Hamburg

Schuldenfrei in eine gesicherte Zukunft

Bei Dynamo Dresden ist die Euphorie vor dem Spiel gegen den FC St. Pauli groß. Der Traditionsclub will in der Zweiten Liga Fuß fassen

Hamburg. Nein, von Dresden und der besonderen Atmosphäre im Stadion von Dynamo hat Fabrice-Jean „Fafa“ Picault noch nichts gehört. Der Stürmer des FC St. Pauli will vor dem Auswärtsspiel am Sonntag (13.30 Uhr) in der Elbstadt auch gar nicht erst in die Recherche gehen. „Ich mag Überraschungen“, scherzte der US-Amerikaner, der natürlich hofft, dass auf den Kiezclub, der mit zwei Niederlagen in die Zweite Liga gestartet ist, keine böse Überraschung beim Aufsteiger wartet.

Die Euphorie bei Dynamo Dresden ist riesig in diesen Tagen. Der 5:4-Sieg im DFB-Pokal gegen den großen Ost-Rivalen RB Leipzig war Balsam auf die geschundene Seele der Fans. Nach zwei Jahren in der Drittklassigkeit feiert Dynamo die Rückkehr in die Zweite Liga.

Da passt es ins Bild, dass der Club bekannt gab, dass Dynamo Dresden wieder schuldenfrei ist. Am Montag wurde die letzte Rate in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro an Michael Kölmel überwiesen. Damit habe der Verein seine Verbindlichkeiten beim Leipziger Medienunternehmer getilgt, hieß es in einer Pressemitteilung.

Alle Einnahmen aus der TV-Vermarktung verbleiben somit ab dem 1. Juli 2017 wieder vollständig bei Dynamo. Unter anderem wurden die Einnahmen aus zwei Sonderumlagen der Mitglieder sowie aus einem Freundschaftsspiel gegen den deutschen Rekord-meister FC Bayern München, das einen Erlös von rund 1,25 Millionen Euro brachte, zur Entschuldung des Vereins genutzt. Ein Meilenstein für Dynamo.

Somit ist die wirtschaftliche Basis gelegt. Sportlich ist die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus mit zwei Remis in die neue Saison gestartet. Dementsprechend groß ist der Respekt bei St. Pauli vor dem Spiel in Dresden. „Sie haben die Aufstiegseuphorie im Rücken und auch die Fans mit einer tollen Stimmung“, sagte St. Paulis Kapitän Sören Gonther, der beim letzten Sieg des Kiezclubs bei Dynamo der überragende Mann war.

Der 29-Jährige hatte am 23. Februar 2014 maßgeblichen Anteil am 2:1-Sieg. Neben Gonther stehen mit Jan-Philipp Kalla, Bernd Nehrig, Robin Himmelmann und Christopher Buchtmann vier weitere Profis aus der Mannschaft von damals im aktuellen Kader. „Der große Unterschied zu damals ist Trainer Neuhaus. Die Mannschaft hat eine klare Handschrift, ist taktisch sehr gut geschult und sie haben einen Plan, wie sie nach vorn spielen wollen“, sagte Gon­ther.

Für St. Pauli ist das Duell in Dresden ein Schlüsselspiel. Nach dem souveränen 3:0-Sieg im Pokal gegen Lübeck will die Mannschaft von Trainer Ewald Lienen die Wende in der Liga. „Wir haben gerade einen positiven Vibe in der Kabine und wollen diesen Schwung aus dem DFB-Pokal mitnehmen“, sagte Offensivspieler Picault: „Danach haben wir eine Länderspielpause, da wäre es gut, wenn wir diese mit einem Erfolgserlebnis beginnen würden. Gerade für den Kopf“, ergänzte Picault, der seine erste Reise nach Dresden gerne mit einem Tor krönen würde.