Deutsche Sporthilfe

"Gigant und Titan": Michael Schumacher in der "Hall of Fame"

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Michael Schumachers Managerin Sabine Kehm hält die Ernennungs-Urkunde für die Aufnahme des Ex-Rennfahrers in die "Hall of Fame"

Michael Schumachers Managerin Sabine Kehm hält die Ernennungs-Urkunde für die Aufnahme des Ex-Rennfahrers in die "Hall of Fame"

Foto: dpa

Der Formel-1-Rekordweltmeister gehört nun ebenso der nicht immer unumstrittenen Liste an wie Biathletin Magdalena Neuner.

Marburg. Es ist eine Ehre für die umstrittene „Hall of Fame“: Die Aufnahme der zweimaligen Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner und der Formel-1-Ikone Michael Schumacher am Montagabend in Marburg hat der Ruhmeshalle des deutschen Sports wieder Glanz verliehen. Fragwürdige Nominierungen wie die des Rad-Idols der früheren DDR, Gustav-Adolf „Täve“ Schur, hatten Kritik ausgelöst.

„Die Hall of Fame ist der Olymp und die Aufnahme das Größte, was der Sport zu vergeben hat. Es gibt viele Olympiasieger, aber nur 110, die in der Hall of Fame sind“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei der offiziellen Feier zur Aufnahme der Ausnahme-Athleten und betonte: „Dazu muss man nicht nur erfolgreich sein, sondern eine Lebensleistung haben, etwas Besonderes geleistet haben für sich, die Sportart und für unser Land. Neuner und Schumacher stehen dafür.“

Täve Schur nicht aufgenommen

Zweifel an der richtigen (Aus-)Wahl von Athleten für die 2006 von der Deutschen Sporthilfe initiierten „Hall of Fame“ gibt es seit ihres Bestehens. Besonders vor dem geschichtlichen Hintergrund der unterschiedlichen politischen Systeme vor 1945 und danach im lange geteilten Deutschland sowie angesichts des Dopingproblems. „Vorbilder und Idole im Sport sind für die Gesellschaft wichtig“, sagte de Maizière in Magdeburg. Gehört dazu auch die - schwer zu bewertende - Haltung eines Athleten zu einem politischen System?

Bei „Täve“ Schur, der bis heute keine kritische Distanz zur DDR und dem dort einst etablierten Dopingsystem erkennen lässt, sah die Sporthilfe-Jury Ende April auch bei der zweiten Nominierung von einer Aufnahme ab.

Heide Drechsler distanzierte sich

Dafür bekam die frühere Weltklasse-Weitspringerin Heike Drechsler einen Platz in der Ruhmeshalle, die in der DDR als „IM Jump“ für die Stasi tätig gewesen sein soll und der nachgewiesen wurde, zeitweise Dopingmittel bekommen zu haben. Sie betonte „nie wissentlich gedopt zu haben und verurteilt die Dopingpraktiken des DDR-Systems auf das Schärfste“, steht im von der Sporthilfe im Juni 2017 herausgegebenen Buch zur „Hall of Fame des Deutschen Sports“.

Im darin ebenfalls zu findenden Porträt des Sporthilfe-Gründers Josef Neckermann wird auch nicht verschwiegen, dass er in der NS-Zeit „Zugeständnisse an die Machthaber“ gemacht habe, um „geschäftlich vorwärts zu kommen“. Im Entnazifizierungsverfahren sei er als „Mitläufer“ eingestuft worden.

Sporthilfe-Chef sieht Aufklärungsprozess

Für den Vorstandsvorsitzenden der Sporthilfe, Michael Ilgner, sei durch die „Hall of Fame“ ein Aufklärungsprozess in Gange gekommen, „ohne den die Geschichte des deutschen Sports möglicherweise aus Angst vor Diskussionen und Kontroversen im Dunkeln geblieben“ wäre, schreibt er im Vorwort des Buches.

Dafür gab es für Magdalena Neuner und Michael Schumacher, den bisher größten Athleten in den Welten des Biathlons und Motorsports, nur Hymnen und Huldigungen. „Als Sportler war er einsame Spitze, aber als Mensch rangierte Michael da noch ein Stück drüber“, sagte Laudator Norbert Haug, der am Karriereanfang und -ende bei Mercedes sein Chef war. „Wer hätte eine große Ehrung wie diese mehr verdient!“

De Maizière: Schumacher ein "Titan"

Für de Maizière war der Rekordweltmeister „ein Gigant und Titan“ des Automobilsports. „Was er alles für Unfälle überstanden hat? Da waren viele Schutzengel dabei - nur bei seinem Skiunfall nicht“, sagte der Minister. Schumacher hatte sich bei dem Unglück im Dezember 2013 schwere Kopfverletzungen zugezogen. „Klar hat er viele Siege und Rekorde gefeiert, doch die Menschen haben gespürt, dass er seinen Sport liebt“, meinte seine Managerin Sabine Kehm.

Dies galt auch für die zwölfmalige Weltmeisterin Neuner, die die „Hall of Fame“-Feier wegen einer Grippe absagen musste. „Sie zeichnete große Leistungen, Sicherheit, eine fröhliche Ausstrahlung und Ehrgeiz aus“, sagte de Maizière. „Sie hat eine ganze Generation mitgerissen.“