Hamburg

„Bauch , Beine, Po“ statt Fußball

Wintereinbruch führt zu ungewöhnlichen Trainingsmaßnahmen bei Amateurclubs

Hamburg. Wenn die Fans von Regionalligist Altona 93 ihre Lieblinge in Aktion sehen wollen, sind sie mit dem Facebook-Account des Vereins bestens bedient. „Auch im gefühlt sechsten Monat Winterpause ist die Kreativität unseres Trainerteams unermüdlich“, postete der Club und zeigte Bilder der jüngsten Trainingseinheit. Zwei Dutzend auf Indoorrädern auf der Stelle strampelnde Spieler bei einer „Cycling Tour“-Einheit. Fußball? Fehlanzeige!

Der harte Winter verhindert den Start der Hamburger Amateurfußballer, der Einfallsreichtum der Trainer ist gefragt. Sie müssen ihre Teams auf einen wahren Husarenritt vorbereiten, wenn wahrscheinlich Mitte März der Ball wieder rollt. Innerhalb von knapp zwei Monaten muss die komplette Rückrunde über die Bühne gehen, Altona stehen vermutlich 19 Spiele in 56 Tagen bevor.

Eine Saisonverlängerung ist bisher nicht angedacht. Weder in der Regionalliga Nord (65 Ausfälle) noch im Hamburger Amateurbereich, in dem die Anzahl der Ausfälle trotz der Generalabsage für dieses Wochenende insgesamt noch überschaubar ist. So müssen in der Oberliga Hamburg 32 Partien nachgeholt werden, in beiden Landesligen zusammen 30. Für die Regionalliga Nord existiert allerdings „ein Plan B für den Notfall“, wie der Spielausschussvorsitzende des Norddeutschen Fußball-Verbandes, Jürgen Stebani, bekannte. „Aber noch ist der Notfall nicht eingetreten.“

Vor einem doppelten Problem stehen in Hamburg vor allem die Clubs, die keinen Kunstrasenplatz besitzen. Ihre Heimspiele fielen schon vor der Generalabsage aus, was zu einer Anhäufung von Nachholspielen führt. An Training auf dem eigenen Rasenplatz ist ebenfalls seit Monaten nicht zu denken.

Also heißt es: ausweichen oder neue Wege gehen. Exemplarisch dafür steht in der Oberliga der SV Rugenbergen mit erst 16 absolvierten Spielen. „Wir waren schon Schwimmen, beim Hot-Iron-Man und beim Bauch-Beine-Po-Kurs“, sagt Rugenbergens Oberligatrainer Ralf Palapies. Demnächst steht ein Besuch der vereinseigenen Karateabteilung auf dem Programm. „Vielleicht lernen wir ein bisschen Kung-Fu. Wir müssen eben auf anderem Wege Fitness erlangen. Ich habe eine tolle Mannschaft. Die Jungs machen alles mit.“

Genau wie in Altona. „So ziemlich alles im Athletikbereich, das irgendwie die Ausdauer fördert, haben wir durch. Dazu Aqua-Training, einen Besuch im Boxstudio und Beachsoccer am Elbstrand“, sagt Altonas Sprecher Andy Sude. In der Soccerhalle war das Team – wie viele andere – natürlich ebenfalls. Doch bei der sprunghaft gestiegenen Nachfrage sind nicht immer Hallenzeiten zu bekommen, zudem ist eine solche Trainingseinheit für manchen Club auch eine Kostenfrage.

Der letzte vergleichbar strenge Winter forderte in der Oberliga übrigens ein sportliches Opfer in der Saison 2012/2013: den USC Paloma. Zwischen dem 9. April und dem 24. Mai 2013 mussten die „Tauben“ damals satte 15 Spiele in 46 Tagen absolvieren. Am Ende fehlten der Mannschaft von Marco Krausz zwei Zähler zum Klassenerhalt.

Damit solche Szenarien nicht wieder eintreten, fordert Altonas Trainer Berkan Algan zumindest für die Regionalliga Nord eine Saisonverlängerung: „Im Amateurfußball spielen nun einmal Menschen, die arbeiten gehen, keine Maschinen. Für sie und für die Clubs steht viel auf dem Spiel.“