Australian Open

Angelique Kerber und ihre schwierige Mission Melbourne

Die Titelverteidiger Novak Djokovic aus Serbien und Angelique Kerber aus Kiel zeigen in Melbourne vor den Australian Open ihre Trophäen aus dem vergangenen Jahr

Die Titelverteidiger Novak Djokovic aus Serbien und Angelique Kerber aus Kiel zeigen in Melbourne vor den Australian Open ihre Trophäen aus dem vergangenen Jahr

Foto: Mark Baker / dpa

Nummer eins der Welt, Nummer eins der Setzliste: Kann Angelique Kerber bei den Australian Open dem Druck standhalten?

Melbourne. Sie twitterte ihren großen Wunsch für die kommenden Wochen: "Lieber Pokal der Australian Open, ich möchte dich so gerne wieder gewinnen." Und dazu schickte Deutschlands Tennis-Queen Angelique Kerber ein schickes Foto. Aber das soll nicht alles sein für die in Melbourne erstmals an Nummer eins gesetzte Kielerin. Sie will 2017 auch in Wimbledon gewinnen. Die Australier, das ist klar in diesen Tagen in Melbourne, lieben sie fast schon so wie einst Steffi Graf, mit der die Aussies bei ihren Hitzeduellen so sehr mitfieberten. Doch kann Kerber wirklich diese grandiose Form aus 2016 in das neue Grand-Slam-Jahr herüberretten?

Mit einem strahlenden Lächeln und der riesigen Siegertrophäe in den Händen lief die Nummer eins der Welt über die neu gebaute Tanderrum Bridge im Melbourne Park und wurde vor der Margaret-Court-Arena von den Fans beklatscht. "Es ist schon etwas Spezielles, hier als Titelverteidigerin zurückzukommen. An den Ort, an dem alles begann", sagte Kerber, die am Freitag neben Novak Djokovic (Serbien) der Stargast bei der Auslosung für die 105. Australian Open war.

Angelique Kerber bei Twitter

Sommerregen in Melbourne: Kerber trainiert unterm Dach

Die beiden letztjährigen Sieger brachten die Pokale zu der Zeremonie. Und die Kielerin ließ ungeachtet ihres unbefriedigenden Saisonstarts mit zwei Niederlagen in drei Matches keinen Zweifel an ihrem Ziel an diesem für sie so magischen Platz. "Ich bin hier, um gutes Tennis zu spielen. So wie 2016, als ich zwei wundervolle Wochen erleben durfte", meinte Kerber, die in der ersten Runde am Montag auf Lesia Zurenko (WTA-Nr. 61) trifft. Die angeschlagene Ukrainerin musste ihr Halbfinale am Freitag in Hobart wegen einer fiebrigen Erkältung absagen.

Dem Zufall will "Angie" bei ihrem ersten Grand Slam als Topgesetzte nichts überlassen. Ihr schwarzes Spitzenkleid mit dem feschem weißen Kragen hatte sie schon unmittelbar nach der Auslosung gegen ihr Sport-Outfit getauscht. Die Pflicht rief: Auf dem Centre Court in der Rod-Laver-Arena absolvierte Kerber am Mittag zusammen mit ihrer Fed-Cup-Kollegin Julia Görges ein anderthalbstündiges Schlagtraining. Wegen des Sommerregens unter geschlossenem Dach.

Angelique Kerber als Werbestar

Es ging drei Tage vor dem Start darum, Selbstvertrauen zu sammeln nach dem frühen Ausscheiden in Brisbane und Sydney. "Ich muss versuchen, das zu vergessen und diese positive Melbourne-Energie von letztem Jahr zurückzubekommen", sagte Kerber. Seit kurzem fungiert sie auch als Markenbotschafterin eines australischen Herstellers von gesundheitsbewusster Nahrung. Auf den Turnier-Plakaten und in Spots ist Kerber zwölf Monate nach ihrer Sternstunde allgegenwärtig.

Chris Evert und John McEnroe streiten über Kerber

Und die bodenständige Kielerin hat eine Reihe namhafter Fans. Zum Beispiel Chris Evert, die die Kritik von John McEnroe an der Weltranglistenersten konterte. "Angie ist zu Recht die Nummer eins der Welt. Sie hat es sich mit zwei Grand-Slam-Siegen 2016 verdient. Darüber gibt es keine Diskussion", sagte Evert dem US-Tennis-Magazin und fügte hinzu: "Und Angie hat das Zeug dazu, dort auch zu bleiben." McEnroe sieht die Australian-Open- und US-Open-Siegerin dagegen nur kurze Zeit an der Spitze des WTA-Rankings.

Kerber wird sich in diesen Tagen auch an ihren abgewehrten Matchball gegen die Japanerin Misaki Doi erinnern, der bei den Australian Open 2016 der Auftakt für ihren märchenhaften Siegeszug war. "Diesen Punkt habe ich mir schon einige Male angeschaut. Es war der Moment, der für mich der Wendepunkt in der vergangenen Saison war", sagte Kerber dem sid.

Rafael Nadal gegen Florian Mayer

Hammer-Gegner warten im Melbourne Park auf Florian Mayer und Dustin Brown. Mayer bekommt es mit Rafael Nadal (Spanien/Nr. 9) zu tun, Brown trifft auf Wimbledon-Finalist Milos Raonic (Kanada/Nr. 3).

Nach dem Qualifikations-Aus von Tobias Kamke und Matthias Bachinger bleibt es bei sieben deutschen Tennis-Herren im Hauptfeld der Australian Open. Ex-Davis-Cup-Spieler Kamke aus Lübeck verlor am Freitag in Melbourne in der zweiten Runde der Qualifikation 2:6, 4:6 gegen den Australier Blake Mott, danach scheiterte auch Bachinger beim 4:6, 6:7 (5:7) gegen Alex Bolt an einem australischen Spieler. Bei den Damen verabschiedete sich Tatjana Maria schon vor der letzten Qualifikationsrunde mit 2:6, 5:7 gegen die Russin Anatassija Komardina.