Hamburg

„Das Negative schnell abhaken“

Das Abendblatt begleitet Debütant Daniel Altmaier durch Auftakttag des Rothenbaum-Tennisturniers

Hamburg. Welch ein Faustpfand die Hamburger Tennisfans für den Fortbestand des Herrenturniers am Rothenbaum sein können, zeigte sich am Montag wieder einmal. Trotz der durchwachsenen Wetterprognose und des mit drei Matches spärlichen Programms auf den kostenlos zugänglichen Außencourts waren 5000 Besucher zum ersten Hauptfeldtag an die Hallerstraße gekommen. Sie sahen mittelmäßig erfolgreiche Deutsche, mit Florian Mayer (33/Bayreuth), Jan-Lennard Struff (27/Warstein) und Cedric-Marcel Stebe (26/Vaihingen) kamen drei von fünf Lokalmatadoren weiter.

Einer, der ausschied, aber dennoch gefeiert wurde, war Daniel Altmaier. Der 18 Jahre alte Weltranglisten-218. aus Kempen am Niederrhein hatte von Turnierdirektor Michael Stich erstmals in seiner Karriere eine Wildcard für ein Turnier der 500er-Serie erhalten und durfte gegen Horacio Zeballos (32/Nr. 57) auf dem Centre-Court antreten. Gegen den 2009 zum besten Nachwuchsass gewählten Argentinier hielt der 188 Zentimeter lange Wahl-Berliner sehr mutig mit, begeisterte mit variablem, druckvollem Spiel und einer starken einhändigen Rückhand. Allerdings ließ ihn sein Aufschlag im Stich, so- dass nach 1:49 Stunden eine 6:7 (2:7), 4:6-Pleite in der Bilanz stand. Da Altmaier aber am Mittwoch im Doppel an der Seite von Altmeister Tommy Haas (39) gefordert ist, ist sein Hamburg-Aufenthalt noch nicht beendet.

Das Abendblatt durfte den Fachabiturienten, der erst seit diesem Jahr auf der ATP-Tour antritt und als eins der größten Talente nach Alexander Zverev gilt, über den Tag begleiten, um Einblicke in die Matchvor- und -nachbereitung zu erhalten.

6.45 Uhr: Nach dem Aufstehen absolviert Altmaier in seinem Einzelzimmer im Turnierhotel Grand Elysée am Dammtor ein 20-minütiges Mobilisierungsprogramm, um die Muskeln zu erwärmen.

7.30 Uhr: Frühstück im Hotelrestaurant „Le Parc“. Altmaier, der keine Allergien oder Unverträglichkeiten hat, hält sich an Eierspeisen, Müsli und Obst. „Ich darf kein Völlegefühl haben, muss aber ausreichend Energie tanken“, sagt er. Sein Trainer Markus Hornig sagt: „Daniel darf alles in Maßen essen, nur kein Fastfood, keine Süßigkeiten, und vor allem keine zuckerhaltigen Getränke trinken. Vor dem um 11 Uhr angesetzten Match soll er insgesamt einen Liter stilles Wasser getrunken haben, um die Speicher aufzufüllen.

9 Uhr: Abfahrt mit dem Fahrdienst zur 1,5 km entfernten Anlage.

9.11 Uhr: Altmaier und Hornig betreten den Centre-Court, das Dach ist geöffnet, die Sonne scheint bei 19 Grad. Aufregung ist bei dem Youngster nicht zu spüren. „Daniel hat den Bonus, dass er keine Versagensängste spürt“, sagt der Coach. Die Analyse des Gegners haben sie am Vortag erledigt, aber so knapp wie möglich gehalten. „Ich will meine Stärken ausspielen und meinen Plan unabhängig vom Gegner durchziehen“, sagt der 18-Jährige, der reifer wirkt, als sein Alter es vermuten lässt.

9.30 Uhr: Nach einem 20-minütigen Erwärmungsprogramm mit Stretching, Jogging und Seilspringen – Altmaiers Vater war Amateurboxer, der Sohn schätzt „die schnellen Schrittabfolgen und die dauerhafte Bewegung beim Seilspringen“ – schlägt sich der 188 Zentimeter lange Rechtshänder mit dem Hamburger Talent Jason Jeremy Hildebrandt ein. Dabei geht es vor allem darum, die richtige Bespannungshärte des Schlägers ausfindig zu machen. Neben den beiden wärmt sich zeitgleich auf der anderen Platzhälfte Zeballos auf.

9.55 Uhr: Das Einschlagen ist beendet, Altmaier duscht sich einmal kalt ab, präpariert seine Schläger und zieht sich dann fürs Match um.

10.45 Uhr: Zur Aktivierung der Muskeln gibt es in den Katakomben unterm Centre-Court noch eine kurze Erwärmung, dann geht es auf den Platz, wo warmer Applaus von rund 1000 Besuchern den Debütanten empfängt.

13 Uhr: Das Match ist beendet, Altmaier schreibt 15 Minuten lang Autogramme, gibt TV-Sender Sky ein Interview. „Es war eine tolle Erfahrung, auf dem Centre-Court spielen zu dürfen“, sagt er. Die Nachbesprechung mit seinem Coach fällt knapp aus. „Das Negative muss man schnell abhaken und sich dann auf das Positive konzentrieren“, sagt Hornig, der seinem Schützling auch als Mentaltrainer zur Seite steht.

13.30 Uhr: Altmaier lässt sich von seinem Physiotherapeuten 25 Minuten stretchen und am Arm, der ihm seit Wochen Probleme bereitet, sowie dem rechten Oberschenkel, der etwas gereizt scheint, behandeln.

14.15 Uhr: Essen im Spielerrestaurant mit Blick auf den Centre-Court. Altmaier isst Fisch, Kartoffeln und Obst, trinkt viel Wasser, über den Tag verteilt rund drei Liter.

15 Uhr: Gespräch mit Klaus Eberhard, Sportdirektor des Deutschen Tennis-Bundes. Das Feedback ist positiv, der DTB baut auf Altmaier.

16 Uhr: Einstündige Ganzkörpermassage durch den vom Veranstalter gestellten Physiotherapeuten, danach Rückfahrt ins Hotel, dort ist Ausruhen angesagt.

19 Uhr: Spaziergang an der Alster, inklusive Gespräch mit dem Coach, um das Geschehene zu verarbeiten. Anschließend Abendessen, Pasta mit Fisch, um die Kohlehydratspeicher aufzufüllen.

21.30 Uhr: Bettruhe. Altmaier geht gern früh schlafen, und meist schläft er sehr gut, auch vor aufregenden Ereignissen. Das nächste wartet am Mittwoch – im Doppel mit Haas.

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