Handball

Für die Handballer des HSV kann der Aufstieg jetzt kommen

Im Jubelkreis nach dem 26:20-Sieg beim TSV Altenholz fällt bei den Handballern des HSV Hamburg der ganze Druck des Nicht-Verlieren-Dürfens ab

Im Jubelkreis nach dem 26:20-Sieg beim TSV Altenholz fällt bei den Handballern des HSV Hamburg der ganze Druck des Nicht-Verlieren-Dürfens ab

Foto: sp

Hamburger Handballer sind schon jetzt sportlich und strukturell für die Zweite Bundesliga gut gerüstet.

Hamburg. „Ich freue mich darauf, richtig guten Handball zu sehen.“ Martin Schwalb (54), der Sportchef des HSV, hat dies am Freitagabend nach dem 26:20-Sieg der Hamburger beim TSV Altenholz auf die Frage gesagt, was er denn an diesem Wochenende noch so machen werde. Am Sonntagabend war der ehemalige Meistertrainer beim Pay-TV-Sender Sky wieder als Experte im Einsatz, diesmal beim Champions-League-Spiel der SG Flensburg-Handewitt gegen Kielce (32:32). Über das Spiel seiner eigenen Mannschaft fiel sein Urteil gewohnt kritisch aus: „Das war sicherlich nicht unsere allerbeste Saisonleistung. Das Spiel hätte auch anders ausgehen können. Die Jungs haben aber dem Druck großartig standgehalten. Das zählt!“

Auch wenn sich Spieler, Trainer und Präsidium neun Spieltage vor Saisonende noch in üblicher Zurückhaltung üben, der HSV Hamburg kann nach dem Erfolg in der Kieler Vorstadt als souveräner Tabellenführer der 3. Liga Nord für den Aufstieg in die Zweite Bundesliga planen – und tut dies bereits seit Wochen. „Wir machen weiter unsere Hausaufgaben“, sagt Schwalb. Dazu gehört die Fertigstellung der Lizenzunterlagen, die bis Anfang März bei der Handball-Bundesliga (HBL) vorgelegt werden müssen – und die Zusammenstallung eines Kaders, der höheren Ansprüchen genügt. Erste Gespräche sind geführt, „aber noch kann sich jeder bei uns für die nächste Saison empfehlen“, betont der Sportchef.

Rückweg in die höchste Spielklasse

Glückt der Aufstieg, wäre der Handball Sport Verein (HSV) die erste der drei Hamburger Bundesligamannschaften, die sich nach dem Zwangsabstieg 2016 wieder gezielt auf den Rückweg in die höchste Spielklasse macht. Die Crocodiles, der Nachfolger des DEL-Eishockeyteams Hamburg Freezers, dürften noch länger in der Oberliga Nord verharren, das Volleyball Team Hamburg (zuvor VT Aurubis) rettete seinen Fortbestand in der Zweiten Frauen-Bundesliga Nord in dieser Woche nur dank eines Joint Ventures mit der benachbarten Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft (HNT).

Bei den Handballern stimmt nicht nur die sportliche Leistung, der Verein ist heute schon in vielen Bereichen professionell für größere Herausforderungen aufgestellt, weil er auch in seine Strukturen investiert hat. Der Zuschauerschnitt von rund 3500 Besuchern wird derzeit bloß von zwölf Erstligisten übertroffen, kein Verein der Zweiten Bundesliga, geschweige der 3. Liga kann sich über eine ähnlich große Nachfrage freuen. Die 20 Zweitligisten kamen in der Hinrunde auf einen Zuschauerschnitt von 1585. Wer wissen will, wie weit der HSV mit einer erstligareifen Organisation seiner Heimspiele in der Sporthalle Hamburg der Konkurrenz enteilt ist, muss nur mal ein Drittliga-Auswärtsspiel der Hamburger besuchen. „Bei uns ist noch Schulsport­hallen-Charme angesagt“, begrüßte Altenholz’ Geschäftsführer Matthias Fehrke am Freitagabend Schwalb.

Unternehmen bereit für Kooperation

Auch der bisher angestrebte Zweitligaetat der Hamburger von 2,5 Millionen Euro, rund 1,5 Millionen Euro sollten davon für die Bezahlung von Mannschaft und Trainern übrig bleiben, hat bereits unteres Erstliganiveau. Mehr als 100 Partner und Sponsoren zählt der Club in seiner zweiten Drittligasaison, für den Fall des Aufstiegs haben inzwischen mehrere größere Unternehmen Interesse an einer Kooperation signalisiert, weil der HSV dann wieder bundesweit wirft.

Und der Trainer hat spätestens in Altenholz den Nachweis erbracht, dass er zu den Besseren der Branche zählt. Weltmeister Torsten Jansen (41) hatte aggressiver und offensiver als in den vergangenen Spielen decken lassen, und als dies Mitte der zweiten Halbzeit nur noch bedingt half, zog er Regisseur Leif Tissier noch weiter nach vorn, um den Spielaufbau des Gegners zu stören. Das entpuppte sich als entscheidende taktische Maßnahme. „Wir sind immer super auf die Gegner vorbereitet“, lobt Kapitän Lukas Ossenkopp. Jansen wird sich nun für die A-Trainer-Ausbildung beim Deutschen Handballbund anmelden müssen, damit er auch in der höheren Klasse in kurzer Sporthose neben der Bank stehen darf.

HG Barmbek verliert erstes „Abstiegsendspiel“ 22:23

Die Treue der Fans, in Altenholz unterstützten rund 300 die Mannschaft lautstark, will HSV-Präsident Marc Evermann mit einem großen Saisonabschlussfest belohnen. Ein weiteres Spiel in der Barclaycard Arena, in der zum Weihnachtsspiel gegen den VfL Fredenbeck 9964 Besucher kamen, scheint aus terminlichen Gründen in dieser Saison ausgeschlossen. Das Heimspiel am 27. April gegen die SG Flensburg-Handewitt II wäre ein lohnendes für den Umzug gewesen. Denn dann könnte – sollten der HSV und Altenholz weiter alle Spiele gewinnen – die Meisterschaft frühestens feststehen. In der Zweiten Bundesliga will der HSV, wenn möglich, mehrmals im Volkspark an alter Wirkungsstätte gastieren.

Die HG Hamburg-Barmbek hat unterdessen bei der HSG Hannover-Burgwedel mit 22:23 (11:9) verloren und ist wieder Tabellenletzter. Der entscheidende Gegentreffer fiel acht Sekunden vor Schluss. „Bitter“, kommentierte Barmbeks Trainer Holger Bockelmann, „Burgwedel bekam bis zum 10:5 kein Bein auf die Erde. Dann zeigten wir wieder unser zweites Gesicht.“ Rechtsaußen Christoph Wischniewski war mit sieben Toren bester Werfer, Martin Laursen erzielte fünf. Das nächste „Abstiegsendspiel“ steht am Sonnabend (18 Uhr/Sporthalle Wandsbek) gegen den VfL Fredenbeck an.