Paris

„Paris ist wieder ein Fest“

Deschamps und seine Spieler versetzen Frankreich in einen Freudentaumel

Paris. Immer wieder stieß Hugo Lloris den goldenen WM-Pokal in die Höhe, die Fans antworteten ihrem Kapitän mit frenetischen „Merci les Bleus“-Gesängen. Um kurz vor 17 Uhr Ortszeit war die begehrteste Trophäe des Weltfußballs in der Heimat der Equipe Tricolore. Gemeinsam mit Trainer Didier Deschamps hatte der französische Kapitän als Erster die mit Wasserfontänen empfangene Air-France-Maschine verlassen und den roten Teppich auf dem Rollfeld des Pariser Flughafens Charles de Gaulle betreten.

Auf der Prachtstraße Champs-Élysées warteten die Fans – einige von ihnen seit den frühen Morgenstunden – in einem blau-weiß-roten Fahnenmeer auf die Weltmeister, die in offenen Doppeldeckerbussen durch die Straßen von Paris fuhren. Es seien mehrere Hunderttausend Menschen in den Westen der Hauptstadt gekommen, bestätigte die Polizei. Die Menschen feierten euphorisch, über dem Boulevard stiegen Militärjets auf, die Rauchspuren in den Farben der Nationalflagge hinter sich herzogen. Insgesamt 2000 Beamte sicherten die Feierlichkeiten. Ein Land feiert ihre Fußballstars. Die Pariser Me­tro hatte kurzerhand sechs ihrer Stationen nach den Helden von Russland umbenannt. Die Station „Champs-Élysées – Clemenceau“ am berühmten Boulevard beispielsweise hieß nun zu Ehren von Trainer Deschamps vorübergehend „Deschamps Élysées – Clemenceau“.

Der Mannschaft wird zudem eine weitere Ehre zuteil. Wie das Büro des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der das Team im Élysée-Palast empfing, mitteilte, wird der Mannschaft der französische Verdienstorden der Ehrenlegion, die ranghöchste Auszeichnung des Landes, verliehen.

In Frankreich war schon am Vorabend die Hölle los. Auf dem Marsfeld, wo 90.000 Fans im Schatten des Eiffelturms das 4:2 über tapfere Kroaten bejubelten, das ganze Land geriet in Ekstase, mancherorts entlud sich diese Energie aber auch in Krawallen. Rund 30 Randalierer, die Skimasken trugen, raubten in Geschäften Weinflaschen und Champagner. Einige von ihnen warfen außerdem Flaschen und Stühle auf Polizisten, die als Antwort Tränengas und auch Wasserwerfer einsetzten. Zwei Fans starben im Partyrausch. Auch in Lyon gerieten rund 100 Jugendliche mit der Polizei aneinander, nachdem die Krawallmacher im Zentrum auf Polizeiwagen gestiegen waren.