La Línea de la Concepción

Eine Abmahnung und ein Arbeitssieg

Ohne Rückkehrer Walace, der nach seinem Streik heute wieder mit der Mannschaft trainieren soll, gewinnt der HSV gegen Malaga mit 2:1

La Línea de la Concepción.  Aus touristischen Gesichtspunkten konnte der HSV seinen nach Südspanien mitgereisten Anhängern am Donnerstag einen besonderen Leckerbissen bieten. Der vor Wochen vereinbarte Test gegen den FC Malaga fand im Estadio Municipal de La Línea de la Concepción statt. Und dass dieser malerische Name durchaus Programm ist, wurde bereits kurz vor Ende der 110 Kilometer langen Anreise aus dem Quartier in Jerez de la Frontera deutlich. Noch bevor der Mannschaftsbus und die mitgereisten Edelfans auf dem Stadionparkplatz vorfuhren, zeigte sich zur Linken die blaue Meerenge zwischen Mittelmeer und Atlantik und zur Rechten überragte der Felsen von Gibraltar die Stadiontribünen.

Doch auch hier, wo es näher zu Marokkos Millionenstadt Tanger als zum Mannschaftshotel in Jerez de la Frontera ist, ging es natürlich weniger um touristische als viel mehr um sportliche Höhepunkte. Und davon gab es in einem holprigen Test aus Hamburger Sicht immerhin zwei: Filip Kostic traf früh zur 1:0-Führung und legte später ein weiteres Tor für Kumpel Sejad Salihovic auf. Am Ende setzte sich im Duell der Vorletzten – der Bundesliga-17. gegen den 19. der Primera División – der weit gereiste Gast aus Hamburg verdient gegen die Mehr-oder-weniger-Lokalmatadoren mit 2:1 durch. „Es war ein gelungener Test“, zog Trainer Markus Gisdol ein zufriedenes Fazit.

Außer der Erkenntnis, dass der HSV eben doch Tore schießen kann, aber bis zum Rückrundenstart in acht Tagen beim FC Augsburg noch jede Menge zu tun hat, brachte der vierte Tag des Trainingslagers vor allem eines: die Gewissheit, dass auch der in den vergangenen Tagen streikende Brasilianer Walace wieder Fußball spielen möchte.

Mit dreitägiger Verspätung war der Mittelfeldabräumer am Mittag um kurz vor 14 Uhr gemeinsam mit seinem Berater Rógerio Braun im Mannschaftsquartier in Jerez de la Frontera vorgefahren, wo auf die beiden ein wahrer Gesprächsmarathon wartete. „Es gibt eine sportliche und eine vereinsrechtliche Komponente“, erklärte später Clubchef Heribert Bruchhagen, der Letzteres am heutigen Vormittag mit Walace und Braun persönlich besprechen will: „Da werde ich ihm schon deutlich ein paar Dinge erklären“, sagte Bruchhagen, der auf Nachfrage präzisierte: „Es wird natürlich eine Abmahnung geben.“

Walace war an Neujahr nicht zum Abflug ins Trainingslager erschienen und hatte darum gebeten, wegen eines „privaten Problems“ in Brasilien bleiben zu dürfen – was der HSV ablehnte. Nur Stunden vor dem Abflug der Hanseaten nach Spanien hatte Walace offenbar bestens gelaunt ein Neujahrsfoto vom Strand in den sozialen Netzwerken gepostet. Er war vor einem Jahr für rund neun Millionen Euro von Gremio Porto Alegre an die Elbe gewechselt.

Die sportliche Komponente übernahm bereits direkt nach der Ankunft im Hotel dann Sportchef Todt. „Wir hatten ein klares Gespräch und ich gehe auch davon aus, dass er sehr bald auf den Trainer zugehen wird“, berichtete der Manager, der Walace nach der halbstündigen Kopfwäsche und vor seiner Abfahrt zum Testspiel zu einer Einzeleinheit ins Hotel schickte. Am heutigen Freitag dann soll der Mittelfeldmann erstmals wieder mit der Mannschaft trainieren. „Ich habe Walace deutlich gemacht, dass sein Verhalten nicht zu tolerieren ist.“ Ob die brasilianischen Telenovela damit ein Ende findet? Todt zog die Achseln nach oben. „Walace hat schon noch einmal seinen Wechselwunsch artikuliert. Und ich habe ihm noch einmal gesagt, dass ein Wechsel im Winter für uns extrem unwahrscheinlich ist.“ Das von Walace erhoffte Leihgeschäft mit Flamengo schloss der Sportchef sogar ultimativ aus. „Wir sind davon überzeugt, dass wir ihn wieder in die Gruppe integrieren können“, sagte er. „Wir schlagen die Tür jedenfalls nicht zu.“

Wie dringend der HSV einen formstarken und geläuterten Walace gebrauchen könnte, wurde am Nachmittag an der Grenze zu Gibraltar deutlich. So bildeten in der ersten Halbzeit im Test der Abstiegskandidaten Talent Vasilije Janjicic und Ergänzungsspieler Salihovic die Doppelsechs, ehe im zweiten Durchgang Albin Ekdal für den Siegtorschützen Salihovic eingesetzt wurde.

Um es kurz zu machen: Aus dem Trio der Sechser konnte sich genauso wenig ein Kandidat nachhaltig aufdrängen wie der auf dem Prüfstand stehende Torhüter Christian Mathenia, der beim zwischenzeitlichen 1:1 nicht gut aussah. „Die Hauptschuld trifft wohl Papadopoulos, der den Rückpass besser spielen muss“, nahm Gisdol seine Nummer eins in Schutz, um das Kollektiv dann aber doch nachhaltig in die Pflicht zu nehmen: „Das Spannende in dieser Vorbereitung ist, dass die Spieler gerade mal ein paar Tage Zeit haben, sich zu präsentieren. Es gibt keine lange Phase, in der man sich in den Vordergrund spielen kann“, sagte Gisdol, der eine gute Woche vor dem Rückrundenauftakt den Druck erhöhen will. „Es wird direkt abgerechnet. Ich habe der Mannschaft gesagt, dass der Kampf um die Plätze ganz von vorne losgeht.“

Dass Walace sogar noch ein bisschen weiter hinten als ganz von vorne anfangen muss, will der Trainer dem Brasilianer an diesem Freitag in einem Vieraugengespräch selbst noch einmal mitteilen. Am Nachmittag darf der Südamerikaner dann trotzdem noch ein letztes Mal streiken: Die Profis haben frei.

HSV: Mathenia – Diekmeier (ab 76. Behounek), Papadopoulos (ab 46. Jung), van Drongelen (ab 46. Mavraj), Santos (ab 46. Sakai) – Janjicic (76. Pfeiffer), Salihovic – Hahn (46. Holtby), Waldschmidt (ab 46.Hunt), Kostic (ab 46. Ito/ab. 84. Jatta) – Wood (ab 46. Arp/ab 84. Schipplock).
Tore: 1:0 Kostic (7.), 1:1 En-Nesyri (22.), 2:1 Salihovic (39.)Zuschauer: 1000.