Trier/Hamburg

Towers verlieren unglücklich in letzter Sekunde

Power Forward Jonathon Williams war mit 18 Punkten auch in Trier der Topscorer der Hamburg Towers Valeria Witters

Foto: Valeria Witters

Power Forward Jonathon Williams war mit 18 Punkten auch in Trier der Topscorer der Hamburg Towers Valeria Witters

Hamburger Basketballer verspielen beim 83:84 in Trier eine 13-Punkte-Führung sechs Minuten vor Schluss. So kam es zur Niederlage.

Trier/Hamburg.  Es gibt wohl nichts Frustrierenderes für eine Mannschaft, als nach einer bitteren Niederlage sieben Stunden lang im Bus – in noch so bequemen Sitzen – zu hocken; irgendwann geht auch der spannendste Film, die coolste Musik oder das anregendste Gespräch zu Ende. An Schlafen ist meist ohnehin nicht zu denken. Den Hamburg Towers ist es beim Debüt ihres neuen Cheftrainers Benka Barloschky (30) einmal mehr so ergangen – auf der Rückfahrt nach dem 83:84 (64:59, 40:44, 18:17) bei den Gladiators Trier, der zehnten Pleite in den vergangenen elf Spielen der 2. Basketball-Bundesliga ProA.

Der angestrebte Play-off-Platz (Rang eins bis acht) ist als Tabellenzehnter mit 10:13 Siegen inzwischen mehr denn je in Gefahr. Und am nächsten Sonnabend (20 Uhr) kommt mit den Crailsheim Merlins der Tabellenzweite nach Wilhelmsburg – nicht gerade der passende (Aufbau-)Gegner, um die Wende einzuleiten.

"Unfassbar bitter"

Die war allerdings schon in Trier möglich. 6:37 Minuten vor dem Ende führten die Hamburger nach einer bis dahin starken und gegenüber den vergangenen Auftritten verbesserten Vorstellung mit 74:61, mit 13 Punkten also, als plötzlich die Trierer, von 2917 Zuschauern angefeuert, fast alles trafen und die Towers kaum noch was. Und wie im Hinspiel (70:72) fiel die Entscheidung in letzter Sekunde, als der Luxemburger Thomas Grün den vom Ring abprallenden Ball in den Korb drückte.

„Das war unfassbar bitter“, klagte Barloschky, der dennoch nicht im Zorn zurückblickte, im Gegenteil: „Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass ich, egal wie die Partie ausgeht, mit einem Lächeln in den Bus einsteigen werde, wenn wir alles gegeben haben. Das kann ich jetzt tun. Die Mannschaft hat großartig gekämpft, alle Energie auf dem Feld gelassen. Ich bin stolz auf dieses Team. Mit dieser Einstellung werden wir bald wieder ein Erfolgserlebnis feiern können.“

Was der Trainer, der nach der Freistellung Hamed Attarbashis seit vergangenem Montag in gehobener Funktion bei den Towers arbeitet, hervorhob: Auf dem Feld wurde viel mehr gesprochen als zuletzt, weit zielführender kommuniziert, und auf der Bank herrschte hervorragende Stimmung. „Da war richtiger Teamspirit, ein großartiger Zusammenhalt zu spüren“, sagte Barloschky. Deutlich genauer war zudem das Passspiel, auf das der neue Coach speziellen Wert legt. Die Trierer kamen nur zu zehn Turnovers, das waren neun Ballverluste der Hamburger weniger als bei der 73:78-Heimniederlage vor einer Woche gegen Ehingen. Spielentscheidend war einmal mehr die Dreierquote. Während die Trierer überragende 47 Prozent ihrer Würfe aus der 6,75-Meter-Distanz verwandelten, 16 von 34, trafen die Towers nur – ordentliche – sieben von 20 (35 Prozent). Bis auf die Rebounds (231:31) waren die Hamburger allerdings in allen anderen statistischen Kategorien im Vorteil. Wie so oft. „Wir werden hart weiterarbeiten, dann stellt sich der Erfolg von selbst ein. Manchmal hilft es, wenn wir mal einen einfachen Korb machen, den wir zuletzt nicht machten“, hofft Barloschky.

Der Trainer muss jedoch gegen Crailsheim auf den Bosnier Adin Vrabac verzichten, der mit seiner Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation am Donnerstagabend in Sarajevo gegen Belgien und am Sonntagnachmittag in Perm gegen Russland antritt. „Adin ist zweifellos ein sehr wertvoller Spieler für uns“, sagt Barloschky, „wir haben aber auch ohne ihn einen starken Kader.“

Punkte Hamburg Towers: Canty 18, Williams 18, Vrabac 14, Kindzeka 10, Freese 8, Wolf 7, Kovacevic 5, Logins 2, Schmidt 1.

SC Rist Wedel droht die Abstiegsrunde

Towers-Kooperationspartner SC Rist Wedel verlor in der 2. Bundesliga Nord ProB mit 84:92 (20:21, 20:19, 19:19, 25:33) beim Tabellendritten Rostock Seawolves und fiel mit 9:12 Siegen auf den neunten Platz zurück, was wie im Vorjahr die Teilnahme an der Abstiegsrunde bedeuten würde. Steffen Kiese war mit 29 Punkten bester Wedeler Werfer. „Wir haben ein sehr gutes Spiel gezeigt, haben aber ein paar Freiwürfe nicht verwandelt, am Ende hat Rostock Dreier getroffen und wir leider nicht“, sagte Wedels spanischer Trainer Felix Banobre. Am letzten Spieltag muss Wedel am Sonnabend in Wolfenbüttel (6.) antreten. Die Teilnahme an den Play-offs (Plätze eins bis acht) hängt nun von den Ergebnissen der Mitkonkurrenten Itzehoe und Oldenburg ab, die ebenfalls 9:12 Siege aufweisen. Gegen beide Teams hat Wedel den direkten Vergleich verloren.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.