Hamburg

„Der HTHC steht für Geselligkeit und Gemeinschaft“

Der Harvestehuder Tennis- und Hockeyclub feiert an diesem Wochenende sein 125-jähriges Bestehen. Im Abendblatt sprechen drei Mitglieder über das Leben in ihrem Verein

Hamburg.  Mit einem Galaabend im Clubhaus an der Barmbeker Straße am Sonnabend und einem Tag der offenen Tür am Sonntag feiern die rund 2900 Mitglieder des Harvestehuder Tennis- und Hockeyclubs (HTHC) an diesem Wochenende das 125-jährige Vereinsbestehen. Das Abendblatt bat drei Mitglieder zum Generationengespräch: Tennistalent Jonathan Lawrenz (15), seit seiner Geburt im Verein; Präsident Cito Aufen­acker (46), der seit 1990 ebenso Hockey und Tennis spielt wie Rolf Urselmann (71), der seit 50 Jahren Mitglied ist und die Vereinschronik verfasst hat.

Herr Urselmann, Sie stammen aus Duisburg. Wie kommt ein Kind des Ruhrpotts zum HTHC?

Urselmann: Als Jugendliche haben wir mit unserem Club Meiderich jedes Jahr am Osterturnier in Bad Kreuznach teilgenommen. Dort spielte auch der HTHC mit, und mir hat sofort das schwarz-gelbe Trikot gefallen. Als ich mit 21 Jahren nach meiner Banklehre beruflich nach Hamburg versetzt wurde, lag es nahe, meiner Hockey-Leidenschaft im HTHC weiter nachzugehen. Ich bin also zum Platz gefahren und habe gefragt, ob ich mitspielen kann. Da ich durch die Junioren-Nationalmannschaft einen Spieler kannte, wurde ich sofort aufgenommen.

Was für ein Verein war der HTHC 1966?

Urselmann: Besonders beeindruckt hat mich die Anlage mit dem schmucken Clubhaus. Das war für einen aus dem Ruhrgebiet oberstes Regal. Was mir sofort auffiel, war das Familiäre, das der Club trotz der Orientierung zum Leistungssport ausstrahlt. Außerdem habe ich schnell gelernt, dass die Hamburger nicht so kühl sind, wie man es ihnen nachsagt. Wenn man einmal drin ist in ihrem Kreis, gibt es nichts Besseres.

Jonathan, auch deine Eltern und deine Großeltern sind HTHC-Mitglieder. Wie würdest du deinen Verein beschreiben?

Lawrenz: Als meine Heimat. Ich habe hier schwimmen gelernt und als kleiner Junge mit Papa und Opa Tennis gespielt. Ich habe sehr viel meiner Freizeit beim HTHC verbracht, und ich habe eine Menge meiner Freunde hier gefunden. Mir gefällt die Lage der Anlage mitten in der Stadt, ebenso der vereinseigene Pool und das Clubhaus. Aber am schönsten ist, dass hier alle zusammenhalten.

Herr Aufenacker, wenn Sie das hören, muss Ihnen als Präsident das Herz aufgehen. Ist der HTHC wirklich ein so toller Verein?

Aufenacker: Auf jeden Fall stehen wir seit 125 Jahren für Geselligkeit und Gemeinschaft, und das liebe ich. Wir sagen hier gern, dass wir vier Sparten haben: Tennis, Hockey, Lacrosse – und die Gastronomie.

In der heutigen Zeit leiden Vereine unter Mitgliederschwund und unter schwindendem ehrenamtlichen Engagement. Wie hat sich der HTHC in diesem Punkt gewandelt?

Urselmann: Aus meiner Sicht hat sich der Club sehr gewandelt. Zum einen hat der Leistungsgedanke im Sport einen größeren Stellenwert bekommen, seit wir uns vor 20 Jahren dazu entschlossen haben, das mehr fördern zu wollen. Zum anderen sind viele Mitglieder nicht mehr ganz so eng am Clubleben dran wie früher. Vor 30 Jahren waren Clubfeste wie Familienfeiern, da kannte man fast jeden. Das ist bei 2900 Mitgliedern heute schwer möglich. Was mich freut, ist, dass es keine Cliquenwirtschaft gibt. Ich glaube, das liegt daran, dass es niemals verschiedene Beiträge für die Abteilungen gab. Es gab immer nur einen Club für alle, in dem jeder das akzeptiert, was dem anderen nutzt.

