Rio de Janeiro

Brasilien muss siegen – das 1:7 ist noch nicht verdaut

Auf Superstar Neymar ruhen die Hoffnungen und lastet die Verantwortung: Siegen ist Pflicht

Rio de Janeiro. Silber wäre nur ein weiterer Rückschlag für die Brasilianer. Zwei Jahre hat die stolze Fußballnation auf eine Revanche gegen Deutschland gewartet, fast zehn Jahre schon sehnt sie sich nach einem großen Titel. „Die Leute wollen Gold“, sagt Angreifer Gabriel Jesus. Und dass der Sieg im Olympiafinale gleichzeitig bedeuten würde, Deutschlands Hoffnungen zu zerstören, wäre zusätzlicher Balsam.

Wer wissen will, wie sehr das 1:7 bei der Heim-WM 2014 die Brasilianer noch immer schmerzt, muss nur in Rio de Janeiro auf die Straße gehen. Wird man als Deutscher erkannt, wird er in der Regel auf das 1:7 angesprochen. Die fußballerische Ehre der Brasilianer ist seit der Nacht in Belo Horizonte vor zwei Jahren schwer beschädigt. Helfen kann nur eines: der Sieg im Olympiafinale.

„Die Stimmung im Stadion wird besonders sein wegen dem, was bei der WM passiert ist“, sagt Torhüter Weverton. „Aber wir dürfen uns nicht davon ablenken lassen. Wir müssen an die Goldmedaille denken.“ Schon beim 6:0 im Halbfinale gegen Honduras war das Maracanã fast ausverkauft, die Stimmung aufgeladen. Der Druck auf die jungen Spieler von Trainer Rogerio Micale ist riesig. Wie sehr ein Heimspiel auch zum Nachteil werden kann, hat die Vorrunde gezeigt. Mit zwei torlosen Unentschieden gegen Südafrika und Irak war Brasilien gestartet, die Zuschauer hatten teilweise gepfiffen und gebuht.

Angelastet wurde das hauptsächlich Neymar (24). Der Kapitän redet seitdem nicht mehr öffentlich, dafür ist er auf dem Platz immer stärker geworden. Für ihn ist die Revanche gegen Deutschland aus einem weiteren Grund besonders. Der Angreifer des FC Barcelona hatte das WM-Halbfinale 2014 wegen einer Verletzung verpasst. „Er ist ein Monster“, sagt Micale über seinen wichtigsten Spieler. Umso beeindruckender ist aber die Ausgewogenheit der brasilianischen Offensive. Neymar, Gabriel Jesus und Luan haben alle bereits drei Treffer erzielt. Ein anderer Grund ist die erstaunlich solide Defensive, die während des Turniers noch kein einziges Gegentor kassiert hat. Vielleicht könnte das der Schlüssel zum ersten Titel seit 2007 sein. Damals hatte Brasilien die Copa América gewonnen – in diesem Jahr flog Brasilien schon in der Vorrunde raus.