Rio de Janeiro

Deutsche Leichtathleten enttäuschen weiter

Auch Kugel-Weltmeister David Storl bleibt ohne Medaille – aber es gibt auch Lichtblicke

Rio de Janeiro.  Die Topstars schwächeln, die positiven Überraschungen bleiben fast komplett aus: Nach den Schwimmern bahnt sich auch bei den Leichtathleten eine herbe Pleite für das deutsche Team an. Bis zum Freitag gab es lediglich zwei Podestplätze: Gold und Bronze durch die Diskuswerfer Christoph Harting und Daniel Jasinksi. Die acht Medaillen von London? Nicht mehr zu erreichen. Die offizielle Zielvorgabe des DOSB von mindestens viermal Edelmetall? Steht mehr als auf der Kippe. DOSB-Präsident Alfons Hörmann erklärte, er „teile“ die Sorge über das Abschneiden der Leichtathleten.

Der Hauptgrund: Ausgerechnet in den sonst so medaillenträchtigen Disziplinen gehen die Topstars überraschend leer aus. Am Donnerstagabend setzte der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister David Storl mit Platz sieben die Pleitenserie fort. „Eine einzige Katastrophe“, wie Storl anschließend befand.

Auch die hoch gehandelten, aber offenbar vom Nominierungs-Hickhack beeinträchtigten deutschen Speerwerferinnen erlebten einen Wettkampf zum Vergessen. Beste war noch die ehemalige Weltmeisterin Christina Obergföll auf Platz acht. Die EM-Zweite Linda Stahl, vor vier Jahren Olympiadritte, wurde sogar nur Elfte. Erstmals seit 16 Jahren gab es keine Medaille durch eine deutsche Speerwerferin.

Schon zuvor hatten zahlreiche Stars geschwächelt. Qualifikations-Aus für Raphael Holzdeppe (Stabhochsprung), Platz sechs für Christina Schwanitz (Kugel). Dazu gab es noch Rang vier für Betty Heidler (Hammer). Die Diskuswerferinnen Nadine Müller und Julia Fischer landeten ebenfalls nicht vorne. „Es ist teils individuelles Pech, kein strukturelles Problem“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop.

Nachwuchs weckt Hoffnungen auf bessere Zukunft

In der Tat gab es durchaus Lichtblicke. Dazu gehörten die Sprinterinnen und deren Jungstars Gina Lückenkemper (19) und Lisa Mayer (20), die über 200 Meter das Halbfinale erreichten und mit der Staffel in den Endlauf (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) kamen. Überzeugt hat auch die Weitspringerin Malaika Mihambo (22), die mit 6,95 Meter persönliche Bestleistung erzielte. Und auch wenn Gesa Felicitas Krause unzufrieden war: Sie lief im Finale über 3000 Meter Hindernis deutschen Rekord.

Und vor allem gibt es gute Nachwuchs-Athleten, für die Olympia 2016 zu früh kam, die aber auf Tokio 2020 hoffen lassen. Da wäre an erster Stelle Niklas Kaul (18) zu nennen, das wohl größte Zehnkampf-Talent seit Frank Buse­mann. Er ist U-18- und U-20-Weltmeister sowie U-20-Weltrekordler (8162 Punkte) mit großen Stärken im Hochsprung und Speerwurf.

Dann gibt es die Brüder Clemens (19) und Henning (20) Prüfer, die stark im Kugelstoßen und noch stärker im Diskuswurf sind. Bei den Sprintern machte dieses Jahr Roger Gurski (19) auf sich aufmerksam, der über 200 Meter in 20,64 Sekunden eine neue Bestzeit aufstellte. Die Hochspringer hoffen auf Lukas Mihota – der 17-Jährige wurde im Juli mit 2,17 Meter Hochsprung U-18-Europameister. Und auch bei den Mittel- und Langstrecken tut sich etwas. Neben Konstanze Klosterhalfen (18), die über 1500 Meter schon in Rio ins Halbfinale kam, hat sich Alina Reh (19) in den Vordergrund gelaufen: Sie stellte über 5000 Meter einen neuen deutschen Jugendrekord (15:41,62) auf.