Jonathan, deiner Generation wird oft vorgehalten, sich nicht mehr binden oder engagieren zu wollen und angesichts der medialen Reizüberflutung sowieso keinen Sport mehr zu machen. Bist du als engagiertes Clubmitglied ein Auslaufmodell?

Lawrenz: Ich finde es schön, viel Zeit im Club zu verbringen und mich zu engagieren. Und ich glaube auch nicht, dass das aus der Mode kommen wird.

Der HTHC hat in der Vergangenheit oft erlebt, dass auf Hochphasen tiefe Täler kamen. Wie schaffen Sie es künftig, kontinuierlich Erfolg zu haben?

Aufenacker: Ich selbst habe im Hockey zwei Meilensteine erlebt. Das war in den 90er-Jahren die Phase mit dem Hype um Büdi Blunck und seit 2014 die mit unserem Welthockeyspieler Tobias Hauke. Beide haben den Verein sehr geprägt. Ich verhehle aber nicht, dass da sehr viel harte Arbeit dahintersteckt.

Urselmann: Man sollte auch nicht vergessen, dass unsere Damen einige Jahrzehnte das Hockey dominiert haben. Das Niveau des Sports von damals ist mit dem von heute nicht mal ansatzweise zu vergleichen. Klar ist, dass die Höhen, die Cito erwähnte, eng mit den jeweiligen Präsidenten, also Kay Sattelmair und Cito selbst, verbunden sind. Solche Spitzenleistungen kann ein Familienclub nur bringen, wenn zu einem funktionierenden Vorstand ein engagiertes Umfeld und zwei, drei richtig gute Spieler kommen. Und da muss man realistisch sein, dass das nicht dauerhaft möglich ist.

Gibt es eine Epoche des HTHC, für die Sie sich schämen?

Urselmann: Wie in den allermeisten Vereinen gab es in der Nazizeit auch bei uns Ausschlüsse jüdischer Mitglieder. Diesem Kapitel müssen wir uns stellen, und das tun wir auch.

Aufenacker: Tatsächlich habe ich im Zuge der Recherche für die Chronik eine Reihe an Dokumenten gesehen, die mit „Heil Hitler“ unterzeichnet waren. Da wird einem schon anders, aber das gehörte damals leider zur Geschichte.

Urselmann: Und man muss auch sagen, dass es eine Reihe an Mitgliedern gab, die jüdische Vereinskameraden geschützt und gedeckt haben. Insofern glaube ich nicht, dass wir uns allzu sehr schämen müssen.

Was ist für Sie die wichtigste Eigenschaft, die der HTHC in Zukunft ausstrahlen soll?

Lawrenz: Dass alle Spaß an ihrem Sport haben sollen, dabei aber nicht den Ehrgeiz vergessen, um das, was sie machen, ordentlich zu machen.

Aufenacker: Wir versuchen unser eigenes „7-S-Modell“ zu leben: Sportverständnis, Spielfreude, Siegeswille, Soziales, Solidarität, Struktur der Selbstorganisation und Sponsoring. Vieles hiervon verkörpern gerade unsere Nordliga-Tennisherren. Die haben alle schwarz-gelbe Herzen, da ist kein Söldner dabei, die leben den bekannten Spirit der Hockeyherren voll mit. Das finde ich super.

Urselmann: Dass wir Sport auf hohem Level betreiben und uns dennoch hinterfragen, ob wir uns das leisten können. Die Gemeinschaft muss über allem stehen. Der HTHC kann auch leben, wenn nicht alle Teams hochklassig spielen. Mit unserer Struktur müssen wir viel tun, um oben mitzuhalten. Manchmal ist das vielleicht etwas zu viel.

Wenn Sie für die nächsten Jahre einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie Ihrem HTHC gern erfüllen?

Lawrenz: Dass die Tennisherren in die Regionalliga aufsteigen. Wir haben derzeit acht gute Talente unter 18, die wir dann im Club halten könnten.

Urselmann: Mein Wunsch wäre, den alten Voßberg I, auf dessen Gelände jetzt die Heinrich-Hertz-Schule steht, wieder in die Anlage zu integrieren. Das würde unsere Platzprobleme lösen und ein Stück Geschichte beleben.

Aufenacker: Ich wünsche mir, dass wir den Status, den wir uns erarbeitet haben, wenigstens halten können. Dafür wäre es sehr hilfreich, wenn mal ein großer Sponsor käme und uns unsere finanziellen Herausforderungen abnähme. Die unglaubliche Arbeit, die alle im Club leisten, verdiente es, belohnt zu werden.