Hamburg

BG Baskets kommen ins Kino

Regisseur Guido Weihermüller dreht eine Dokumentation über die Rollstuhlbasketballer des HSV

Hamburg. Anne Patzwald blieb unnachgiebig. Ihre Rückennummer „7“ würde Asael Yona Shabo nicht bekommen, auf gar keinen Fall. Die deutsche Nationalspielerin von den BG Baskets lacht fröhlich: „Asael hat mich gefragt, aber ich habe die älteren Rechte.“ Natürlich ist das kein echter Konflikt, sondern ein nettes Gefrotzel. Hier bildet sich gerade ein neues Team, und da gehört so etwas dazu. Im Internet kann man das alles verfolgen. Unter „www.vierzehneinhalb.de“ dokumentiert der Regisseur Guido Weihermüller im Rahmen eines neuen Filmprojekts die kommende Saison der BG Baskets.

Die 28-jährige Patzwald ist eine von nur noch drei Spielern im Rollstuhlbasketball-Team des HSV, die auch in der vergangenen Saison schon dabei waren. Neben ihr sind das noch Karlis Podnieks und der neue Kapitän Kay Möller. Einen großen Umbruch haben sie im Sommer vollzogen, jetzt aber ist das Team wieder komplett, mit sechs neuen Spielern. „Es waren zwei anstrengende Monate, ich habe viel verhandelt“, sagt Trainer Holger Glinicki, der auch die „neuen“ BG Baskets zusammengestellt hat, „aber mir macht so etwas Spaß.“

Der Saisonauftakt ist am Wochenende mit einem überraschend hohen 87:66-Erfolg beim RBB München gut gelungen. An diesem Sonntag um 15 Uhr folgt nun gegen die Dolphins Trier in der Edel-Optics.de-Arena in Wilhelmsburg die Heimpremiere. „Das wird gleich mal ein richtiger Test, ich glaube, dass Trier der härteste Gegner um die Plätze drei und vier wird“, sagt Glinicki. Die beiden Topplätze werden wieder Doublesieger RSV Lahn-Dill aus Wetzlar und die Thuringia Bulls aus Elxleben bei Erfurt unter sich ausmachen.

Den Weg des neuen Teams wird Guido Weihermüller mit intimen Einblicken beschreiben. Gemeinsam mit seiner Frau Silvia als Produzentin hatte der 52-Jährige vor den Olympischen Spielen in Rio in einem Langzeitprojekt Hamburger Topsportler begleitet. Daraus entstanden der viel beachtete Film „Die Norm“ sowie eine lange Reportage in der „Sportschau“ über den Weg zum Beachvolleyball-Gold von Kira Walkenhorst und Laura Ludwig. Jetzt begleiten die beiden Hamburger die BG Baskets.

„Die Idee kam im Sommer nach einer Einladung zu einem Spiel“, erzählt Weihermüller, „ich war sofort von dem Sport und seiner Dynamik begeistert. Unser Ziel ist es auch immer, Sportfilme zu machen, die eine gesellschaftliche Relevanz haben.“

Ein langer Kinofilm und eine halbstündige TV-Dokumentation ist der eine Teil des Projekts. Der Film soll nach der Weltmeisterschaft (16. bis 26. August 2018 in Hamburg) in die Kinos kommen, die TV-Dokumentation schon vor dem Turnier. Der andere Teil sind 14 Episoden, die alle zwei Wochen im Internet zu verfolgen sind. Folge eins ist gerade erschienen. Dazu kommen regelmäßig kleine Clips – wie der vom Mittwoch: Anne Patzwald erfüllt sich den Traum vom Tandemsprung mit dem Fallschirm. „Die Spieler haben uns total positiv und freundschaftlich aufgenommen“, erzählt Weihermüller.

Das Projekt hilft, das Interesse für den Sport und seine Bekanntheit zu steigern, was gut ist für die WM, aber auch für den HSV, der sich über weitere Sponsoren für das Team freuen würde. Über allem aber stehen die Geschichten und Schicksale einer Sportmannschaft im Neuaufbau. Weihermüller: „Das ist gelebte Inklusion, Männer und Frauen, Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen und unterschiedlichen Hintergründen treiben hier gemeinsam Leistungssport.“

Dass der Israeli Asael Yona Shabo und der Iraner Alireza Ahmadi nun gemeinsam für Hamburg auf Korbjagd gehen, ist nur eine der vielen Storys bei den „neuen“ BG Baskets. „Die beiden haben überhaupt gar kein Problem miteinander“, sagt Holger Glinicki, „im Gegenteil, sie sind inzwischen dicke Kumpels.“