Elmenhorst

Verletzung stoppt Nachwuchsreiterin

Hanna Unverhau nimmt die Verletzung mit Humor. Für das gemeinsame Fotoshooting mit Pony Mausi trägt sie einen Gipsarm in den Landesfarben

Hanna Unverhau nimmt die Verletzung mit Humor. Für das gemeinsame Fotoshooting mit Pony Mausi trägt sie einen Gipsarm in den Landesfarben

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Hanna Unverhau aus Elmenhorst sollte beim Vierkampf-Bundesfinale starten. Doch dann brach sie sich einen Arm. Nun muss sie pausieren.

Elmenhorst.  Hanna Unverhau lächelt tapfer. Den Gips am rechten Unterarm trägt die 13 Jahre alte Reiterin des RFV Mittelstormarn modisch in den Farben Schleswig-Holsteins: blau, weiß, rot. Der Stauchungsbruch an der rechten Speiche muss nach Aussage ihres Arztes noch einige Tage lang ruhig gestellt und stabilisiert werden. „Dagegen kann ich leider nichts machen“, sagt die blonde Teenagerin aus Elmenhorst und lacht. „Das Leben geht trotzdem weiter.“

Dumm ist nur, dass Hanna kommendes Wochenende für das Finale der Bundes-Nachwuchsvierkämpfer nominiert ist. 50 Meter Schwimmen, ein 2000-Meter-Crosslauf sowie eine Dressur- und eine Springprüfung der Klasse E stehen für das Team Schleswig-Holstein in Fürstenwald, einem Ortsteil der hessischen Gemeinde Calden, auf dem Programm. Schwimmen, das steht fest, wird Hanna mit dem Gips unter keinen Umständen können. Dennoch fährt die 13-Jährige gemeinsam mit Mutter Susanne hin, um ihre Mannschaft zu unterstützen.

Hanna wird ihren Teammitgliedern helfen

„Die Frist für eine Nachmeldung war bereits abgelaufen. Ich fahre als fünftes Teammitglied und somit praktisch als Ersatzreiterin mit, auch wenn ich nicht zum Einsatz kommen werde. Es darf sich einfach kein weiteres Mädchen verletzen“, sagt Hanna.

Aufgaben wird die junge Stormarnerin dennoch zur Genüge haben: Hanna kümmert sich um die Pferde ihrer Mannschaftskolleginnen. Sie sorgt für ausreichend Getränke an der Laufstrecke und wird ihre Mitstreiterinnen dort ebenso lautstark anfeuern wie vom Rand des Schwimmbeckens aus. Die 13-Jährige hat für das Team Haargummis genäht, Glücksarmbänder gebastelt und über Sponsoren Haarspangen und -netze ergattert.

Die Fraktur am linken Unterarm verdankt Hanna einem Einsatz als Fußball-Torfrau. Bei einem Freizeitkick mit dem drei Jahre jüngeren Bruder Lennart versuchte sie, einen seiner Schüsse aus kurzer Distanz abzuwehren, bekam den Ball dabei unglücklich ans rechte Handgelenk.

Teenagerin verletzte sich schon einmal in diesem Jahr

Schon einmal in diesem Jahr war Hanna vom Verletzungspech verfolgt. Beim einem Trainingsritt im Springparcours mit der Ponystute Krümmel zog sie sich eine weitere Fraktur zu. „Nach dem Sprung über ein Hindernis bockt Krümmel gern Mal. Darauf war ich vorbereitet“, erzählt Hanna. Womit die 13-Jährige nicht gerechnet hatte: Das neun Jahre alte Pony bockte zwar, sprang aber auch gleichzeitig zur Seite. „Dabei bin ich mit der Hand so unglücklich gegen den Hals von Krümmel gestoßen, dass ich mir den Mittelhandknochen gebrochen habe.“

Die Folge war diesmal eine Gipsschiene. Diese hinderte Hanna jedoch nicht daran, einhändig mit der 16 Jahre alten Ponystute Mausi weiter Dressur zu reiten. Und zwar so überzeugend, dass sie trotz der Behinderung weiterhin zum erweiterten Kader für den Nachwuchsvierkampf zählte. Dabei dürfte aber der zweite Platz im vergangenen Oktober beim Landes-Nachwuchsvierkampf in Rendsburg ebenfalls ausschlaggebend gewesen sein.

Da Hanna anschließend – während ihrer zwischenzeitlichen „gipsfreien“ Phase – eine ebenso starke Leistung über die Lauf- und Schwimmstrecke wie im Sattel zeigte, erhielt sie letztendlich die feste Nominierung für das Team Schleswig-Holstein.

Hanna ritt vier Tage durch Mecklenburg-Vorpommern

In den vergangenen sechs Jahren haben Hanna und Mausi eine innige Bindung aufgebaut. „Auch wenn sie verfressen ist und ihre sturen Seiten hat, ist sie ein sehr zuverlässiges und liebenswertes Pferd“, sagt Hanna. „Best Pony in town“ steht auf einem Schild an der Stalltür. Darauf angesprochen verbessert Hanna sich sofort freudestrahlend: „,Das beste Pony der Welt’ müsste auf dem Schild stehen.“

Eine verbissene Turnierreiterin ist Hanna nicht. Pokale und Medaillen geben ihr keine Erfüllung. Die erreicht sie eher bei einem viertägigen, 140 Kilometer langen Wanderrit mit Mausi von Neustadt (Dosse) bis nach Redefin. Die Strecke quer durch Mecklenburg-Vorpommern verbindet seit jeher zwei alte Gestüte. „Während die anderen mit ihren Islandpferden im Schritttempo unterwegs waren, mussten wir bereits traben“, sagt Hanna und lacht. „Aufgrund ihrer geringen Körpergröße hatte Mausi Probleme, mitzuhalten.“