Hamburg

Quidditch mit Besen und Bodenhaftung

Die Hamburg Werewolves betreiben das Spiel aus den Harry-Potter-Romanen

Hamburg. Die Decken ausgebreitet, der Kuchen in der Tupperdose frisch gehalten, Wasser bereit und die Sonne schien. Picknick-Atmosphäre auf dem "Sportplatz beim Bären" im Stadtpark, Vorfreude bei rund 180 Zuschauern, Fans, Freunden. Es konnte losgehen mit dem dritten Spieltag der Quidditch-Nordliga: Hamburg Werewolves gegen Hannover Niffler. Ging es aber nicht.

Die Teams standen schon bereit, als die Gästemannschaften insbesondere aus Braunschweig und Bremen zu Recht den miserablen Zustand des Sportplatzes bemängelten, der dem Hamburger Rugbyverband gehört. Nicht gemäht, vor allem aber zahlreiche Löcher, die zu heimtückischen Stolperfallen werden konnten. Und da im Gegensatz zum literarischen Quidditchspiel aus den Harry-Potter-Romanen die Spieler eben nicht auf Hexenbesen durch die Luft fliegen, sondern mit einem "Besen" zwischen den Beinen Bodenhaftung behalten, gab es angesichts der großen Verletzungsgefahr nur Freundschaftsspiele statt Punktpartien. Ein Spaß war es trotzdem.

Seit einem Jahr bestehen die Werewolfes in Hamburg, seit drei Jahren wird das Spiel in Deutschland betrieben. US-Studenten entwickelten es 2005. "Ich bin aus Jux mal mitgekommen, meine Freundin ist großer Harry-Potter-Fan", erzählt Hamburgs Kapitän Timo Damköhler (28), "es geht erheblich mehr zur Sache, als man so denkt. Ich war gleich fasziniert." Von den sieben Feldspielern dürfen nur vier dem gleichen Geschlecht angehören. Eine Mischung aus Völkerball, Rugby und Handball ist dieses Spiel, das zunächst undurchschaubar wirkt, weil drei Bälle gleichzeitig bewegt werden. Das ist physisch, mit Vollkontaktzweikämpfen, hat Dynamik und ist offenbar anstrengend.

"Das ist hier kein Harry-Potter-Fantreffen", sagt Tristan Dück (21), "sondern eine Sportveranstaltung." 20 Aktive haben die Hamburger bereits, die über Pfingsten Platz vier bei der DM belegten und die Nordliga souverän anführen, "Kann ich ein Autogramm?", fragt ihn der sechsjährige Janosch. Na klar kann er. Da entwickelt sich etwas.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.