auch darauf wurde bei der Zusammensetzung der Crew geachtet.