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Özil konnte Kritiker nicht verstummen lassen

Einzelkritik: Khediras Ballverlust brachte das Gegentor, Kimmich vergaß auf seiner rechten Seite das Verteidigen

Neuer: Spielte wieder oft vor dem eigenen Strafraum wie 2014 im WM-Achtelfinale gegen Algerien. Dies lag daran, dass seine Mitspieler ähnlich unsicher auftraten wie damals. Am Tor durch Lozano schuldlos.

Kimmich: Interpretiert die Rechtsverteidigerrolle offensiv. Dass gab den Mexikanern aber Räume – wenn es brannte in der deutschen Hälfte, und das tat es oft, dann meist über Kimmichs Seite. Vorn hatte er eine der besten deutschen Gelegenheiten, als er mit einem Fallrückzieher knapp den Ausgleich verpasste.

Boateng: Die Geste, die man von Boateng in der ersten Halbzeit am meisten sah, war die: Arme zur Seite gestreckt, Handflächen nach oben: „Was soll das?“, schien er zu fragen. Rettete schon nach 57 Sekunden gegen Lozano. Haute sich immer wieder rein. Trotz langer Verletzungspause mit Willen und positiver Körpersprache. „Der Boss“ musste sogar den Spielmacher geben.
Hummels: Tat oft etwas, das man als Verteidiger nur tut, wenn man falsch steht oder von den Mitspielern alleine gelassen wird: grätschen. Litt unter der mangelhaften Konterabsicherung seiner Vorderleute und sah durch falsches Rausrücken oft schlecht aus. Rettete das deutsche Team aber auch mehrfach vor einem höheren Rückstand – mit Grätschen wie gegen Chicharito (70.).

Plattenhardt (bis 79.): Wirkte fast unbeteiligt am Spiel, was gut und schlecht zugleich war. Machte keine Fehler, wurde von seinen Mitspielern aber offensiv im wahrsten Sinne des Wortes „links liegen gelassen“. Kam durch die Erkältung von Hector zu seinem WM-Debüt. Ein Traum ging für den Berliner in Erfüllung. Leider spielte das Restteam nicht traumhaft.

Gomez (ab. 79.): Hatte als „Brechstangenstürmer“ zwei Chancen, ließ sie jedoch ungenutzt (88./89.).

Khedira (bis 60.): Seine schwachen Ballannahmen taten enorm weh. Daraus resultierten mexikanische Konter. Soll eigentlich der Grenzpolizist vor dem deutschen Strafraum sein, lud Mexiko mit schwachen Zweikämpfen aber zu allerhand Raubzügen ein. Aus seinem Ballverlust resultierte das 0:1.

Reus (ab. 60. für Khedira): Brachte Schwung, wo vorher davon keine Spur zu sehen war. Schoss einmal übers Tor (71.). Hätte einen Startelf-Einsatz verdient gehabt.

Kroos: Früher machte der Mittelfeldstratege keinen Sprint zu viel. Gegen Mexiko machte er einige zu wenig, wirkte langsam. Hatte es in Manndeckung aber schwer und konnte dem deutschen Spiel nicht wie gewohnt Dominanz durch Ballsicherheit verleihen.

Müller: Zwinkerte bei der Hymne in die Kamera, als gäbe es nichts Witzigeres als so ein WM-Auftaktspiel. Der Münchner spielte danach aber nicht mit dem gewohnten Witz. Zehn WM-Tore hat Müller bisher erzielt. Gegen Mexiko kam er nicht mal in die Nähe von einem. Diesmal schwach.

Özil: Stand natürlich durch die Diskussionen um seine Person besonders im Fokus. Hätte alle Kritiker zum Verstummen bringen können. Nun werden sie wieder lauter werden. Insgesamt kamen zu wenig Ideen vom 29-Jährigen. Glücklos. Ließ sich vorm 0:1 austanzen.

Draxler: Versuchte eifrig bemüht zu zeigen, warum er Reus vorgezogen wurde. Dies gelang dem Pariser trotz einiger guter Ansätze aber nicht wirklich.

Werner (bis 86.): Übersah einmal den besser postierten Draxler. Wirkte ansonsten glücklos und konnte gegen die enge mexikanische Deckung seine Schnelligkeit nie einsetzen.

Brandt (ab. 86.): Löws letzter Joker brachte viel Schwung und hätte der Held werden können, doch sein Schuss flog an den Pfosten.