Derbywoche in Hamburg

Neue Tribünen für die sportliche Zukunft

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Björn Jensen und Jens Meyer-Odewald
Das ist ein Entwurf für das neue Springreitstadion in Klein Flottbek. Die Stehplätze zwischen den beiden neuen Tribünen könnten mit einem lichtdurchlässigen Dach überspannt werden

Das ist ein Entwurf für das neue Springreitstadion in Klein Flottbek. Die Stehplätze zwischen den beiden neuen Tribünen könnten mit einem lichtdurchlässigen Dach überspannt werden

Foto: Architekturbüros Tilke, Aachen

An diesem Mittwoch startet in Klein Flottbek die Derbywoche. Anschließend soll der Neubau der Anlage vorangetrieben werden.

Hamburg.  Als Platzwart Klaus Fronzek den Rasen auf dem Parcours abschließend inspizierte, war klar: alles im grünen Bereich. Zwischen 8.45 Uhr am Mittwoch mit dem Junior Cup und Sonntag gegen 17 Uhr mit dem 89. Deutschen Springderby zum Ausklang stehen in Klein Flottbek 48 Wettbewerbe auf dem Programm. 25 der 50 weltbesten Reiter gehen im Derbypark auf die Runde – angelockt von 1,1 Millionen Euro Preisgeld. Die Bestmarke von zuletzt 93.000 Zuschauern 2017 könnte überboten werden.

Bei Sonnenschein wirken sogar die Tribünen einladend. Allerdings nur auf den ersten Blick. Bunte Schalensitze und ausgebesserte Fassaden können den maroden Zustand der 60 Jahre alten, asbestverseuchten Gebäude nur notdürftig übertünchen. Umso größere Bedeutung kommt den aktuellen Neubauplänen zu. Wie ausführlich berichtet, wollen Stadt, Reiterverein und Veranstalter gemeinsam die sportliche Zukunft mit neuen Tribünen ebnen. Zwei Drittel der Kosten von 13 bis 15 Millionen Euro müssen privatwirtschaftlich aufgebracht werden. Gelingt dies, schießt die öffentliche Hand rund fünf Millionen Euro hinzu.

Arbeitskreise kümmern sich um Finanzplanung

„Alle Parteien bekennen sich zu dem Projekt“, sagte der für den Sport zuständige Staatsrat Christoph Holstein dem Abendblatt. „Die Stimmung ist einheitlich gut, auch wenn alle wissen, dass noch einiges zu tun ist.“ Im Anschluss an den Gipfel mit den Beteiligten am 23. April im Sportamt wurden Arbeitsgruppen gebildet. „Nach dem Derby, wahrscheinlich im Juni, setzen wir uns erneut in großer Runde zusammen“, kündigte Derbychef Volker Wulff an. Die Arbeitskreise kümmern sich um Finanzplanung, behördliche Angelegenheiten wie Bauanträge und Kredite.

Ziel ist es zudem, die Anwohner in Othmarschen und Nienstedten sowie die Gremien des Bezirksamts Altona einzubinden. Bei dem routinemäßigen Treffen mit den lokalen Behördenvertretern an diesem Sonnabend geht es auch um die Tribünenpläne. Hinter den Kulissen wird an einer ganzjährigen Nutzung des Derbyparks gefeilt. Angedacht sind Messen und Freiluftkino, jedoch keine lautstarken Konzerte. „Und spätestens um 22 Uhr ist Schluss“, verspricht Volker Wulff.

Langfristige Verträge sind wichtig

Voraussetzung sind langfristige Verträge; sonst kann sich das Projekt nicht rechnen. Die Vereinbarung zwischen Martin Freiherr von Jenisch als Eigentümer und dem Norddeutschen und Flottbeker Reiterverein (NFR) als Pächter des 12.000 Quadratmeter umfassenden Areals läuft noch fünf Jahre. Anschließend könnte eine Option über weitere 15 Jahre gezogen werden. Der NFR wiederum hat die Derbyrechte an Volker Wulffs Agentur En Garde vergeben. Dafür soll er 65.000 Euro jährlich erhalten. Seit dem Jahr 2000 sind also weit mehr als eine Million Euro an den altehrwürdigen Club geflossen.

Die Beteiligten sind sich einig, dass es – mit neuen Tribünen – weitergehen soll. Es fragt sich nur: wie genau? „An Details ist noch zu stricken“, sagte Martin von Jenisch, „aber wir wollen weitermachen.“ Im Laufe des Sommers sollte „das hinzukriegen sein“. Die „entscheidenden Player“ jedoch seien die Stadt und Vermarkter Wulff. Die kleine Lösung für etwa zehn Millionen Euro beinhaltet eine neue Haupttribüne für 6000 statt bisher 5000 Plätze. Angestrebt wird die große Lösung für 13 bis 15 Millionen Euro. Sie umfasst einen neuen Richterturm sowie eine Teilnehmertribüne am Einritt. Die Stehplätze dazwischen können nach Plänen des Aachener Architektenbüros Tilke mit einem lichtdurchlässigen Dach überspannt werden.

200 Aktive sind in Hamburg am Start

Denkbar ist eine Kreditlinie über 20 Jahre. Zusätzliches Geld soll eine Vergabe der Namensrechte an der neuen Haupttribüne erbringen – oder sogar durch eine Patenschaft für den gesamten Derbypark. Einer winkte bereits ab. „Meine Engagements bei den Derbys in Klein Flottbek und Horn reichen definitiv“, sagte Sponsor Albert Darboven.

Unter dem Strich versprechen die kommenden Monate also nicht weniger Spannung als das fünftägige Pferdefestival selbst. Nach und nach beziehen 550 Dressur- und Springreitpferde ihre Boxen. 200 Aktive aus 30 Nationen sind vor Ort. Besonders die Global Champions Tour lockt die Weltelite. Mit Rücksicht auf von weither anreisende Pferde und ein Aufwärmprogramm am Mittwochvormittag beginnt die erste Derbyqualifikation am Eröffnungstag erst um 17 Uhr. Durchgang zwei ist für Freitag um 14.25 Uhr angesetzt. Die Siegerehrung des Springderbys am Sonntag übernimmt Bürgermeister Peter Tschentscher.