Sport

Die Johannesens – Eine schrecklich starke Familie

Active-City-Award für die ParkSportInsel, die Tennisfamilie Reichel bekennt sich zum Rothenbaum, Hildebrand wird neuer Sportdirektor Beachvolleyball

Mutter der Erfolge: Für den Lacher des Abends sorgte Doris Johannesen. Die Mutter des Hamburger Sportlers des Jahres war gemeinsam mit ihrem Mann Thomas auf die Bühne gebeten worden, um mit ihren Söhnen Eric und (dem geehrten) Torben für ein Erinnerungsfoto zu posieren. Auf die Frage von Moderator Yared Dibaba, wie groß ihr Anteil am Erfolg der beiden Ruder-Stars sei, sagte die ehemalige Kanutin: „Ich hätte diesen Award verdient!“ Die Idee Dibabas, im kommenden Jahr eine Auszeichnung für die Eltern der Sportler des Jahres auszuloben, fand sie naturgemäß gut.


Active-City-Award:
Mitten in der Stadt, mitten in Wilhelmsburg, den Sprung über die Elbe mit Tempo und Anlauf geschafft, die Menschen dort in Bewegung gebracht – dafür erhielt der Verein ParkSportInsel den erstmals von der Stadt ausgelobten Active-City-Award. Sportsenator Andy Grote überreichte den Preis an Geschäftsführerin Beate Wagner-Hauthal, die das Projekt von Anfang an betreute. Im Wilhelmsburger Inselpark, dem ehemaligen Gelände der Internationalen Bauausstellung (IBA), spielen die Towers und Piraten (Nachwuchs-Bundesliga) Basketball, werfen der SV Poseidon (Männer), der Eimsbütteler TV und der Hamburger TB (beide Frauen) in der Bundesliga Wasserball. Die Nordwandhalle, der HanseRock-Hochseilgarten laden zum Klettern ein, Skater können sich auf einer 1800 Quadratmeter großen Anlage austoben, Laufstrecken und ein Kanukurs ergänzen die vielfältigen Bewegungsmöglichkeiten für jedermann.

Deutsches Boxduell: Reinhauen am Büfett, das war für Sebastian Formella nicht erlaubt. Der Superweltergewichtsprofi vom Hamburger Stall EC Boxing muss schließlich auf sein Gewicht achten. Am 22. Dezember kämpft der 30-Jährige auf der EC-Weihnachtsgala, die wegen der großen Ticketnachfrage von der Sporthalle Drateln­straße in die edel-optics-de-Arena im Inselpark Wilhelmsburg verlegt wird, gegen den in Georgien geborenen Schweden Karlo Tabaghua. Der Kampf ist nur eine Durchgangsstation für das deutsche Duell, das am 17. März geplant ist. Dann trifft Formella, im Hauptberuf Containerfahrer im Hamburger Hafen, auf den Hamburger Angelo Frank, der sich nebenbei als Artist im familieneigenen Zirkus Frank verdingt. „Angelo und ich sind befreundet, schätzen uns sehr. Aber dieses Duell ist richtungweisend für uns beide, und für die deutschen Boxfans ist es sicherlich ein toller Kampf“, sagte Formella.


