Hamburg

Wetzlars Trainer hat ein Heimspiel in Hamburg

Kai Wandschneider will den Außenseiter zum Triumph im Handball-Pokalturnier führen

Hamburg.  Zum Kaffee kommt Kai Wandschneider an diesem frischen Frühlingstag in kurzen Hosen. Er wählt einen Tisch draußen vor dem Lokal, andere Gäste lassen sich Decken bringen. Der Trainer der HSG Wetzlar – Fachleute halten ihn für den aktuell besten Coach der Handball-Bundesliga – ist nicht zimperlich: Ehemaliger Fallschirmjäger – so einem ist nicht kalt.

In Hamburg, wo an diesem Wochenende die Pokalendrunde in der ­Barclaycard Arena gespielt wird, ist er häufiger. Die Hansestadt besucht er gern, um abzuschalten, sich inspirieren zu lassen und Freunde zu besuchen. Uwe Seeler ist sein Idol. Was die meisten nicht wissen: Hamburg ist die Heimat des zweimaligen Trainers des Jahres (2013 und 2017). Geboren in Bergedorf, später wohnhaft in der Armgartstraße in Hohenfelde, zog er früh mit der Familie ins Rheinland „Ich wurde verschleppt – gegen meinen Willen“, erinnert sich der 58-Jährige. „Viele meiner Vorfahren waren Seefahrer. Daher wahrscheinlich meine Entscheidung, ein Piratenleben zu führen“, sagt Wandschneider, der beim Saisonhighlight seines Arbeitgebers wie so oft Außenseiter ist. Gegner im Halbfinale ist Hannover-Burgdorf.

Im Oberbergischen landete Wandschneider beim Handball. Nach seiner aktiven Zeit kämpfte sich der Diplom-Sportlehrer, Gitarren- und Naturliebhaber als Trainer bis nach oben, ohne den Bonus eines Ex-Bundesligaprofis. Mit Bayer Dormagen stieg er von der Regional- bis in die Bundesliga auf und – sensationeller noch – über Jahre nicht wieder ab, bis finanziell die Lichter ausgingen. Seit 2012 trainiert er den Etatzwerg Wetzlar und bringt diesen trotz permanenten Verlusts seiner wichtigsten Spieler Jahr für Jahr in sichere Gefilde.

Seine fortlaufend neu zusammengestellten, aber stets beeindruckend zusammengeschweißten Teams haben die Abstiegsangst aus Mittelhessen verbannt. „Irgendwann wird die Realität logischerweise aber mal wieder vorbeischauen“, mahnt er. Wandschneider ist auf diese Realität vorbereitet. Seine Welt besteht nicht nur aus Spielzügen und Abwehrformationen. Er hat ein Vordiplom in Psychologie, glaubt an die Kraft der Kommunikation und doziert über Führungsqualitäten. Wandschneider hat das Zeug zum Systemkritiker und Querdenker. Wohl auch darum stehen seine Chancen, einmal Bundestrainer zu werden, eher schlecht.