Hamburg

HSV erhält Lizenz ohne Auflagen

DFL erteilte dem Clubdie Spielberechtigungfür die Bundesliga unddie Zweite Liga

Hamburg.  „Ohne Bedingungen und ohne Auflagen“ – die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat dem Hamburger SV am Donnerstag die Lizenz für die Erste und für die Zweite Bundesliga erteilt. Sie hat ohne Einschränkungen die Finanzpläne von Alleinvorstand Frank Wettstein durchgewinkt und damit für eine große Überraschung gesorgt. Nun ist klar: Der HSV spielt auch in der Saison 2018/19 Profifußball – alle Befürchtungen über massive Einschränkungen, gar Lizenzentzug, sind damit zunächst Makulatur.

„Wir haben beide Ligen-Szenarien inhaltlich professionell vorbereitet und freuen uns über den Erhalt der Lizenzen“, sagte HSV-Vorstand Frank Wettstein in einer knappen Mitteilung auf der Vereins-Website HSV.de. „Ein Bündel an Maßnahmen“ habe die Lizenzerteilung ermöglicht. Sein Optimismus hat sich damit als gerechtfertigt herausgestellt. „Der Erhalt der Lizenz ist kein Problem“, hatte er auf der Mitgliederversammlung des HSV e.V. am 18. Februar erklärt.

Die Unterlagen hat er in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat und dessen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann erstellt. „Das ist eine erfreuliche Nachricht“, kommentierte Hoffmann und lobte: „Unser Finanzbereich hat unter der Leitung von Frank Wettstein sehr gute Arbeit geleistet und die Grundlage für die neue Spielzeit geschaffen.“ Der Präsident des HSV e.V. hatte noch am Sonntag im NDR gesagt: „Es wird Bedingungen und Auflagen geben, alles andere wäre ein Wunder.“

Nun ist entweder die alte Katja-Ebstein-Weisheit eingetreten: „Wunder gibt es immer wieder“ – oder der HSV hat Mittel und Wege gefunden, seine Finanzprobleme gegenüber der DFL wegzurechnen.

Das abgelaufene Geschäftsjahr hat der Club mit einem Minus von 13,4 Millionen Euro abgeschlossen. Der Jahresabschlussbericht für 2016/17 wies Verbindlichkeiten in Höhe von 105,5 Millionen Euro aus. Die Lizenz­erteilung hat jedoch nichts mit dem Schuldenstand, sondern nur mit der Fälligkeit von Zinsen und Tilgung zu tun.

Für die laufende Saison hatte der Verein mit dem durchschnittlichen Tabellenplatz zwölf kalkuliert, allein dadurch ergibt sich ein Minderbetrag von fast sechs Millionen Euro an Fernsehgeldern. Bei einem Abstieg sinkt diese Summe laut „Fernsehgelder.de“ von jetzt 34 Millionen auf 21 Millionen Euro. Weiterhin kommen für das laufende Spieljahr Mehrausgaben für zwei entlassene Trainerteams (Gisdol, Hollerbach) von rund drei Millionen Euro hinzu. Auch deshalb wurden insbesondere im Fall des wahrscheinlichen Abstieges in die Zweite Liga erhebliche Probleme bei der Lizenzerteilung erwartet. Clubs, die zwischen den beiden Lizenzligen auf- oder absteigen können, mussten bis spätestens 1. April die geplante Gewinn- und Verlustrechnung für die mögliche neue Spielklasse der DFL vorlegen.

Bekannt ist, dass im Abstiegsfall die Kaderkosten von jetzt rund 54 Millionen Euro auf etwa 33 Millionen Euro reduziert werden sollen. Schon deshalb müssen teure Spieler wie Lewis Holtby oder Aaron Hunt abgegeben werden. Dazu kalkuliert der HSV mit Transfererlösen für Spieler wie Douglas Santos, Walace, Kyriakos Papadopoulos und könnte sich in der Not sogar gezwungen sehen, Sturmtalent Fiete Arp, dessen Vertrag noch bis 2019 läuft, zu verkaufen. Obwohl es Anzeichen gibt, dass der 18-jährige Hamburger gerne noch länger bleiben würde.

Nur – die bloße Aussicht auf Einnahmen durch Spielerverkäufe lässt die DFL in ihrem Lizenzierungsverfahren nicht zu. Was nicht absolut in trockenen Tüchern ist, wird nicht anerkannt. Also muss die bestehende Liquiditätslücke anderweitig gestopft werden. Durch Schenkungen, Bürgschaften, Bankkredite, Anteilsverkäufe. Wobei: Letzteres geht nicht mehr, da bereits knapp 25 Prozent der HSV Fußball AG veräußert sind. Der größte Teil davon an Klaus-Michael Kühne. Der Speditions-Milliardär spielt nach Abendblatt-Informationen bei der Lizenzerteilung jedoch keinerlei Rolle, auch nicht als Bürge. Ebenso wenig wie die Stadt, selbstverständlich.

Es gibt Banken, die Fußballvereinen mit Liquiditätsproblemen helfen, wo die normale Hausbank längst abwinkt. Im Fußballgeschäft bekannt dafür ist das Internationale Bankhaus Bodensee (IBB). Dieses kauft zukünftige Forderungen der Clubs an und finanziert diese vor. Frank Wettstein hat bei der Sanierung von Borussia Dortmund 2004/2005 mit dem IBB zusammengearbeitet. Er kennt sein Geschäft.