Lübeck

Endlich darf St. Pauli jubeln

Nach zwei Niederlagen in der Zweiten Liga gelang den Hamburgern ein 3:0-Sieg im DFB-Pokal in Lübeck

Lübeck. Die Erleichterung war den Spielern des FC St. Pauli nach dem Abpfiff bis auf die Ränge des Stadions an der Lohmühle anzumerken, Mit dem 3:0 (1:0) hatte die Mannschaft von Trainer Ewald Lienen das DFB-Pokal-Nordderby beim Regionalliga-Tabellenführer gewonnen und damit den kompletten Fehlstart in die neue Saison vermieden. Nach den Niederlagen in den ersten Zweitligaspielen beim VfB Stuttgart (1:2) und gegen Eintracht Braunschweig (0:2) war es das erste kleine Erfolgserlebnis in einem Pflichtspiel. Es gibt jedoch keinerlei Anlass, das Erreichen der zweiten DFB-Pokal-Hauptrunde ausgiebig zu genießen. Am Sonntag kommender Woche steht mit dem Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden die nächste heikle Aufgabe auf dem Plan. Und in der Zweiten Liga ist St. Pauli weiter Tabellenschlusslicht.

St. Paulis Trainer Ewald Lienen musste in Lübeck neben Innenverteidiger Lasse Sobiech (Muskelfaserriss im Beckenbereich) auch Außenverteidiger Daniel Buballa (muskuläre Probleme) ersetzen. Seine Position übernahm Jeremy Dudziak. Noch bedeutender aber war, dass auch Robin Himmelmann mit Problemen im Gesäßmuskel kurzfristig ausfiel. Für ihn rückte Philipp Heerwagen zwischen die Pfosten. Torwarttalent Svend Brodersen (19) nahm auf der Bank Platz. Immerhin konnte Philipp Ziereis nach überstandener Erkältung wieder als Innenverteidiger auflaufen. Und auch Stürmer Aziz Bouhaddouz, der beim 0:2 gegen Braunschweig eine Oberschenkelprellung erlitten hatte, konnte mitwirken. Zudem hielt Lienen mit dem Startelfeinsatz von Kyoungrok Choi und Christopher Avevor noch zwei Überraschungen parat.

Unmittelbar vor dem Anpfiff entzündeten eine Reihe von Fans im Lübecker Block bengalische Feuer, zudem flogen von dort einige Leuchtraketen in Richtung Spielfeld, erloschen aber, ehe sie auf dem Rasen landeten.

Nach dem erwartet mutigen Beginn des Außenseiters bekam St. Pauli das Spiel relativ schnell in den Griff. Dabei war zu erkennen, dass die Spieler von Anfang an bereit waren, den Kampf anzunehmen und sich nicht allein auf ihre spielerischen Vorteile verlassen wollten. Dabei trug die frühe Führung zweifellos zur Beruhigung bei. Nach einem Foul an Dudziak schoss Rechtsverteidiger Vegar Eggen Hedenstad den Freistoß aus rund 22 Metern zum 1:0 (16.) ins Tor. Für Lübecks Schlussmann Jonas Toball, der den Ball noch leicht berührte, aber nicht mehr abwehren konnte, war es in dieser Saison das erste Pflichtspiel-Gegentor.

Die St. Paulianer blieben gegen recht einfallslos agierende Lübecker weitgehend aufmerksam und spielbestimmend. Nur Dudziak überkam zwischenzeitlich der Leichtsinn, als ihm weit in der eigenen Hälfte ein fataler Fehlpass unterlief. Doch Marvin Thiel schloss den Gegenangriff völlig freistehend viel zu früh mit einem harmlosen Schuss ab. Ihr größtes Manko aber konnten die Kiezkicker nicht abstellen – die mangelnde Torgefahr. So gefällig sie zeitweise auch kombinierten, so wenig waren sie in der Lage, echte Torchancen zu kreieren.

Wie die Lübecker Fans zu Spielbeginn so brannten vor Beginn der zweiten Hälfte einige St.-Pauli-Fans bengalische Feuer ab. Zudem flog eine Leuchtkugel in Richtung eines vor dem Block stehenden Polizisten.

Die Situation eskalierte nach dem vorentscheiden zweiten Treffer des FC St. Pauli. Diesmal waren es wieder Zuschauer im Lübecker Block, die Pyrotechnik zündeten. Zudem blieben Leuchtkugeln brennend auf dem Rasen liegen, so dass Schiedsrichter Thomsen das Spiel mehrere Minuten unterbrechen musste. Das Tor zum 2:0 (61.) hatte per Kopf Sören Gonther nach einem Freistoß von Christopher Buchtmann erzielt. Den Schlusspunkt setzte der kurz zuvor eingewechselte Marvin Ducksch, der einen Konter mit einem Flachschluss zum 3:0 (89.) abschloss.

St. Pauli: Heerwagen - Hedenstad , Ziereis , Gonther , Dudziak - Avevor , Buchtmann - Sobota (81. Cenk Sahin), Choi - Picault (72. Miyaichi) , Bouhaddouz (88. Ducksch). SR: Thomsen (Kleve). Z.: 13.300.