Hamburg

Erst die EM, dann weg vom HSV

Zoltan Stieber kann sich in Frankreich für einen neuen Club empfehlen. Sonnabend gegen Deutschland

Hamburg. Er musste lachen, als er die Nachricht empfing. „Zoltan Stieber ist Nürnbergs Spieler der Saison“, vermeldete der Zweitligist am Dienstag. Stieber, vom HSV für ein halbes Jahr an den Club verliehen, hatte in der Rückrunde nur sechs Teilzeiteinsätze für die Nürnberger bestritten. Fans des HSV hatten sich so zahlreich an der Umfrage beteiligt, dass Stieber die Wahl gewann. „Die HSV-Fans sind die besten“, sagte Stieber, dem nach dem korrigierten Ergebnis nur noch der Titel als Sieger der Herzen blieb.

Noch am selben Tag erreichte den Ungar eine Nachricht, über die er sich dann so richtig freuen durfte. Nationaltrainer Bernd Storck und sein Co-Trainer Andreas Möller beriefen Stieber in den Kader für die EM. An diesem Sonnabend (18 Uhr/ZDF) steht in Gelsenkirchen die Generalprobe gegen Deutschland an. „Die Europameisterschaft war mein großes Ziel. Ich bin sehr glücklich, dass es geklappt hat“, sagt Stieber im Abendblatt-Gespräch. Für sein großes Ziel war er im Winter aufgrund fehlender Spielpraxis nach Nürnberg gewechselt. Doch auch in der Zweiten Liga lief es für den kleinen Flügelstürmer nicht. „Natürlich habe ich mir das anders vorgestellt. Ich möchte mich aber jetzt nicht mehr mit der Vergangenheit beschäftigen. Im Fußball geht es manchmal eben sehr schnell.“

Vor einem Jahr half Stieber beim HSV in der Endphase mit wichtigen Vorlagen noch maßgeblich mit, den Klassenerhalt zu sichern. Nun liegt hinter ihm das schwerste Jahr seiner Karriere. Bei der EM kann sich Stieber für einen neuen Verein empfehlen. Klar ist: Beim HSV hat er trotz Vertrags bis 2017 keine Zukunft mehr. Nürnbergs Kaufoption hätte nur bei einem Aufstieg gegriffen. Berater Volker Struth wird Stieber bei der Suche nach einem neuen Club helfen. Mehrere Zweitligisten zeigen Interesse. „Für mich ist wichtig, wieder zu spielen.“

Zunächst will sich Stieber aber nur auf die EM konzentrieren. Zum Auftakt geht es gegen Geheimfavorit Österreich, dann wartet Island. Im dritten Spiel trifft Ungarn auf Portugal. Und Stieber möglicherweise auf seiner Außenbahn auf Superstar Cristiano Ronaldo. „Er ist im Moment der beste Spieler der Welt. Wir haben keinen Messi und keinen Ronaldo, unsere Stärke ist die Geschlossenheit.“

Seinen Ungarn traut Stieber zu, für eine Überraschung zu sorgen. „Wir haben in den Play-offs gegen Norwegen gezeigt, wie stark wir sind. Warum sollten wir nicht auch die Gruppe überstehen?“ Für Stieber wäre das wirklich die beste Nachricht der Saison.