Hamburg

„Es gibt nicht den Ansatz eines Chaos“

Clubchef Bruchhagen spricht erstmals vor den Mitgliedern. Details zum Kühne-Deal

Hamburg. Als Präsident Jens Meier am Sonntag um 15.52 Uhr die ordentliche Mitgliederversammlung des HSV e. V. beendete, saß Heribert Bruchhagen noch immer auf seinem Stuhl in der ersten Reihe. Der neue Clubchef hatte die sechsstündige Veranstaltung von Anfang an verfolgt. Drei Wochen nach seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden der HSV Fußball AG sprach Bruchhagen am Sonntag in der Hamburger Volksbank-Arena erstmals zu den Mitgliedern. „Wir wollen ein HSV sein“, sagte der 68-Jährige in seiner Rede.

Bruchhagen nutzte die Gelegenheit, um seine Wertschätzung für die Vereinsbasis zu demonstrieren. Gleichzeitig machte er deutlich, wie schlecht es um die sportliche und finanzielle Lage des Bundesligisten bestellt ist. „Wir sind in einer prekären Situation“, sagte Bruchhagen. „Der Kampf um den Klassenerhalt wird bis zum Schluss intensiv. Wir müssen auf alles eingestellt sein – auch auf die Eventualitäten des Worst Case.“ Der drohende Abstieg und die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen seien eine große Herausforderung. Der öffentlichen Darstellung eines Chaos-Clubs widersprach Bruchhagen allerdings vehement. „Es gibt nicht den Ansatz eines Chaos beim HSV. Dieser Club funktioniert großartig.“

Bruchhagen bedankte sich bei seinem Vorgänger Dietmar Beiersdorfer für die professionelle Übergabe. Zudem hob er die Wichtigkeit von Investor Klaus-Michael Kühne hervor. Über die Abhängigkeit des Clubs von seinem Geldgeber hatte sich Bruchhagen in der Vergangenheit mehrfach kritisch geäußert. Nun sagte er: „Herr Kühne hat eine herausragende Stellung im HSV.“

Wie wichtig Kühne insbesondere seit der Ausgliederung 2014 für die HSV AG gewesen ist, hatte Finanzvorstand Wettstein zuvor in seinem Bericht zum Jahresabschluss der HSV AG verdeutlicht. „Wir haben dank Herrn Kühne einiges bereinigt und konnten die AG einigermaßen auf Kurs halten. Das war eine Operation am offenen Herzen“, sagte Wettstein, der die Diskrepanz zwischen den Investitionen in den Profikader und dem sportlichen Ertrag in den Griff kriegen will. „Dieses Missverhältnis ist ein Dilemma und kostet den HSV pro Saison rund zehn Millionen Euro.“

Wettstein hatte im Juni mit Kühne eine Vereinbarung über Transferinvestitionen getroffen. 38 Millionen Euro konnte der HSV im Sommer durch das erfolgsabhängige Darlehen in den Kader investieren. Der Club muss das Geld nur dann zurückzahlen, sollte er sich innerhalb der nächsten sechs Jahre für den internationalen Wettbewerb qualifizieren. Wie am Sonntag bekannt wurde, gilt die Vereinbarung sogar nur dann, wenn der HSV innerhalb dieser Zeit dreimal europäisch spielt. Angesichts der sportlichen Situation ist es unwahrscheinlich, dass der Club das Geld an Kühne jemals zurückzahlt.