DFB-Pokal

Scholl zählt die Bayern an und nennt Transferziele

Überragende TV-Quote für die ARD. Scholl mit Sonderlob für Lahm. Ancelotti und Rummenigge verkneifen sich vorschnelles Fazit.

München/Dortmund. Es war nicht nur in den Augen von Bundestrainer Joachim Löw eines der besten Fußballspiele in Deutschland in den letzten Jahren: Nach einem offenen Schlagabtausch ist Borussia Dortmund durch einen 3:2 (1:2)-Sieg beim FC Bayern München am Mittwochabend in das Endspiel des DFB-Pokals in Berlin eingezogen. Dort trifft die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel am 27. Mai auf Eintracht Frankfurt.

Abendblatt.de hält Sie am Tag nach dem spektakulären Halbfinale von München auf dem Laufenden.

Löw stützt Bayerns Konzept

Bundestrainer Joachim Löw glaubt nicht an das Ende einer Ära bei Bayern München. "Bayern ist grundsätzlich das Flaggschiff des deutschen Fußballs und wird es auch bleiben", sagte Löw bei der Vorstellung seines Kochbuchs "Erfolgsrezepte - meisterlich kochen mit Jogi Löw und Tim Mälzer" in Mälzers Restaurant Bullerei in Hamburg: "Ich sehe keine Auflösungserscheinungen der Mannschaft. Du kannst nicht jedes Jahr drei Titel gewinnen."

Das Halbfinale am Mittwoch zwischen dem FC Bayern und dem BVB bezeichnete Löw als "allerhöchstes Niveau" in Deutschland. Bayern habe "klasse gespielt", wie auch beim Ausscheiden im Viertelfinale der Champions League gegen Titelverteidiger Real Madrid. Angesprochen auf die Situation beim deutschen Rekordmeister, sagte Löw: "Ich habe da kein Rezept. Sie haben eine eigene Idee und Vorstellung, wie ihr Fußball aussieht."

Katerstimmung bei Bayern München
Katerstimmung bei Bayern München

Scholl: "Bei Bayern brennt der Baum"

Nach den beiden schmerzhaften Niederlagen gegen Real Madrid und Dortmund dürfte den Bayern-Bossen klar geworden sein, dass sich der Umbruch in der Mannschaft nicht mehr länger hinauszögern lässt. Dafür müssen die Münchner wohl das berühmte Festgeldkonto plündern. Doch welche Spieler können den FC Bayern verstärken?

Für ARD-Experte Mehmet Scholl steht fest, dass die Club-Verantwortlichen die sportliche Situation knallhart analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen werden. "Der Baum brennt jetzt. Sie werden alles hinterfragen, den Kader, die Spieler, das Verhältnis vom Trainer zur Mannschaft. Auch den Fitnesszustand der Spieler werden sie überprüfen. Man kann sich darauf verlassen, dass die Verantwortlichen die richtigen Lösungen finden werden", sagte der Ex-Münchner im TV.

Scholl sieht vor allem in der Breite des Kaders Handlungsbedarf. "Ich glaube nicht, dass ein Renato Sanches oder ein Kingsley Coman dem FC Bayern aktuell weiterhelfen, seine Ziele zu erreichen." Für den TV-Experten steht schon fest, um wen sich der Rekordmeister bemühen sollte. "Alex Sanchez ist eine Kategorie, in der die Bayern nun denken müssen." Der Chilene ist vertraglich noch bis 2018 an Arsenal London gebunden. Da Gespräche über eine Vertragsverlängerung seit Monaten stocken und es aktuell nicht nach einer Einigung aussieht, müssen die "Gunners" Sanchez im Sommer verkaufen, wenn sie eine Ablöse kassieren wollen.

Der Marktwert des 28-Jährigen wird laut dem Portal "transfermarkt.de" auf 65 Millionen Euro taxiert, als Ablöse steht aber laut englischen Medienberichten eine Summe um die 30 bis 40 Millionen Euro im Raum. "Ich glaube, dass Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß verrückte Dinge machen werden", sagte Scholl.

Scholl mit Sonderlob für Lahm

Respekt wird bei Mehmet Scholl großgeschrieben. Als Philipp Lahm sichtlich geknickt aufgrund seines Ballverlustes vor dem Gegentor zum 2:3 durch Ousmane Dembélé das ARD-Studio betrat, um sich den Fragen von Moderator Matthias Opdenhövel zu stellen, nahm Scholl den Bayern-Kapitän, der zum Saisonende seine Karriere beendet in den Arm. „Das ist eine außergewöhnliche Karriere, Philipp! Und daran ändert auch der Fehler nix. Überhaupt gar nix.“

Scholl weiter: "75 Prozent aller Spiele, die du gespielt hast, hast du überragend gespielt. Und die anderen 25 Weltklasse.“ Lahm grinst und freut sich: "Danke, Mehmet."

Thiago verlängert offenbar bei Bayern

Bleibt Thiago Bayern München über sein Vertragsende 2019 hinaus treu? Einem Bericht des "kicker" zufolge steht der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler vor einer Verlängerung seines Kontrakts beim Rekordmeister bis 2021. Thiago war 2013 auf Wunsch des damaligen Bayern-Trainers Pep Guardiola ("Thiago oder nix!") für 25 Millionen Euro vom FC Barcelona nach München gewechselt. Nach drei durchwachsenen Jahren, die geprägt waren von Verletzungen, spielt er derzeit seine beste Saison im rot-weißen Trikot. Barca soll kürzlich bei den Bayern wegen einer Rückholaktion angefragt haben, aber abgeblitzt sein.

