St. Moritz

Warten auf den Klassensprecher

Halbzeit bei der Ski-WM in St. Moritz und noch keine Medaille für den DSV: Felix Neureuther soll es richten

St. Moritz. Nach der ersten Woche mit den schnellen Disziplinen folgen nun in St. Moritz bei der Ski-WM die Technik-Tage, die am Dienstag mit dem Teamwettbewerb starten (12 Uhr/ARD und Eurosport). Noch ist die deutsche Mannschaft von den erhofften drei Medaillen weit entfernt. Doch es gibt Aspekte, die Mut machen.

Den Frauen fehlt ein Star

Seit Maria Höfl-Riesch vor fast drei Jahren ihre Karriere beendet hat, haben die deutschen Damen keine Vorzeigefigur. Sicher, da gibt es Viktoria Rebensburg. Sie ist sympathisch, sie ist ehrgeizig, aber sie ist längst nicht so erfolgreich. Weder auf der Piste noch in der Selbstvermarktung. Rebensburg hat mit ihren 27 Jahren bislang eine WM-Medaille erkämpft, Höfl-Riesch hat es im Laufe ihrer Karriere zu sechs gebracht. Und in den Fernseh-Talkshows sitzt weiterhin die Zurückgetretene. Höfl-Riesch wird in ganz Deutschland auf der Straße erkannt, Rebensburg nur dann, wenn sie sich ein Namensschild um den Hals hängt.

Fritz Dopfer wird vermisst

Er ist der Mann für die Überraschungen. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder vor, dass sich alle Hoffnungen im deutschen Lager auf Felix Neureuther (32) konzentrierten — und Dopfer (29) aus der Deckung kam und den prominenteren Teamkollegen in wichtigen Rennen überholte. So geschehen bei der Weltmeisterschaft in Vail/Beaver Creek vor zwei Jahren, als er Zweiter im Slalom wurde. Aber Dopfer ist auch der Mann für Verletzungen. Zu Anfang dieser Saison brach er sich Schien- und Wadenbein. Das war es mit seinen neuerlichen WM-Träumen.

Zuschauer bevorzugen Biathlon

Die beiden parallel laufenden Großereignisse Biathlon- und Ski-WM werden im Fernsehen fein abgestimmt übertragen. Aber: Bei Programmänderungen, beispielsweise wegen schlechten Wetters, müssten die Alpinen zurückstecken, um den Biathlon-Übertragungen im wichtigen deutschen Werbemarkt den Vortritt zu lassen. So war es bei der auf Sonntag verschobenen Männer-Abfahrt. Hätte diese am Sonnabend noch einmal verlegt werden müssen (geplanter Start 12 Uhr), wäre es eng für die Live-Übertragung geworden. Um 14.45 Uhr startete der Biathlon-Sprint der Männer.

Sander macht Hoffnung

Nach jahrelanger Durststrecke wird Deutschland endlich auch wieder in den schnellen Disziplinen wie Abfahrt und Super-G von einem Fahrer in der Weltspitze vertreten. Die SG Ennepetal hat ganze Arbeit geleistet. Denn hier, mitten im eher wenig alpinen südlichen Ruhrgebiet, hat Andreas Sander seine ersten Schwünge in den Schnee gezogen. Bei der WM in St. Moritz war er in der ersten (medaillenlosen) Rennwoche der Mann, der für die Achtungserfolge zuständig war. Rang acht in der Abfahrt war das beste deutsche Ergebnis bei einer WM-Abfahrt seit Florian Eckerts Bronzemedaille 2001. Im Super G war er zuvor Siebter geworden. Nach Anlaufschwierigkeiten im Weltcup, nach dem Junioren-WM-Titel vor neun Jahren, scheint er jetzt, mit 27 Jahren, angekommen zu sein.

Trainer sorgt für Stimmung

Als der Österreicher Mathias Berthold vor drei Jahren die deutschen Herren übernahm, wurde viel gelacht, als er folgenden Satz sagte: „Unser Ziel ist es, bei den Olympischen Spielen 2018 in allen Disziplinen um Medaillen mitzufahren.“ Und auch jetzt wird wieder gelacht. Allerdings nur, weil die Stimmung so gut ist und die deutschen Rennfahrer wissen, dass Berthold tatsächlich ganz neue Kräfte in ihnen freigesetzt hat. In St. Moritz ist eine neue Leichtigkeit zu erleben. Berthold und Felix Neureuther haben beispielsweise eine Wette laufen, die zwischen beiden für viel Heiterkeit sorgt, deren Inhalt sie aber noch geheim halten.

Klassensprecher Neureuther

Der Star ohne Allüren. Felix Neureuther ist seit Jahren der bekannteste und erfolgreichste deutsche Alpine. Und er ist so etwas wie der Klassensprecher im Team. Immer locker, nie um eine Antwort verlegen — und inzwischen so routiniert, dass er bei dieser WM zum Medaillenlieferanten werden könnte, obwohl es im Weltcup zuletzt nicht so gut lief. „Ich starte bei meiner vielleicht letzten WM, die probiere ich zu genießen.“ Dienstag beim Team-Wettbewerb ist dazu die erste Gelegenheit.