London

Kerber und Görges trotzen dem Favoritensterben

Die beiden deutschen Tennisdamen stehen heute in Wimbledon im Achtelfinale

London. Der spielfreie „Middle Sunday“ bringt eine angenehme Ruhe über den Londoner Südwesten. Die Straßen in den Stadtteilen Wimbledon und Southfields sind leer, die Engländer schwitzen bei für sie ungewohnten 30 Grad im Schatten in den Parks. Spielfrei bedeutet allerdings nicht, dass nicht gearbeitet würde auf der Anlage an der Church Road. Die rund 3000 akkreditierten Journalisten dürfen ihre Redaktionen beliefern – und die Tennisprofis, die an diesem „Manic Monday“, an dem alle Achtelfinalpartien im Einzel und Doppel ausgetragen werden, noch im Einsatz sind, können trainieren.

Das tat auch Donna Vekic. Die 22 Jahre alte Kroatin, Nummer 55 der Weltrangliste, ist in der Runde der letzten 16 Gegnerin von Julia Görges (29). Und weil Vekic seit einem halben Jahr von Torben Beltz trainiert wird, kommt dem Duell mit der Ranglisten-13. aus Bad Oldesloe besondere Bedeutung zu. „Jule und ich kommen beide aus dem Norden, wir kennen uns sehr gut, deshalb ist es schon ein spezielles Match für mich“, sagt Beltz. Der 41-Jährige war viele Jahre als Chefcoach für Angelique Kerber zuständig, ehe man sich nach der ernüchternden Saison 2017 trennte. Den Weg der Kielerin, die im Achtelfinale (14 Uhr/Sky) auf die Schweizerin Belinda Bencic trifft, verfolgt er aus der Distanz mit großem Interesse. „Angie macht einen sehr guten Eindruck und hat eine große Chance, sehr weit zu kommen“, sagt er.

Tatsächlich konnte die Weltranglistenzehnte am Sonnabend bei ihrem 6:2, 6:4-Triumph im Drittrundenmatch gegen Naomi Osaka erstmals die Form nachweisen, die sie 2016 in Wimbledon bis ins Finale getragen hatte. Gegen die zehn Jahre jüngere Weltranglisten-18. zeigte sich die 30-Jährige in allen Belangen verbessert. Kerber gab der Japanerin, der sie im vergangenen Jahr bei den US Open in Runde eins 3:6, 1:6 unterlegen war, keine Breakchance, sie produzierte nur fünf unerzwungene Fehler, während Osaka davon 22 machte. Ihre Körpersprache war deutlich positiver als zuletzt, sie brachte ihre Kontrahentin mit präzisen Grundlinienschlägen ins Laufen, so dass diese ihr gefürchtetes Powertennis zu keiner Phase durchziehen konnte. „Ich habe versucht, aggressiv zu spielen, das ist mir gelungen“, sagte die zweifache Grand-Slam-Siegerin.

Neun der zehn topgesetzten Damen sind schon gescheitert

Die große Geschichte der ersten Wimbledon-Woche 2018 ist das Favoritensterben in der Damenkonkurrenz. Nachdem am Sonnabend auch die Weltranglistenerste Simona Halep (26/Rumänien) mit 6:3, 4:6, 5:7 an Su-Wei Hsieh (32/Taiwan/Nr. 48) scheiterte, steht aus der Liste der zehn topgesetzten Spielerinnen lediglich die Tschechin Karolina Pliskova (26/Nr. 8) im Achtelfinale. Allerdings ist auch die sechsmalige Siegerin Serena Williams noch im Feld, die nach der Geburt ihrer Tochter an Position 25 gesetzt ist.

„Ich achte nicht so sehr darauf, wer hier alles ausscheidet. Ich versuche, mich auf mein Spiel zu konzentrieren“, sagte Kerber, die in Wimbledon an Position elf gesetzt und in ihrer Hälfte die letzte verbliebene Top-Ten-Spielerin ist. Dass das natürlich nicht den Finaleinzug garantiert, weiß sie, zumal Bencic wieder auf dem Erfolgsweg scheint. Die 21-Jährige, die Anfang 2016 auf Rang sieben der Welt stand, nach einer Reihe von Verletzungen aber zurückfiel und aktuell Platz 56 belegt, hat alle drei bisherigen Duelle mit Kerber gewonnen, allerdings alle auf Hartplatz und letztmals 2016. „Ich weiß, wie ich gegen Angie spielen muss. Ich werde alles geben, habe nichts zu verlieren“, sagte Bencic nach ihrem 6:1, 7:6 (7:3)-Sieg gegen die Spanierin Carla Suárez Navarro.