Vor Wozniacki-Duell

Angelique Kerber mutiert jetzt sogar zur Trainerkillerin

Angelique Kerber hat sich auch in New York ihren Biss bewahrt

Angelique Kerber hat sich auch in New York ihren Biss bewahrt

Foto: Imago/Xinhua

Besiegte Gegnerin bei den US Open feuert ihren Coach. Der Showdown um die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste rückt näher.

New York/Hamburg. Dass die Wahrscheinlich für Angelique Kerber immer größer wird, nach den US Open als erste Deutsche seit Steffi Graf die Weltrangliste der Tennis-Damen als Nummer eins anzuführen, verdeutlichen auch die jüngsten Angebote der Buchmacher.

Beim Hamburger Portal mybet.com etwa gibt es für diesen Fall das 2.40-Fache des Einsatzes zurück - ein vergleichsweise geringer Gewinn. Voraussetzung für die Top-Platzierung: Kerber siegt in New York oder die momentane Nummer eins Serena Williams erreicht das Finale ist.

Während sich letzteres in der Nacht zu Donnerstag deutscher Zeit in Williams Halbfinal-Duell gegen Simona Halep klären wird, hat Kerber selbst noch ein wenig mehr Zeit zur Vorbereitung auf ihr nächstes Match.

Für dieses steht nun auch die Gegnerin fest: Am Donnerstag (Ortszeit/Freitag ab 1.00 Uhr MESZ) spielt die Kielerin gegen die zweimalige Finalistin Caroline Wozniacki, die gegen die angeschlagene Anastasija Sevastova (Lettland) 6:0, 6:2 gewann.

Die Vorzeichen stehen gut, denn im direkten Vergleich mit der Dänin führt die Kerber mit 7:5 Siegen. Bei den US Open steht Kerber zum zweiten Mal nach 2011 im Halbfinale.

Kvitova reagiert mit Trainer-Trennung

Auf den Weg dorthin hatte die 28-Jährige auch Petra Kvitova aus dem Weg geräumt. Und die zweimalige Wimbledonsiegerin aus Tschechien reagierte jetzt auf ihr Achtelfinal-Aus gegen Kerber.

Nach ihrer Rückkehr in der Heimat gab Kvitova am Mittwoch das Ende der Zusammenarbeit mit ihrem Trainer Frantisek Cermak bekannt. Für Kvitova ist es schon der zweite Trainerwechsel in diesem Jahr.

Mit Doppelspezialist Cermak hatte sie erst seit April zusammengearbeitet. Im Januar hatte die Olympia-Dritte von Rio die siebenjährige Zusammenarbeit mit Trainer David Kotyza beendet. Einen Nachfolger für Cermak habe sie noch nicht.

Kerber ist noch ohne Satzverlust

Gegen Kerber hatte die Weltranglisten-16. mit 3:6, 5:7 den Kürzeren gezogen und der Deutschen damit wie die anderen Gegnerinnen keinen einzigen Satz abknüpfen können.

Nach dem 7:5, 6:0 gegen Vorjahresfinalistin Roberta Vinci (Italien/Nr. 7) hat Kerber nun also die Chance auf ihr drittes Grand-Slam-Finale der Saison.

Bei den Australian Open in Melbourne hatte Kerber im Endspiel gegen Serena Williams ihren ersten Majortitel gewonnen, in Wimbledon unterlag sie der Branchenführerin aus den USA.

Kerber steigt ins Eisbad

Auch auf das Halbfinale gegen Wozniacki bereitet sich Kerber mit einem Eisbad vor. "Zehn Minuten bei neun Grad. Das ist so kalt. Aber danach fühlt man sich richtig gut", sagt die Kielerin. Schon beim Zuhören fröstelt es.

Wozniacki kommt dagegen jeden Abend zurück in ihr warmes Apartement am Union Square in Midtown Manhattan. Mutter Anna hat gekocht, die Dänin kann es sich auf der Couch gemütlich machen und den Blick über die Stadt genießen.

Kerber und Wozniacki kennen sich gut, beide mögen sich, nicht nur wegen ihrer gemeinsamen polnischen Wurzeln. Beide waren auch schon zusammen im Urlaub. Doch vor dem nächsten Duell gibt es völlig unterschiedliche Vorzeichen.

Beispielloser Absturz von Wozniacki

Während Kerber in dieser Saison kaum aufzuhalten ist, hat die frühere Branchenführerin Wozniacki einen beispiellosen Absturz hinter sich. Im vergangenen Jahr war sie bei den US Open noch an Position vier gesetzt, nach einigen Verletzungen ist sie heute die Nummer 74 der Welt.

"Das bedeutet mir nicht so viel", sagt Wozniacki: "Ich fühle mich noch immer wie eine der Top-Spielerinnen und ich arbeite an meinem Weg zurück."

Die 26-Jährige kennt die Rangliste von unten und oben, sie weiß, wie dünn die Luft an der Spitze ist, zwei Jahre lang stand sie dort und wurde stets dafür kritisiert, nicht einen großen Titel gewonnen zu haben.

Wozniacki fühlt sich wie eine New Yorkerin

2009 und 2014 waren ihre besten Jahre auf der Tour, zweimal verlor sie im Big Apple erst im Endspiel. "Ich fühle mich wie eine richtige New Yorkerin", sagt sie.

2011 war Wozniacki als Nummer eins in das letzte Grand-Slam-Turnier der Saison gestartet, im Halbfinale unterlag sie ihrer guten Freundin Serena Williams und reiste enttäuscht ab.

Damals war Kerber die Nummer 90, erreichte ebenfalls die Vorschlussrunde und startete durch. "Das war der Wendepunkt meiner Karriere", erzählte die Weltranglistenzweite nach dem Viertelfinale gegen Vinci, ihrem fünften Zweisatzsieg nacheinander.

Wozniacki durch Liebes-Aus gereift

Vor fünf Jahren war Kerber 23 Jahre alt, Wozniacki 21, seitdem ist viel passiert, für Kerber ging es stetig hinauf, für Wozniacki bergab, bergauf und wieder bergab im Ranking. Beide sind auch neben dem Court gereift, Kerber vor allem durch sportliche Rückschläge, Wozniacki durch private.

Nachdem sie kurz vor der geplanten Hochzeit von Golfstar Rory McIlroy verlassen wurde, lief sie sich ihre Trauer in aller Öffentlichkeit beim New York Marathon mit einer mehr als passablen Zeit von der Seele.

Kerber erinnert sich an "lange Matches"

Im Halbfinale am Donnerstagabend im Stadtteil Queens vor den Toren der Metropole treffen sich Kerber und Wozniacki wieder - trotz der großen Distanz in der Weltrangliste auf Augenhöhe.

"Ich weiß, dass sie immer eine harte Gegnerin ist", sagt Kerber: "Ich erinnere mich an lange Matches, lange Ballwechsel. Ich freue mich auf diese Herausforderung."

Und danach auf ein erfrischendes Eisbad, während Wozniacki zurück in ihre Stadtwohnung auf der anderen Seite des East River fahren wird.