Rio De Janeiro

Sternstunde für deutsche Turnerinnen

Der erste Einzug in ein olympisches Teamfinale sorgt für kollektive Glücksgefühle

Rio De Janeiro.  Deutschlands Turnerinnen waren nach ihrer Sternstunde in der Olympic Arena von Rio de Janeiro aus dem Häuschen. „Wir sind uns schreiend und kreischend in die Arme gefallen“, schilderte Kim Bui am Tag danach den ausgelassenen Jubel über den erstmaligen Einzug in ein olympisches Teamfinale. Lange hatten sie nach ihrem eigenen Wettkampf auf der Tribüne inmitten der 12.000 Zuschauer und später vor dem Fernseher gebangt, ehe der größte Erfolg zu später Stunde endlich zur Gewissheit wurde.

Nicht ein einziger gravierender Fehler ging in die Teamwertung ein. Unabhängig vom Ausgang des Finals am Dienstag (21 Uhr MESZ) steht bereits das beste Mannschaftsresultat seit der Wiedervereinigung fest. Neunte Ränge in Barcelona 1992 und London 2012 waren bislang die besten olympischen Platzierungen.

„Wir werden angreifen und alles daransetzen, im Finale noch einmal diese Leistungen abzurufen“, gab sich Team-Youngster Tabea Alt (16) aus Ludwigsburg kämpferisch. Sie wird im Finale an zwei Geräten turnen. Für je drei Einsätze wurden Elisabeth Seitz und Sophie Scheder nominiert.

Sie wurden tags zuvor für das Erreichen von je zwei Einzelfinals bejubelt. Seitz (15,466 Punkte) und Scheder (15,433) zogen als Fünfte und Sechste in den Medaillenkampf am Stufenbarren ein. „Jetzt werde ich da was riskieren und alles zeigen, was ich kann“, meinte Seitz, die in London vor vier Jahren schon Sechste war. Die beiden Aushängeschilder werden auch im Mehrkampf-Finale die deutschen Farben vertreten.

Ulla Koch genoss den großen Moment im Stillen. Seit elf Jahren leitet die Cheftrainerin nun schon die Geschicke des Teams. Als sie anfing, hatten die Deutschen gerade die Qualifikation für die Spiele in Athen verpasst, waren absolutes Mittelmaß.

Viel hat sie in den Jahren verändert, die Wissenschaft an den Olympiastützpunkten stärker eingebunden, Lehrgänge mit der Topkonkurrenz in den Vereinigten Staaten organisiert.

Koch: „Wir haben den Heimtrainern Input gegeben: Wie legen wir an Kraft zu, wie springen wir besser.“ Die Arbeit mit einem Mentaltrainer sei nur noch das i-Tüpfelchen gewesen. Ganz viel Wert legt die Chefin darauf, dass trotz aller Vorgaben die Individualität der Turnerinnen nicht auf der Strecke bleibt.