Sport

Antrittsbesuch in der Hockey-Hochburg Hamburg

Bundestrainer Stefan Kermas setzt weiter auf Hamburger Spieler

Bundestrainer Stefan Kermas setzt weiter auf Hamburger Spieler

Foto: ValeriaWitters / WITTERS

Der neue Herren-Bundestrainer Stefan Kermas stellt sich in Hamburg vor. Nationalspieler Tobias Hauke bittet um ein halbes Jahr Auszeit.

Hamburg.  Hockey. Klar. Eine Hochburg. Weiß ja jeder. Dass der neue Bundestrainer quasi seinen Antrittsbesuch in der Hansestadt macht, ist dennoch nicht selbstverständlich. Unterstreicht aber die Wertschätzung für die Hamburger Bundesligaclubs und deren Übungsleiter. „Alles klare Trainer, die wissen, worauf es ankommt“, sagte Stefan Kermas nach dem Treffen am Dienstag mit Christoph Bechmann (HTHC) und Russell Garcia (Club an der Alster).

Offiziell seit dem 1. Januar ist der 37-Jährige in Amt und Würden. Nachfolger von Interimstrainer Valentin Altenburg, Nach-Nachfolger von „Goldschmied“ Markus Weise. Eine große Aufgabe, schließlich wird nicht weniger verlangt, als die deutschen Männer in der absoluten Weltspitze zu halten. Davon hängt die Finanzierung des Leistungssports im Deutschen Hockey-Bund (DHB) wesentlich ab. „Wir müssen kurzfristige Erfolge erzielen und mittelfristig unsere vorhandene Qualität weiterentwickeln und ausbauen“, hat sich Kermas zur Aufgabe gesetzt.

Kermas gilt als Weises Kronprinz

Der Volljurist – in Berlin geboren, in München zu Hause, Single – galt schon lange als Kronprinz von Weise, dessen Assistent er bei den Olympiasiegen 2008 und 2012 war. Schon mit Anfang 20 fiel er in Berlin als Trainer auf, als Chefcoach wurde er mit Rot-Weiss Köln zweimal Meister. Dennoch war er zuletzt Geschäftsführer einer Gewinn-Versicherungsagentur in München und „nebenbei“ Sportdirektor und Herrencoach beim Münchner SC. „Es war nie mein bewusstes Ziel, hauptberuflich Trainer zu werden, der bei Wind und Wetter täglich mit einer Mannschaft auf dem Platz steht. Ich habe Freude am Präsentieren, am Konzepte-Entwerfen, Teams zu führen und Leistung zu entwickeln“, sprudelt es aus Kermas heraus. Da hat jemand richtig Bock auf den neuen Job: „Bundestrainer ist nur noch zu 30 Prozent Trainerarbeit mit dem Team auf dem Platz. Der Rest erstreckt sich auf Organisation und Optimierung am System Mannschaft. Ich denke, dieser Mix liegt mir und passt gut gerade.“

An diesem Mittwoch setzt er seinen Hamburg-Arbeitsausflug mit einem Treffen mit Altenburg fort, der sich künftig als Bundestrainer wieder um den U-21-Nachwuchs kümmert. Als „Systemlösung“ hatte der DHB seine Entscheidung bezeichnet. Bitte? „Es geht um die gesamte männliche Linie, da soll es viel und intensiven Austausch geben“, erklärt Kermas. Und wenn man will, kann man da raushören, dass dies in der Vergangenheit nicht immer so war. Das würde Kermas aber nicht sagen. Stattdessen betont er das gute Verhältnis zu Altenburg: „Wir kennen uns schon lange. Wir wollen einen vergrößerten Kreis von Spielern betrachten. Die Übergänge sollen fließend sein, die Spielphilosophien bestenfalls gleich.“

Alle Hamburger Nationalspieler eingeladen

30 Einladungen an Spieler für die erste Leistungsdiagnostik vom 16. bis 18. Januar in Frankfurt sind raus. Vom 25. Februar bis 10. März steht der erste Lehrgang in Kapstadt an, zu dem Kermas 28 Spieler einladen will. Dann wird es ernst mit dem Kader für die kommenden Aufgaben, die EM im August in Amstelveen und zuvor (8.–23. Juli) die World League in Johannesburg, wo es um die Qualifikation für die WM im Dezember 2018 in Indien geht.

Die Einladung haben auch alle Hamburger Nationalspieler erhalten. Nur Moritz Fürste (32) hat seinen Abschied aus der Nationalmannschaft erklärt. Andere „Veteranen“ wie Torwart Nicolas Jacobi und Jan Philipp Rabente (beide UHC) wollen weitermachen. Auch Tobias Hauke (alle 29) vom HTHC plant bis Ende 2018 – wenn es denn geht. „Er hat um ein halbes Jahr Pause gebeten“, sagt Kermas, „man muss mal abwarten, wie es dann mit seiner beruflichen Belastung wird.“ Hauke ist seit zwei Monaten als Teammanager bei den Bundesligafußballern des HSV gefordert. „Tobi ist ein Topspieler, ich bin da sehr entspannt“, sagt Kermas. Einen Freibrief aber gibt es nicht: „Die erfahrenen Spieler müssen die gleiche Leistung bringen wie die jüngeren. Es geht nicht um alt oder jung, sondern um bessere und weniger gute Qualität.“