DFB

Löw lässt sich zu Prognose für die Zeit nach 2020 hinreißen

Bundestrainer Joachim Löw am Montag bei der Pressekonferenz zu seiner Vertragsverlängerung

Bundestrainer Joachim Löw am Montag bei der Pressekonferenz zu seiner Vertragsverlängerung

Foto: Witters

Der Bundestrainer verlängert seinen Vertrag und macht Grindel stolz. Der DFB-Präsident plant bereits die nächsten Personalien.

Frankfurt/Main. Joachim Löws schwarzer Rollkragenpullover unter grauem Sakko sah nicht unbedingt nach guten Nachrichten aus. Doch als DFB-Präsident Reinhard Grindel am Montag zur großen Lobeshymne auf den Bundestrainer ansetzte, konnte sich auch der 56-Jährige ein Lächeln nicht mehr verkneifen. "Es ist ein guter Tag für den Deutschen Fußball-Bund", sagte Grindel stolz - denn der Weltmeister-Macher bleibt an Bord.

Knapp vier Monate nach dem bitteren Halbfinal-Aus bei der EM in Frankreich hat Löw seinen Vertrag vorzeitig bis 2020 verlängert, er sitzt damit auch während der historischen Europameisterschaft in vier Jahren in 13 Ländern auf der Bank. "Kopf und Herz haben gemeinsam 'Ja' gesagt", berichtete der Bundestrainer um kurz nach halb Eins in der DFB-Zentrale im Frankfurter Stadtwald: "Ich fühle die gleiche Motivation wie zu Beginn meiner Amtszeit."

Grindel will die WM und EM

Für Grindel, der den Löw-Coup noch vor dem DFB-Bundestag am 3. und 4. November in Erfurt unter Dach und Fach brachte, ist "Joachim Löw der beste Trainer, den wir uns für die Nationalmannschaft vorstellen können". Und beide haben große Ziele. "Wir wollen den WM-Titel in Russland verteidigen und 2020, nachdem wir in Frankreich so nah dran waren, versuchen, Europameister zu werden", sagte der DFB-Präsident.

Löw wird 2020 mit dann 14 Jahren Amtszeit zu Helmut Schön (1964 bis 1978) aufschließen. Nur der legendäre Sepp Herberger (1936-1964) war länger im Amt. "Ich kann bei Joachim Löw keinerlei Abnutzungserscheinungen feststellen - im Gegenteil", äußerte Grindel, der mit Löws Unterschrift auch ständigen Nachfragen nach der Zukunft des Bundestrainers aus dem Weg gehen wollte.

Löw verlängert beim DFB bis 2020

Löw weicht Fragen nach Abschied aus

Ob der Schwarzwälder aber tatsächlich auch im Falle eines (frühen) Scheiterns in knapp zwei Jahren bleiben will, ist offen. Schon nach dem Aus im EM-Halbfinale 2012 gegen Italien (0:2) hatte Löw lange gezweifelt. Am Montag wich er diesen Fragen aus. "Wir sind professionell genug, offen miteinander reden zu können, wenn es mal nicht so läuft", sagte Löw: "Wenn irgendwas schiefgeht, können wir darüber reden."

In der WM-Qualifikation wird das nicht passieren. "Wir werden die Qualifikation schaffen, davon können sie ausgehen", sagte Löw, der in Russland "das Gefühl und Erfolgserlebnis" der WM 2014 in Brasilien wiederholen will: "Es macht mir einen enorm großen Spaß, mit diesem Team zu arbeiten."

Deshalb sei auch der Zeitpunkt der Vertragsverlängerung der richtige gewesen. "Wir haben Visionen und Dinge, die wir angehen wollen. Der Zeitpunkt war einfach gut", sagte Löw: "Manche werden fragen: 'Warum jetzt?' Ich sage: 'Warum nicht jetzt?'"

Grindel betonte, dass so "überflüssige Diskussionen" vermieden werden, und dass "im Umfeld der Nationalmannschaft Vertrauen und Planungssicherheit herrschen muss". Die Erfahrung habe gezeigt, "dass es nicht gut ist, ohne vertragliche Grundlage, Perspektive und ein Bekenntnis zum Trainer in ein WM-Turnier zu gehen", sagte Grindel.

Auch Köpke und Schneider sollen verlängern

Die Verträge von Teammanager Oliver Bierhoff und Löw-Assistent Marcus Sorg laufen bereits bist 2020, Torwarttrainer Andreas Köpke und Co-Trainer Thomas Schneider sollen ebenfalls in Kürze verlängern. Löws Vertrag sei ein "in Buchstaben gegossener Vertrauensbeweis", sagte Grindel.

Was danach kommt, ließ Löw offen. "Das ist ein bisschen weit voraus geschaut", sagte der Bundestrainer, der immer mal wieder von europäischen Spitzenklubs umworben wird: "Meine Entscheidung ist klar in Richtung DFB gegangen, weil die großen Turniere für mich das absolute Highlight sind. Sie sind etwas Einmaliges, etwas Besonderes." Es sei aber "nicht unvorstellbar", dass er "irgendwann" noch einmal als Vereinstrainer arbeitet, sagte Löw.