Norderstedt. Der Norderstedter Emil Larsen Reicherz (16) hat in relativ kurzer Zeit schon 58 Fußballspiele geleitet – auch bei den Erwachsenen

Wenn Emil Larsen Reicherz am Sonnabend um 12 Uhr auf dem Kunstrasenplatz am Volksparkstadion das Freundschaftsspiel der B-Junioren des Hamburger SV gegen den dänischen Club HB Koge anpfeift, ist das schon etwas Besonderes. Denn der 16-Jährige besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft und hat nicht nur den deutschen, sondern auch einen dänischen Pass. „Dass ich in diesem Match pfeifen darf, freut mich natürlich sehr“, sagt der junge Garstedter.

Dass er ein Fußballspiel des Bundesliga-Nachwuchses begleitet, ist für ihn ansonsten aber völlig normal. Am Mittwoch war er bereits als Schiedsrichterassistent beim Freundschaftskick der HSV-Talente gegen den Eimsbütteler TV im Einsatz. Mit 15 Jahren entschied sich der Teenager, die Pfeife in den Mund zu nehmen und sich zum Referee ausbilden zu lassen. „Das war eigentlich eher Zufall. Meine Kumpels und ich haben häufig darüber gesprochen, dass wir Lust hätten, an einem Lehrgang teilzunehmen. Dann haben sich meine Freunde angemeldet und ich mich dann auch“, sagt Larsen Reicherz, der letztes Jahr den mittleren Abschluss an der Gemeinschaftsschule Harksheide machte und zurzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Geschäftsstelle von Eintracht Norderstedt absolviert.

Fußball war schon immer seine Leidenschaft, momentan spielt Larsen Reicherz bei TuRa Harksheide in der 2. B-Jugend. Doch die aktive Laufbahn als Kicker ist nicht das, was ihn reizt. „Ich finde die Schiedsrichtertätigkeit sehr anspruchsvoll. Sie bringt mir persönlich eine Menge und hilft mir weiter, auch im Hinblick auf meinen Wunschberuf. Ich würde gerne eine Ausbildung bei der Polizei machen“, sagt er. Die Bewerbung für eine Laufbahn im Mittleren Dienst läuft bereits, eine Antwort steht noch aus.

Zielstrebig ist Reicherz auch in Sachen Schiedsrichterei. Das Match am Sonnabend ist bereits sein 59. Einsatz seit Oktober 2015. Das erste Spiel war ein D-Juniorenkick – seitdem ist der Youngster ständig aufgestiegen. Im Juni 2016 stand das erste Freundschaftsspiel in der Herrenklasse an. Emil will aber noch weiter und sagt: „In der Oberliga zu pfeifen, wäre schon cool.“

Dass er überhaupt schon bei den älteren Kickern pfeifen darf, ist keine Selbstverständlichkeit. „Normalerweise werden in der Erwachsenen-Klasse Unparteiische eingesetzt, die mindestens 18 Jahre alt sind. Wenn jemand aber besonders talentiert ist und von seinem Schiedsrichterobmann empfohlen wurde, dann gibt es Ausnahmen“, sagt Carsten Byernetzki, Pressesprecher des Hamburg Fußballverbandes und selbst früherer Zweitliga-Schiedsrichter. Dass sich der eine oder andere Kicker oder auch Zuschauer mal im Ton vergreift, hat auch der Jung-Schiedsrichter schon erlebt. Persönlich nimmt er die Entgleisungen nicht. „Ich finde es gut, dass man am Anfang seiner Laufbahn in den unteren Spielklassen pfeifen muss. Da findet Fußball statt, wie man ihn kennt und wie er eben so ist.“

Anfangs wurde Larsen Reicherz von TuRa Harksheides Schiedsrichterobmann Harald Röglin betreut. „Die Nachwuchsschiedsrichter bekommen noch keine Benotung durch Beboachter, wie es ab der Herren-Kreisliga üblich ist. Dafür bekommen sie einen Paten zur Seite, der ihnen vor und nach dem Spiel und in der Pause ein paar Tipps gibt, was gut ist und was besser gemacht werden kann. Emil hat den Vorteil, dass er mit 1,90 Metern ziemlich groß ist und so eine gute Übersicht hat“, sagt Harald Röglin, der diese Saison für 21 Teams Referees melden musste. „Uns fehlen leider einige. Es wäre schön, wenn wir Nachwuchs bekämen, gerne auch Mädchen oder Frauen“, so Röglin.

Emil Larsen Reicherz ist das beste Beispiel dafür, dass die Tätigkeit als Unparteiischer viel Spaß macht und Engagement, Verantwortung sowie die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, optimal miteinander verbindet. Auch das Selbstbewusstsein wird gestärkt - eine kleine Aufwandsentschädigung gibt’s dabei obendrauf.