Hamburg

„Das tut schon richtig weh“

Buxtehuder SV beklagt vor Start der Handball-Bundesliga zwei Schwerverletzte

Hamburg.  Irgendwann im Jahr 2009 hat Peter Prior angefangen, die Kreuzbandrisse in seiner ersten Handballmannschaft zu dokumentieren: Wann ist die Verletzung passiert? Wo? Und wie genau, mit Fremdeinwirkung oder ohne? „Ich hatte damals das Gefühl, dass wir zu oft davon betroffen sind“, sagt der Manager des Buxtehuder SV, „und ich wollte wissen, ob es da vielleicht einen Zusammenhang gibt.“ 14 Einträge hat Prior seither vornehmen müssen, durchschnittlich hat somit zwei Spielerinnen pro Saison die schwere Knieverletzung ereilt.

Allein in den vergangenen drei Wochen sind zwei Fälle dazugekommen. Erst traf es Linksaußen Lena Zelmel beim Trainingslager in Dänemark. Die 23-Jährige hatte sich gerade von einem im November erlittenen Kreuzbandriss erholt. Ob sie nach der dritten Verletzung dieser Art ihre Karriere überhaupt fortsetzen kann und will, ist fraglich. Am vergangenen Sonnabend dann erwischte es Neuzugang Yara Nijboer (23), als sie bei einem Vorbereitungsspiel in Blomberg einen Schlag aufs Knie bekam.

Zwei Schwerverletzte schon vor dem Saisonanwurf am Sonnabend (16 Uhr, Halle Nord) gegen den VfL Oldenburg – „das tut schon richtig weh“, sagt Prior. Präzedenzfälle finden sich selbst in seinem Schreckensordner nicht. Eine Kausalkette kann der Manager auch nicht ausmachen: „Es waren unterschiedliche Situationen in unterschiedlichen Hallen. Wir hinterfragen wirklich alles und tun in Abstimmung mit Medizinern und Physiotherapeuten im Training viel zur Prävention. Letztlich müssen wir anerkennen, dass Frauen gefährdeter sind als Männer.“

Als Ersatz für Zelmel wurde kurzfristig die niederländische Nationalspielerin Michelle Goos (26) nachverpflichtet. Den Ausfall von Nijboer im rechten Rückraum muss die Mannschaft wohl mit vereinten Kräften kompensieren. Was den Umbruch noch ein bisschen erschwert. Von den Spielerinnen, die vor einem Jahr in der Sporthalle Hamburg den DHB-Pokal hochstemmten, stehen Trainer Dirk Leun aktuell nur noch sieben zur Verfügung, langjährige Leistungsträgerinnen wie Randy Bülau, Jana Podpolinski und Isabell Klein dagegen nicht mehr.

Prior glaubt trotzdem, dass die Mannschaft gut genug ist, sich in der Tabelle knapp hinter den Titelanwärtern Leipzig, Thüringen, Metzingen und Bietigheim einzureihen. So ein Umbruch könne im Übrigen auch ein Gutes haben, auch dafür finden sich in Priors Aufzeichnungen Belege. 2000 etwa legte der BSV mit einem neuen Rückraum einen 16:0-Punkte-Start hin. Prior: „Damals haben wir alle überrascht, weil uns keiner kannte.“