Mit der Vertragsverlängerung würden die Bayern ihr "Projekt 2021" fortschreiben. Wichtige Spieler wie Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Javi Martínez, David Alaba, Thomas Müller und Robert Lewandowski haben allesamt Verträge bis zu diesem Zeitpunkt.

FCB vs. BVB toppt sogar die Königsklasse

Der "deutsche Clásico" hat sich als echter Quoten-Hit für die ARD erwiesen. 11,33 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 25,2 Prozent) verfolgten im Ersten, wie der BVB einen 1:2-Rückstand in München drehte. Damit fesselte die Partie deutlich mehr Fans vor den TV-Geräten als jedes Spiel in der laufenden Champions-League-Saison. Dortmunds Aus in der Königklasse vor einer Woche in Monaco (1:3) verfolgten lediglich 8,47 Millionen Zuschauer. Die beste Quote erzielte das ZDF mit dem Viertelfinal-Hinspiel Bayern gegen Real Madrid, als 9,6 Millionen Fußball-Begeisterte einschalteten.

Löw möchte Reus beim Confed Cup sehen

Bundestrainer Joachim Löw hat eine Nominierung des verletzungsgeplagten Marco Reus für den Confederations Cup im Sommer angedeutet. „Ich hätte Marco Reus gerne mit dabei, weil er 2014 und 2016 verletzt war“, sagte Löw am Mittwochabend in der ARD, meinte aber einschränkend: „Wir warten die Anfänge im Mai ab und wollen zwei, drei Wochen vor Saisonende dann bewerten.“ Risiken wolle er bei dem 27 Jahre alten Offensivspieler von Borussia Dortmund, der einen Treffer beim 3:2 gegen den FC Bayern erzielt hatte, nicht eingehen, bemerkte Löw.

Ancelotti und Rummenigge beißen sich auf die Zunge

Bayerns Trainer Carlo Ancelotti hat sich nach dem Ausscheiden im Pokal noch kein Urteil über die Saison erlauben wollen. "Ich denke, es ist zu früh, über die Saison zu sprechen. Wir wollen noch versuchen, die Bundesliga zu gewinnen", sagte er mit betretener Miene nach der Pleite gegen den BVB. Ihre 27. Meisterschaft können die Münchner bereits am kommenden Samstag beim VfL Wolfsburg vorzeitig gewinnen.

Auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge verkniff sich vorerst eine Bewertung der Saison. "Das war ein bitterer Abend, wir müssen erst mal die Wunden lecken", sagte er ernüchtert. Kapitän Philipp Lahm, der den Siegtreffer durch Ousmane Dembélé (74.) begünstigte, hatte vor dem Spiel betont: "Ob es eine gute oder sehr gute Saison wird, hängt vom Pokal ab." Hinterher sagte er: "Wenn man Meister wird, ist es nie eine schlechte Saison."

Hummels spricht von "Fahrlässigkeit"

Die Münchner schrieben sich das Ausscheiden selbst zu. "Wir haben fahrlässig das Finale sausen lassen", sagte Mats Hummels. Nach dessen Treffer zum 2:1 (41.) vergab der FC Bayern vor allem durch Robert Lewandowski (45.+1 und 46) sowie durch Arjen Robben (58. und 63.) weitere Möglichkeiten, die Führung auszubauen. "Da sind wir mit dem Schrecken davongekommen", sagte Thomas Tuchel, bei einem 1:3-Rückstand, ergänzte der Dortmunder Trainer, "wäre es unmöglich gewesen zurückzukommen."

So aber feierte der BVB ausgelassen als erste Mannschaft den vierten Einzug nacheinander ins Pokalfinale. Dreimal nacheinander haben die Dortmunder den Pott allerdings verloren. "Das ist eine große Genugtuung", versicherte Sportdirektor Michael Zorc, "wenn es eine Mannschaft verdient hat nach den letzten Wochen, ein bisschen Glück zu haben und nach Berlin zu fahren, dann Borussia Dortmund."

Unglücksrabe Lahm bleibt eisern

Philipp Lahm wird nach dem verpassten Final-Einzug sein Karriereende nicht noch einmal überdenken. „Das ist eine reiflich überlegte Entscheidung. Das Gefühl ändert sich nicht. Deswegen wird es da keine andere Meinung von mir geben“, sagte der 33 Jahre alte Weltmeister nach dem 2:3 gegen Dortmund.

Lahm hätte seine Laufbahn nur zu gerne mit einem großen Endspiel in Berlin gegen Eintracht Frankfurt beendet. In der vergangenen Woche war bereits im Viertelfinale gegen Real Madrid sein Traum vom Champions-League-Endspiel zerstört worden.

Sein letztes Spiel als Profi dürfte Lahm nun am 20. Mai in der Bundesliga gegen den SC Freiburg bestreiten. Im Anschluss an das letzte Saisonspiel dürfte er in der Münchner Arena noch einmal als Kapitän die Meisterschale in Empfang nehmen.

Der Rekordmeister führt die Tabelle vier Spieltage vor Saisonende mit acht Punkten Vorsprung auf RB Leipzig an. „So schwer es heute fällt: Ich versuche, die letzten Wochen als Fußballprofi zu genießen“, sagte Lahm nach dem Pokal-K.o., das ihn sichtlich mitgenommen hatte.

"Ich habe ihn selten so niedergeschlagen gesehen", befand auch Ex-HSV-Trainer Bruno Labbadia im Anschluss an das Spiel im ARD-"Sportschau-Club".