Köln/Frankfurt/M.

Deutsche Proficlubs beraten über die 50+1-Regel

Die Meinung der Vereine über eine mögliche Aufhebung der Investorensperre ist geteilt

Köln/Frankfurt/M.. Es ist ein reges Treiben, das hinter den Kulissen der Bundesliga zu beobachten war. Vereinsverantwortliche belauerten sich, knüpften Allianzen und klopften Positionen zur Zukunft der 50+1-Regel ab, bevor heute auf der Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) über das weitere Vorgehen abgestimmt wird. Besonders intensiv diskutiert werden Berichte, nach denen die Verbandsspitze ein Gutachten präsentieren will, das die 50+1-Regel für juristisch unhaltbar erklärt. Das Statut schreibt vor, dass Stimmenmehrheiten an Vereinen nur in Ausnahmefällen von Investoren übernommen werden können. Dies könnte gegen Wettbewerbsrecht verstoßen.

Kritiker sind in Sorge, dass viele Clubvertreter sich von so einem Vortrag erschrecken und zu vorschnellen Handlungen treiben lassen, es kursieren Gerüchte über Gegenmaßnahmen. Schließlich sind auf der Basis einer solchen Überrumpelungstaktik und mithilfe der brillanten Rhetorik von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert schon andere Entscheidungen gefallen, ohne dass alle Clubvertreter die Folgen klar durchschaut haben.

Die Vereine fordern von der DFL eine offene Debatte

Beim Votum für Montagsspiele beispielsweise, die viele plötzlich gar nicht mehr so gut finden. Wolfgang Holzhäuser, der ehemalige Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, erzählt, dass „vor den meisten Abstimmungen im Ligaverband mit den Clubs selbst leider keine echte Diskussion“ stattfindet. Wenn es um die 50+1-Frage geht, wollen nun immer mehr Vereine ernsthaft einbezogen werden und fordern eine offene Debatte. Auch auf Druck ihrer Fans, die im Sitzungshotel eine Tapetenbahn mit Unterschriften von 2800 Fanclubs, -verbänden und -organisationen überreichen werden, die für den Erhalt von 50+1 sind.

In einem derart fiebrigen Umfeld hat wohl noch nie eine Mitgliederversammlung des Ligaverbandes stattgefunden, und die Konfliktlinien treten dabei deutlich zutage. Hier Vereinsvertreter wie der Geschäftsführer des FC St. Pauli, Andreas Rettig, der die Regel für „das letzte Stoppschild einer immer weiter fortschreitenden Kommerzialisierung“ hält. Die meisten Zweitligisten, aber auch Mönchengladbach, Dortmund, Bremen oder Freiburg wollen ähnlich rigoros an der Regel festhalten.

Auf der anderen Seite stehen Clubs wie der HSV und auch Bayern, die die Regel für einen Anachronismus halten. Sie argumentieren zum einen mit bereits bestehenden Ausnahmeregelungen für Leverkusen, Hoffenheim, Wolfsburg und Leipzig, mit denen man rechtlich gleichgestellt werden will. Oder sie fordern mehr Gestaltungsspielraum für die einzelnen Vereine. „Sollte 50+1 fallen, heißt das nicht automatisch, dass sich jeder Verein für einen Investor entscheiden muss“, erläutert Berlins Manager Michael Preetz. Wer in einer Investorenliga allerdings ohne großzügigen Geldgeber klarkommen muss, hat natürlich einen Wettbewerbsnachteil und steht permanent vor der Frage, ob er nicht auch Clubanteile veräußern soll.

Axel Hellmann, Vorstand von Eintracht Frankfurt, sagt ganz offen, dass einige Standorte „attraktiver sind als andere“. Gerade Clubs wie Freiburg oder Mainz könnten zu den Verlierern zählen. Und auch der Abstand zwischen den beiden Ligen würde „eher größer werden“, so Hellmann. Standorten wie Hamburg, Köln, Berlin oder Frankfurt würde eine Aufweichung der Regel hingegen den Zugang zu sehr viel Geld ermöglichen.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.