Hildebrand neuer DVV-Sportdirektor: Seit Wochen ist es das Tuschelthema im Hamburger Sport, auf der Sportgala gab es jetzt die Gewissheit. Niclas Hildebrand (37) wird zum 1. Februar neuer Sportdirektor Beach des Deutschen Volleyballverbands (DVV). Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Jana Köhler (31), die Mitte August nach sechs Wochen wegen Überlastung aufgab, erhält der ehemalige Juniorennationalspieler-, Beachvolleyballtrainer und Sportwissenschaftler eine Vollzeitstelle mit Büro am Bundesstützpunkt Beach in Hamburg-Dulsberg. „Niclas­ Hildebrand passt perfekt in unser Anforderungsprofil, er ist eine Topbesetzung“, sagte DVV-Präsident Thomas Krohne (München). Brisant ist die Personalie deshalb, weil sich Hildebrand gerade mit dem Hamburger Sportbund (HSB) auf eine kolportierte Abfindung von rund 100.000 Euro und Fortsetzung der Gehaltszahlungen bis April 2018 geeinigt hatte. Der HSB-Vorstandsvorsitzende Ralph Lehnert hatte den langjährigen Referatsleiter für Leistungssportentwicklung und Vorstand der Hamburger Stiftung Leistungssport nach internen Querelen im Sommer erst freigesellt und mit Rückendeckung des alten Präsidiums dessen Kündigung betrieben, „koste es, was es wolle“. Dem HSB war dabei offenbar entgangen, dass Hildebrand bereits im September im DVV als Wunschkandidat für die Stelle des Sportdirektors Beach gehandelt wurde. Dass dem Sportbund für die Bezahlung von Landestrainern Geld fehlt, der HSB sich aber den Rausschmiss Hildebrands inklusive Anwaltskosten eine sechsstellige Summe kosten lässt, empörte auf der Sportgala Trainer und Sportler.

Pflegedienst: Traurig war Hockeylegende Christian „Büdi“ Blunck. Der Olympiasieger von 1992 verpasste zum ersten Mal eine Sportgala, weil sein kleiner Sohn krank zu Hause lag und vom Papa gepflegt werden musste. Dass das HTHC-Idol keine anderweitige Betreuung fand, hatte einen einleuchtenden Grund: Seine Mutter Greta (79), die Grande Dame des Hamburger Hockeysports, war als Ehrenpreisträgerin selbstverständlich auch zur Gala geladen – und vertrat die Familie Blunck charmant wie gewohnt.


Fachleute gefunden: Akribische Recherche hat er in seinem Hauptberuf gelernt: Hamburgs Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich ist Polizist. Auf der Sportgala war er einer der gefragtesten Gesprächspartner. Stichwort: Videobeweis. Warum die Technik immer noch nicht funktioniere, war die stets wiederkehrende Frage. Irgendwann entdeckte Ittrich einen Experten für sein Thema. Moritz Fürste, zweimaliger Hockey-Olympiasieger, kennt das Beobachtungsinstrument aus seinem Sport, wo es schon lange erfolgreich eingesetzt wird. Er hatte einiges zu erzählen – und vielleicht waren Erkenntnisse dabei, die Ittrich weiter geben konnte.

Ein Münchner in Hamburg: Modisch war Christoph Schubert eines der Highlights der Sportgala. Der Kapitän der Crocodiles Hamburg kam als gebürtiger Münchner stilsicher im bayerischen Janker in die Volksbank Arena. „Ist doch mal etwas anders. Nicht immer Anzug und Krawatte“, sagte Schubert schmunzelnd, der gemeinsam mit Geschäftsführer Christian Schuldt als Vertreter des Eishockey-Oberligisten zur Gala kam. „Die Jungs haben Training und anschließend Wichteln. Sie sollen Spaß haben und mir Videos und Fotos schicken“, scherzte der 35-Jährige.

Tennis-Standpunkt: Über die Zukunft des Herrentennisturniers am Rothenbaum ist in den vergangenen Monaten viel diskutiert worden. Wichtigste Frage: Bleibt das Traditionsevent auch nach 2018, wenn die Lizenz zur Ausrichtung von Michael Stich auf den Österreicher Peter Michael Reichel übergeht, in Hamburg? Reichel war auf Einladung von Sportsenator Andy Grote mit seiner Tochter Sandra auf der Gala und wollte das als klares Statement verstanden wissen. „Wir führen mit allen Parteien Gespräche und wollen das Turnier in Hamburg erhalten, wenn die Rahmenbedingungen hier stimmen“, sagte er. Letzteres gilt es nun in den kommenden Monaten umzusetzen...

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