Hamburg

Ein deutscher Meister, der im Trubel untergeht

Konzept des Alsterlaufs findet nicht nur Zustimmung. Vier Einheimische können jubeln

Hamburg.  Florian Orth weiß eigentlich, wie sich deutsche Meisterschaften anfühlen. Zehn Titel hat der Regensburger auf der Mittelstrecke bereits gewonnen, dazu vier in der Halle. Am Sonntag nun triumphierte er erstmals auf der Langstrecke, aber er hatte es sich ganz anders ausgemalt: „Ich hätte schon erwartet, dass da zumindest ein Zielband aufgespannt wird.“ Schließlich hätte er schon optisch auffallen müssen, als er nach 28:58 Minuten als Achter den Zielstrich des 27. Barmer-GEK-Alsterlaufs am Ballindamm überquerte: Schneller waren nur sechs Kenianer und ein Äthiopier gewesen.

So aber ging Orths Triumph unter. Selbst den Namen erfuhren die Zuschauer erst lange nach dem Zieleinlauf. Die Skeptiker beim Deutschen und beim Hamburger Leichtathletik-Verband konnten sich bestätigt sehen. Das Konzept, die DM-Entscheidungen in einen großen Stadtlauf zu integrieren, ging zwar weitgehend auf. 726 Läuferinnen und Läufer hatten für die Titelkämpfe gemeldet, doppelt so viel wie für diesen Wettbewerb üblich, und die Teilnehmerzahl so auf 5492 hochgeschraubt. Auch Orth, bei Olympia in Rio 21. über 5000 Meter, hat „die Stadt gereizt und dass es in einen großen Citylauf integriert ist“.

Auf seine 25 afrikanischen Eliteläufer allerdings hatte Veranstalter Karsten Schölermann nicht verzichten wollen – und sah sich hernach durch die Streckenrekorde von Kalipus Lomwai (28:14) und Antonina Kwambai (31:52) aus Kenia bestätigt: „Diese Zeiten lassen mein Leistungssportlerherz höher schlagen. Ohne das Elitefeld wäre der Lauf langsamer.“ Harald Rösch, der Vorsitzende des DLV-Bundesausschusses Laufen, zeigte sich ebenfalls „sehr zufrieden“.

Er konnte bei der Siegerehrung auch vier Einheimischen gratulieren. Jana Sussmann vom Laufteam Haspa Marathon wurde in 34:20 Minuten Hamburger Meisterin und DM-Dritte hinter Melat Yisak Kejeta (Kassel/33:16) und Melina Tränkle (Karlsruhe/34:10). Zusammen mit ihren Vereinskolleginnen Agata Strausa (34:51) und Mona Stockhecke (35:00) sicherte sie sich zudem die deutsche Mannschaftsmeisterschaft.

Ebenfalls zwei Titel heimste Mourad Bekakcha ein. 31:35 Minuten reichten für den 37-Jährigen vom HSV zur siebten Hamburger Meisterschaft und zum ersten DM-Platz in seiner Altersklasse M35. Es war sein vorerst letzter Auftritt beim Alsterlauf im HSV-Trikot. In der kommenden Saison wechselt Bekakcha zum neuen Verein Hamburg Running.