Wimbledon

Nach Fünfsatzdrama: Zverev verpasst Duell mit seinem Idol

Alexander Zverev ärgert sich über eine verpasste Chance

Alexander Zverev ärgert sich über eine verpasste Chance

Foto: ANDREW COULDRIDGE / REUTERS

Der Hamburger war gegen Vorjahresfinalist Raonic lange der Bessere, schied dann aber als letzter Deutscher aus. Auch Nadal scheitert.

London.  Ein letztes Mal noch staubte die Kreide auf, als Milos Raonic am Montagabend nach 3:23 Stunden Spielzeit das Wimbledon-Abenteuer des Alexander Zverev brachial mit seinem 23. Ass auf die Linie beendete. Mit 4:6, 7:5, 4:6, 7:5 und 6:1 gewann der 26 Jahre alte Kanadier das Achtelfinalduell der beiden besten Youngster der vergangenen zehn Jahre. Damit darf der Vorjahresfinalist weiter von seinem ersten Grand-Slam-Titel träumen, während der 20 Jahre alte Hamburger die Chance auf eine doppelte Revanche verpasste.

Gegen sein Kindheitsidol, den Schweizer Rekordsieger Roger Federer (35/sieben Titel), der sein Achtelfinale mit gewohnter Leichtigkeit 6:4, 6:2, 6:4 gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov gewann und nun Raonic fordert, hatte nicht nur er selbst im Juni im westfälischen Halle das Finale 1:6, 3:6 verloren, sondern auch sein Bruder Mischa (29) am Sonnabend sein Drittrundenmatch. „Ich hätte das Match gewinnen müssen, war in den ersten vier Sätzen besser. Mein Gefühl war, dass ich mehr Breaks hätte schaffen können, drei von 17 Breakchancen zu nutzen ist schlecht. Es gibt keine Statistik, in der ich schlechter bin als er, deshalb ist das sehr unangenehm“, sagte der Unterlegene.

Die Coolness, mit der er sein erstes Achtelfinale bei einem Majorturnier anging, beeindruckte. Dass Zverev der deutlich bessere Spieler war, überraschte niemanden. Wenn Tennisbälle menschliche Züge hätten, dann würden sich nur Masochisten freiwillig in die Hände des kanadischen Haudraufs begeben. Raonic ist ein mächtiger Aufschläger, doch in den Grundlinienduellen hatte er in den ersten drei Sätzen wenig zu melden, und auch seine Netzattacken konterte der deutsche Jungstar phasenweise mit einer Gelassenheit ab, als müsse er lediglich ein paar lästige Fliegen von seinem Gesicht wedeln.

Wende im fünften Durchgang

Natürlich brachte der in Montenegro geborene Weltranglistensiebte seinen Service oft genug ins Ziel, um das Match spannend zu halten. Aber Zverev ließ zunächst nie locker, im Gegenteil: Wenn seine Blicke Pistolenkugeln gewesen wären, dann hätte Raonic einige Fans weniger. Immer wieder starrte Zverev grimmig in Richtung der Anhänger seines Gegners, wenn diese lautstark einen Punktgewinn bejubelten.

Den Wendepunkt setzte Raonic, der im bislang einzigen Aufeinandertreffen mit Zverev beim Masters in Rom im Mai in zwei Sätzen verloren hatte, erst spät im fünften Durchgang. Sein Break zum 3:1 schockte den Weltranglistenzwölften, der sich zwar anschließend noch einmal heftig gegen das Aus stemmte. Aber als Raonic über mehrfachen Einstand seinen Service zum 4:1 durchbrachte, war der Widerstand gebrochen und die Reise für Zverev, der sein Heimturnier in Hamburg bekanntlich auslassen und sich nach etwas Pause auf die US-Hartplatzsaison vorbereiten wird, beendet.

Für Federer scheint der Weg zum achten Wimbledon-Titel dagegen frei zu sein. Sein Rivale Rafael Nadal verpasste nach dem historischen zehnten French-Open-Sieg zum sechsten Mal nacheinander das Wimbledon-Viertelfinale. Der Spanier musste sich in einem dramatischen Fünfsatzkrimi nach 4:48 Stunden dem 34 Jahre alten Luxemburger Gilles Muller mit 3:6, 4:6, 6:3, 6:4, 13:15 geschlagen geben.