Hamburg. Beachvolleyballer legen Konflikte um Nationalteams bei und freuen sich über neuen Hauptsponsor comdirekt

Die üblichen Scherze über das Hamburger Schmuddelwetter mochten sich Deutschlands beste Beachvolleyballerinnen nicht verkneifen, das Lästern fällt aber auch leicht, wenn unter dem schützenden Dach des BeachCenters am Alten Teichweg die wohl europaweit besten Trainings­bedingungen herrschen. Überhaupt war die Stimmung bei der Präsentation der acht neuen Nationalteams bestens, weil der Deutsche Volleyballverband (DVV) mit der Internetbank comdirekt für Halle und Strand einen neuen Hauptsponsor gefunden und schwelende Konflikte mit seinen Sportlern beigelegt hatte.

Comdirekt, Vertrag bis 2020, Vertragssumme: geschätzte 750.000 Euro im Jahr, will (Beach-)Volleyball technisch aufrüsten, Bewegungsdaten der Athleten erfassen, Geschwindigkeiten messen und die Grund- und Seitenlinien mit Kameras (Hawk Eye) überwachen.

Hamburg ist seit einem Jahr mithilfe der Stadt und des Hamburger SV, die beide eine Bundestrainerstelle bezahlen, Bundesstützpunkt Beachvolleyball. Nach monatelangem Streit sorgte der Verband nun für klare Verhältnisse. Die Stuttgarterin Karla Borger (29), Vizeweltmeisterin 2013, und die gebürtige Hamburgerin Margareta Kozuch (31), langjährige Kapitänin der Hallen-Nationalmannschaft, erhalten den in der vergangenen Saison verwehrten Status eines Nationalteams, was ihnen den Zugang zu Turnieren der Weltserie erleichtert. Borger/Kozuch hatten es bisher abgelehnt, statt in Stuttgart, Mailand oder auf Teneriffa auch – wie vom Verband gefordert –, in Hamburg zu trainieren. Die Frage, wie der Kompromiss denn nun aussehe, beantwortete Borger allerdings mit einem süffisanten Lächeln: „Wir sind Nationalteam!“ Auch DVV-Präsident Thomas Krone (München) blieb vielsagend nichtssagend: „Wir haben eine gemeinsame Lösung gefunden und blicken jetzt nur noch nach vorne.“

Dass Borger/Kozuch ebenso wie die Weltranglistendritten Chantal Laboureur (27/MTV Stuttgart) und Julia Sude (30/VfB Friedrichshafen) wohl auch künftig ihre Netze nicht in Hamburg aufstellen, sei kein Problem für seine Arbeit, betont Imornefe Bowes. Der 41 Jahre alte Schotte, Lebensgefährte der Olympiasiegerin und Weltmeisterin Laura Ludwig (31), plant als Chefbundestrainer nicht nur für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, auch bereits für 2024 in Paris.

„Wer es in die Weltspitze schaffen will, muss mindestens sechs Jahre auf hohem Niveau trainieren“, sagt Bowes. Olympiasiegerinnen seien in der Regel 26 bis 30 Jahre alt. Als drittes Nationalteam zählt der DVV weiter auf das HSV-Duo Victoria Bieneck/Isabel Schneider (beide 26), 14. der Weltrangliste. Alle Einstufungen gelten formal für ein Jahr, weil begleitende Förderregelungen mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe und der Bundeswehr befristet sind.

Bowes, Vertrag bis Ende 2018 plus Option bis 2020, ist zudem auf der Suche nach neuen Kombinationen. Aus den HSV-Europameisterinnen Nadja Glenzke (22)/Julia Großner (29), die sich trennen mussten, sowie den Talenten Leonie Körtzinger (20/Olympia Hamburg) und Anika Krebs (24), einer gebürtigen Hamburgerin, könnten 2018 zwei neue Paare mit neuen Perspektiven entstehen. Blockerin Glenzke soll zuvor ihre Athletik, Ausdauer und Körperstabilität verbessern, bevor sie wieder in den Turnier­betrieb einsteigt. Bowes sieht Teambuilding derzeit nicht als dringlichste Aufgabe an: „Im Einzeltraining können wir erst einmal viel intensiver arbeiten.“

Die Trainingsqualität am Alten Teichweg dürfte ohnehin steigen, weil die Olympiasiegerinnen Laura Ludwig/Kira Walkenhorst, die einen Einzelvertrag mit comdirekt abschlossen, stärker in die Strukturen des Stützpunktes eingebunden werden, ihr Know-how weitergeben. „Starke Konkurrenz macht uns alle noch stärker“, sagt Ludwig. Ihre Trainerin Helke Claasen (40) steht vom 1. Januar an als Bundestrainerin Chefcoach Bowes zur Seite. Dessen bisheriger Assistent Tilo Backhaus (31) war vor zwei Monaten zurückgetreten.

Bei den Männern standen die vier Nationalteams schon länger fest. Markus Böckermann (31)/Lars Flüggen (27) vom HSV führen das Quartett an. Der hoch talentierte Julius Thole (20/Eimsbütteler TV) geht künftig mit dem deutschen Meister Clemens Wickler (22/TuSA Düsseldorf) ans Netz, sein bisheriger Partner Lorenz Schümann (25/Adler Kiel) mit Nils Ehlers (23/HSV). Philipp Arne Bergmann (26)/Yannick Harms (23) vom TC Hameln bilden das vierte Paar. Ziel von Cheftrainer Martin Olejnak (47) und Bundestrainer Eric Koreng (36): Bei den Sommerspielen 2020 in Tokio sollen wieder zwei deutsche Männerduos aufschlagen, 2016 hatten es nur Böckermann/Flüggen nach Rio geschafft.